Der KGR und ich...

Seit der Sommerpause ist schon wieder so viel passiert, dass ich gar nicht so recht weiß, womit ich nun beginnen soll. Im September hatten wir neben einer regulären Sitzung auch unser jährliches KGR-Wochenende im Tagungshaus Hohebuch. Diese Zeit nutzen wir normalerweise, um die großen Themen zu besprechen, die den Rahmen unserer abendlichen Sitzungen sprengen. Doch dieses Jahr haben wir uns auf ein neues „Experiment“ eingelassen. Am Freitagabend haben wir noch etwas Zeit damit verbracht, einige aktuelle Anliegen zu besprechen. Unter anderem haben wir weiter an einem Leitbild für unsere Gemeinde formuliert. Vielleicht denken Sie bei einem Leitbild zuerst einmal an Wirtschaftsunternehmen, aber auch viele andere Organisationen haben in den letzten Jahren ein Leitbild erarbeitet, um zu definieren, wofür sie stehen. Warum ein Leitbild auch für uns als Gemeinde Sinn macht, lässt sich mit der Definition, die ich dazu auf Wikipedia gefunden habe, ganz gut erklären: >Ein Leitbild ist eine schriftliche Erklärung einer Organisation über ihr Selbstverständnis und ihre Grundprinzipien. Es formuliert einen Zielzustand (realistisches Idealbild). Nach innen soll ein Leitbild Orientierung geben und somit handlungsleitend und motivierend für die Organisation als Ganzes, sowie auf die einzelnen Mitglieder wirken. Nach außen soll es deutlich machen, wofür eine Organisation steht. Ein Leitbild beschreibt die Mission und Vision einer Organisation, sowie die angestrebte Organisationskultur. Es ist Teil des normativen Managements und bildet den Rahmen für Strategien, Ziele und operatives Handeln. Auch wenn das Ganze etwas hochgestochen klingt, geht es im Prinzip einfach darum, mit dem Leitbild unsere Werte zu kommunizieren und eine Richtschnur für unser Handeln zu schaffen.

In einer weiteren Sondersitzung im November werden wir diese Gedanken abschließen und überlegen, wie wir dieses Leitbild in Zukunft in unsere Gemeindearbeit einbinden. Im nächsten Gemeindebrief werden wir Ihnen die Ergebnisse und eine umfassende Erklärung dazu präsentieren. Dann wird das Ganze etwas greifbarer, also lassen Sie sich überraschen. :)

Aber nun zu unserem Experiment. Wie schon erwähnt, nutzen wir diese KGR-Wochenende normalerweise für geballte Planung. In diesem Jahr haben wir uns ganz bewusst dagegen entschieden und die verbleibende Zeit am Samstag und Sonntag damit verbracht, zur Ruhe zu kommen. Unter der Anleitung von Herrn Pfarrer Häußler (Geistlicher Begleiter für Mitarbeitende der Landeskirche) haben wir uns viel Zeit für die Begegnung mit Gott und uns selbst genommen. Herr Häußler hatte Gedankenanstöße, Bibeltexte und Fragen vorbereitet, die wir in die Stille mitgenommen haben, um darüber nachzudenken, mit Gott ins Gespräch zu kommen und in uns hinein zu hören. Anschließend gab es Raum, sich in kleinen Gruppen darüber auszutauschen. Diese Art der Meditation und Besinnung war teilweise neu und ungewohnt, aber es hat uns auch gezeigt, dass es gut ist, sich hin und wieder herausfordern zu lassen und über den Tellerrand des Gewohnten zu blicken. Nicht alle Impulse habe uns gleichermaßen angesprochen, aber trotzdem konnte jeder wertvolle Erfahrungen sammeln und im gemeinsamen Austausch entstanden gute Gespräche, bei denen wir uns besser kennen gelernt haben und ein bisschen mehr zusammengewachsen sind. Ich persönlich habe mir wieder neu bewusst gemacht, dass unser Christsein eine zweiseitige Beziehung ist. Es geht nicht nur darum, meine Anliegen zu Gott bringen, ich muss mir auch Zeit nehmen und still werden, um meine inneren Ohren für das zu öffnen, was Gott mir mitgeben möchte. Beziehungspflege mit Gott könnte man es nennen. Das geht im Trubel des Alltags oft unter, obwohl ich (und Sie bestimmt auch) eigentlich weiß, wie wichtig es ist, Zeit und Aufmerksamkeit zu investieren, damit Beziehungen wachsen können. Das gilt auch, wenn ich eine lebendige Beziehung mit Gott haben möchte. So war dieses Wochenende eine kleine Auszeit für meine (unsere) Seele(n) und wir konnten auftanken für unsere Arbeit. Vielleicht schaffen Sie es ja auch, sich in nächster Zeit einmal so eine kleine Oase der Stille in Ihrem Alltag zu gönnen. Es lohnt sich!

Ein weiteres Thema, das uns in den letzten Wochen beschäftigte, hat irgendwie auch mit Beziehungspflege zu tun. Uns als KGR ist es schon länger ein Anliegen, dass die Gottesdienstbesucher am Sonntagmorgen persönlich begrüßt werden. Diese Willkommenskultur ist uns während der Entwicklung unseres Leitbildes noch einmal besonders wichtig geworden und deshalb wollen wir diesen Dienst noch weiter ausbauen. Hierfür wird es ab dem kommenden Jahr ein Mitarbeiterteam geben, das die Kirchgänger persönlich begrüßt und auf neue Besucher zugeht. Wer freundlich begrüßt wird, bei Fragen einen Ansprechpartner findet, oder nach dem Gottesdienst bei einer Tasse Kaffee in ein nettes Gespräch kommt, fühlt sich gleich ein bisschen willkommener, ein bisschen mehr zu Hause. Und das war ja auch ein Ziel des Jahres-Mottos. Natürlich sind Sie als Gottesdienstbesucher auch weiterhin herzlich eingeladen, auf andere zuzugehen und auch mal mit jemandem zu sprechen, den Sie noch nicht so gut kennen. So können spannende Begegnungen entstehen und wir alle können dazu beitragen, dass aus Gemeinde Gemeinschaft wird.

Und jetzt heißt es wieder, den Blick langsam auf Weihnachten zu richten. Die Adventszeit ist die Zeit, in der wir uns ganz bewusst darauf vorbereiten, Jesus willkommen zu heißen. Er hat alle seine Macht und Herrlichkeit hinter sich gelassen und gegen ein Leben auf dieser Erde eingetauscht, um uns Menschen nahe zu sein und ein Leben wie jeder von uns zu führen. Mit menschlicher Logik lässt sich dieser Akt der grenzenlosen Liebe nicht erfassen, aber vielleicht finden Sie in der Vorweihnachtszeit einen Moment der Ruhe, um diese Gedanken einmal wirklich auf sich wirken zu lassen. Und vielleicht hilft es Ihnen, Jesus dann ganz persönlich willkommen zu heißen. Von Mensch zu Mensch.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit mit offenen Türen für Begegnungen mit Menschen und mit Gott!

Binia Scheuermann