Der KGR und ich...

© B. Scheuermann

Sie glauben nur, was Sie sehen? Mit dieser Frage ist Mr. Joy in sein Programm gestartet. Oft geht uns dieser Satz vermutlich relativ leichtfertig über die Lippen. An diesem Abend mussten wir aber einsehen, dass wir manchmal auch ganz gut beraten sein könnten, nicht alles, was wir sehen, auch zu glauben. Mr. Joy hat uns aufgezeigt, dass er als Illusionskünstler unser Gehirn ganz einfach glauben machen kann, Dinge zu sehen, die unmöglich sind... Und dann ist es vielleicht doch nicht immer richtig, zu glauben, was wir zu sehen meinen. Wenn wir damit falsch liegen können, alles zu glauben, was wir sehen, könnte es ja genauso falsch sein, wenn wir nur das glauben, was wir tatsächlich sehen können. Diese Gedankenjonglage mag etwas verwirrend sein, aber Mr. Joy hat mir ins Bewusstsein gerufen, dass wir uns manchmal so leicht täuschen lassen, weil wir unseren Fokus auf die „falschen“ Dinge richten und nicht auf die kleinen Dinge achten. Denn nur so gelingt es einem Illusionisten, uns zu verblüffen und uns etwas vorzugaukeln, was in Wirklichkeit gar nicht möglich ist. Falls Sie sich jetzt etwas wundern  mögen, was dies denn mit der Arbeit im KGR zu tun hat, möchte ich Sie beruhigen. Wir werden auch in Zukunft keine Kaninchen aus dem Hut zaubern. Aber trotz allem können wir den Bogen spannen. Bei unserer Arbeit geht es oft darum, Dinge zu entscheiden, zu planen, die wir nicht sehen können. Weil Sie noch in der Zukunft liegen oder weil es abstrakte Dinge sind;  Ideen, Visionen in unseren Köpfen. Wir können es nicht sehen, aber wir können es uns vorstellen. Wir müssen es uns vorstellen.

Ein paar Beispiele: Unser Leitbild. Von der ersten Idee bis zur Ausformulierung war es schon ein weiter Weg. Von den Worten auf dem Papier hin zu gelebter Realität in unser Gemeinde ist es auch noch ein ganzes Stück. Hohe Ziele. Erreichbar werden sie nur, wenn wir auf das hinsteuern, was wir noch nicht sehen können. Denn wenn wir nur das als wahr akzeptieren, was schon ist, wird es schwierig, neue Ufer zu entdecken. Manchmal arbeiten wir auch an Projekten, die noch nicht bestehen. Wenn wir z. B. über die Erweiterung der Villa Sonnenschein reden. Schon lange bevor wir sehen konnten, wie das einmal werden könnte, mussten wir uns überlegen, ob wir diese Erweiterung als Träger übernehmen können oder wie das Konzept gestaltet werden kann (Danke an das Team der Villa für seine großartige Arbeit bei der Entwicklung).

Wir mussten über Dinge reden, die wir nicht sehen konnten, wir mussten „glauben“, dass es die Kindertagesstätte geben wird, um konkretere Planungen zu beginnen. In unserer Novembersitzung besuchte uns der von der Stadt beauftragte Architekt. Er stellte uns seine Entwürfe für den Erweiterungsbau vor. Aus den Vorgaben der Stadt und den Wünschen, die sich aus dem Anforderungsprofil der Konzeption ergeben, konstruierte er Räume, zeichnete Pläne. Bloße Ideen wurden sichtbar, ein wenig realer. Wir könnten nichts bauen, nichts erstellen, nichts planen, wenn wir nicht manchmal an Dinge „glauben“, die wir (noch) nicht sehen. Sie spüren sicher schon, dass ich darauf hinaus will, dass es sehr kurz gedacht ist, sich nur mit dem zu beschäftigen, was wir sehen können. Und ich bin mir sicher, dass Sie selbst auch in vielen Bereichen in Ihrem Alltag Entscheidungen treffen, für Dinge, die in der Zukunft liegen.

Im Prinzip fängt es bei der Planung für das nächste Mittagessen an, der kommende Urlaub, Ihre Altersvorsorge... Alles Dinge, die mehr oder weniger „Glaube“ an etwas erfordern, das wir nicht sehen können. So ist das Leben, werden Sie jetzt vielleicht sagen. Stimmt schon... Ich möchte behaupten, dass es schwierig ist, wenn wir nur das glauben könnten, was wir wirklich schon gesehen haben. Wir halten so viele Dinge für wahr, die man nicht sehen kann. Die Liebe, die Wärme, … (wir sehen/spüren höchstens die Auswirkungen davon) ebenso wenig habe ich Atome oder mein Gehirn gesehen.

Vielleicht haben Sie (und ich) ja auch mal den Mut, im Blick auf Gott ein bisschen mehr Vertrauen in die Dinge zu setzen, die wir nicht sehen können. Auf die Dinge, die uns in der Bibel versprochen werden. Vielleicht sogar in diesen Gott, den wir nicht sehen können. „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“ (Joh 20,29). Ja, es erfordert Mut, vielleicht auch Überwindung, aber im Grunde haben wir in unserem Leben so oft Situationen, in denen wir auf Unsichtbares hin leben, hin arbeiten, dass wir vielleicht auch in Glaubensfragen mal einen vorsichtigen Blick hinter den sichtbaren Horizont werfen könnten. Ich bin mir sicher, dass auch hier Dinge greifbarer werden und wir die „Auswirkungen“ sehen und spüren können, auch wenn wir Gott noch nicht sehen.

Aber mit dem Blick auf die Weihnachtszeit müssen wir uns vielleicht wieder einmal ins Bewusstsein rufen, dass Gott an Weihnachten, durch die Geburt Jesus, sehr sichtbar geworden ist. Gott hat den Menschen den Messias präsentiert, den er ihnen durch die Propheten schon lange versprochen hatte. Was bis dahin nur eine Hoffnung war, wurde sichtbare Realität. Ich bin froh, dass wir nicht nur das glauben müssen, was wir sehen.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnete Weihnachtszeit und vielleicht ein bisschen Mut, nach dem Stern über Bethlehem an Ihrem ganz persönlichen Horizont Ausschau zu halten.

Herzliche Grüße aus dem KGR

Binia Scheuermann