Veränderungen bei den Abendmahlsfeiern in Kleinsachsenheim


Der Kirchengemeinderat hat an seinem Klausurtag am 18.04.2015 folgende Änderungen bei den Abendmahlsfeiern in der Kirchengemeinde Kleinsachsenheim beschlossen.

1. Ab dem 01.07.2015 gibt es kein Abendmahl im Anschluss an den Gottesdienst mehr. Die Abendmahlssonntage werden wie bisher veröffentlicht, aber das Abendmahl ist immer in den Gottesdienst integriert. Wer nicht am Abendmahl teilnehmen möchte, kann in aller Freiheit die Abendmahlsfeier vom Sitzplatz aus verfolgen. Das Abendmahl ist immer eine Einladung, zu der man sich frei verhalten kann.

2. Ebenfalls ab dem 01.07. können Kinder am Abendmahl teilnehmen. Die Entscheidung liegt bei den Eltern. In den Kindergruppen und der Kinderkirche der Kirchengemeinde wird das Abendmahl einmal jährlich zum Thema gemacht. Aber auch Eltern haben die Aufgabe, Kindern das Abendmahl zu erklären, wenn sie möchten, dass diese daran teilnehmen. Besonders die Möglichkeit der Teilnahme für Kinder ist eine Neuerung in der Kirchengemeinde Kleinsachsenheim, die sicher bei dem einen oder anderen einer gewissen Gewöhnung bedarf.

Allerdings hat die württembergische Landessynode bereits im April 2000 einstimmig beschlossen:


§ 3 Abendmahlsordnung
Weil Jesus Christus selbst zu seinem Mahl einlädt, sollen Christen diese Einladung regelmäßig annehmen. Auch Kinder sind eingeladen, am Abendmahl teilzunehmen. Sie sollen ihrem Alter gemäß darauf vorbereitet sein. Die Vorbereitung soll dazu beitragen, dass das Kind erkennen kann, dass Christus im Abendmahl zu ihm kommt.


Somit sind Konfirmandenunterricht und Konfirmation nicht länger Voraussetzung zur Teilnahme. Bereits Kinder gehören durch Glaube und Taufe uneingeschränkt zur christlichen Kirche. Wer aber zur christlichen Kirche gehört, darf am Abendmahl teilnehmen. Kinder sollen darauf vorbereitet werden. Die Vorbereitung hilft den Kindern zu erkennen, dass Christus im Abendmahl zu ihnen kommt.

Geschichtlicher Rückblick
Bereits zur Zeit der Alten Kirche, d. h. in den ersten Jahrhunderten nach Christus durften Kinder nach ihrer Taufe am Abendmahl teilnehmen. Die orthodoxen Kirchen haben das bis heute beibehalten. Doch im Mittelalter kam es zu einer tiefgreifenden Wende. Seit dem 13. Jahrhundert musste ein getaufter Christ zunächst etwa 7, später 13 oder 14 Jahre alt sein. Auch die Reformation änderte daran nichts. Vielmehr galt die später aufkommende Konfirmation als Zulassung zum Abendmahl. Erst Mitte und Ende des 20. Jahrhunderts erkannte man: Auch Kinder können den Glauben haben, der das Abendmahl angemessen empfängt und begreift.

Gründe für das Abendmahl mit Kindern

a) Die Bedeutung der Taufe und des Glaubens
Durch die Taufe und den Glauben wird ein Mensch Glied am Leib Christi. Dies gilt unabhängig vom Lebensalter und den intellektuellen Fähigkeiten. Wer Glied am Leib Christi ist, dem gilt die Einladung zum Abendmahl.

b) Der einladende Christus
Im Abendmahl lädt Jesus Christus seine ganze Gemeinde, den Leib Christi, ein. Die Gemeinde empfängt in Brot und Wein Anteil an der Versöhnung, die Jesus Christus vollbracht hat. Weitere Aspekte des Abendmahls sind Gemeinschaft, Lob und Dank, Hoffnung auf das Reich Gottes, Gegenwart Gottes. Jesus Christus selbst hat die Kinder zum herausragenden Beispiel für den Empfang des Gottes Reiches erklärt und zu sich eingeladen (vgl. Markus 10, 13 ff; Matthäus 18, 1 ff).

c) Der Leib Christi
Die Gemeinschaft der Christen wird im Neuen Testament mit dem Bild vom Leib Christi beschrieben. Der Leib Christi kommt zum Ausdruck in der Abendmahlsgemeinde. Unterschieden sind die Glieder nach der Art und Funktion, nicht aber durch ihren Rang (siehe menschlicher Leib). Hier ist nicht Mann noch Frau, hier ist nicht Erwachsener noch Kind. Sie sind alle einer in Christus Jesus (vgl. Gal 3, 28).

Im Folgenden einige Pro- und Contra Argumente, die in der Diskussion um das Abendmahl mit Kindern gerne angeführt werden:

Contra

  1. Kinder verstehen nicht, was im Abendmahl geschieht.   
  2. Bei der Einsetzung des Abendmahls werden keine Kinder erwähnt. Kinder müssen warten lernen.
  3. Kinder brauchen das Abendmahl nicht. Sie haben noch kein Verständnis für Gut und Böse, für Gottes Willen, für begangene Sünden und die Notwendigkeit der Vergebung.
  4. Kinder können noch nicht richtig glauben. Daher ergreifen sie das Abendmahl nicht im Glauben und essen es unwürdig.
  5. Der Bewegungsdrang und die Unruhe widerspricht der Würde des Abendmahls.
  6. Abendmahl und Konfirmation gehören zusammen.


Pro

  1. Das Verständnis des Abendmahls ist unabhängig vom geistigen Entwicklungsstand. Gerade Kinder lernen verstehen durch Miterleben.
  2. Jesus lädt gerade die Kinder zu sich ein. Er schenkt ihnen seine besondere persönliche Zuwendung.
  3. Kinder werden schuldig und erfahren Schuld anderer am eigenen Leib. Sie wissen um Schuld und die Notwendigkeit der Vergebung. Auch weitere Aspekte des Abendmahls sind ihnen wichtig: Gott schenkt mir etwas, Christus ist bei mir, ich gehöre zur Gemeinschaft der Kirche etc.
  4. Glaube ist nicht nur intellektuelles Wissen. Er ist ein Grundvertrauen, dass von Gott Liebe, Hilfe und Rettung herkommt. Dieses Grundvertrauen können auch Kinder haben.
  5. Eine kindgemäße Gestaltung erhält die Würde des Abendmahls. Kinder lassen sich unbefangener auf Zeichenhandlungen ein als Jugendliche oder Erwachsene.
  6. Abendmahl, Taufe und Glaube gehören zusammen. Die Konfirmation dient der Bestärkung der Taufe.


Zusammenfassung:

Im Abendmahl geht es um das heilvolle Geschenk Gottes. So ergibt sich kein Sinn, gerade die auszuschließen, die nicht nur „wie Kinder”, sondern wirklich Kinder sind.

Pfarrer Friedemann Wenzke