„Alles ist erlaubt- aber nicht alles nützt. Alles ist erlaubt- aber nicht alles baut auf. Denkt dabei nicht an euch selbst, sondern an die anderen.“

„Alles ist erlaubt“ - das ist ein Schlagwort, das die Menschen in Korinth damals prägte. So war ihre Lebenshaltung bis hinein in die christliche Gemeinde. „Alles ist erlaubt“ - das galt für alle Lebensbereiche. Der Streit mit Paulus entzündete sich damals aber besonders an der Frage: „Wie lebe ich als Christ verantwortlich meine Sexualität?“ und: „Wie ernähre ich mich als Christ, wenn doch überall Götzenopferfleisch günstig zum Verzehr angeboten wird?“ Die Frage war aktuell, weil die Korinther viele Götter verehrten. Die christliche Gemeinde war damals noch klein und nur eine Gruppierung unter vielen.

Paulus nimmt nun dieses Schlagwort der Korinther auf, um einen Anknüpfungspunkt zu haben. Aber er schränkt es entscheidend ein: „nicht alles nützt…nicht alles baut auf...denkt auch an die anderen“.

Man kann sich also nicht einfach zufrieden die Hände reiben, sich womöglich auf christliche Freiheit berufen und dann so leben, als hätte man keinen Glauben an Gott und es wäre alles möglich. Als Christ bin ich mir bewusst, dass ich unter einer besonderen Verantwortung lebe – vor Menschen und vor Gott. Das gilt für alle Lebensbereiche – auch für die Sexualität und die Ernährung. Deshalb hat Gott die Erfüllung der Sexualität in das eheliche Zusammenleben hinein geordnet. Und deshalb heißt die Vaterunserbitte: „unser tägliches Brot gib und heute“ und nicht: „unser Essen gib uns im Überfluss, damit wir damit tun und lassen können, was wir wollen!“

„Denkt auch an die anderen“ - sagt Paulus. Das heißt Rücksicht nehmen. Dem anderen kein Ärgernis bereiten. Wir haben kein Recht, egoistisch nur unsere eigenen Interessen durchzusetzen. Das könnten wir, wenn wir einsam in der Wüste leben würden! Das tut aber von uns niemand! Wir alle sind vielfältig eingebunden in Lebensbezüge und persönliche Verbindungen, sei es beruflich oder privat.

Das wird ein gesegnetes Jahr 2012, wenn wir uns in unserem Zusammenleben diese drei Maßstäbe des Paulus neu ins Gedächtnis rufen: „nicht alles nützt…nicht alles baut auf...denkt auch an die anderen“.

Es grüßt Sie herzlich

Ihr Pfarrer Friedemann Wenzke