Der KGR und ich...

© B. Scheuermann

schön, dass Sie sich wieder einmal die Zeit nehmen, meinen Bericht über unsere Arbeit zu lesen. Wieder einmal ist es nur ein kleiner Auszug von dem, was wir so alles diskutieren und beschließen. Trotzdem freut es mich, dass Viele mit großem Interesse verfolgen, was wir tun.

Lassen sie mich mit einem kurzen Blick auf den Stand der Planungen zur Kirchenrenovierung beginnen. Im letzten Bericht hatte ich ja schon erwähnt, dass das Visionsteam fleißig an der Ideensammlung gearbeitet hat. Mittlerweile ist ein umfangreicher Bericht entstanden, der nun mit den Projektgruppen besprochen wurde, so dass die einzelnen Gruppen sich daran machen können, die Ideen weiter zu bearbeiten, um dem Architekten einen Katalog mit unseren Wünschen an die Hand zu geben. Leider mahlen die Mühlen beim Oberkirchenrat etwas langsamer, als wir uns das wünschen, so dass sich bei der Architektenbeauftragen noch keine nennenswerten Fortschritte melden lassen. Uns bliebt im Moment nur, uns in Geduld zu üben und zu hoffen, dass sich hier vor den Sommerferien doch noch etwas tut. Wir sind aber trotz allem sehr hoffnungsvoll, dass unser Plan, im Frühsommer des nächsten Jahres mit der Renovierung zu beginnen, weiterhin realistisch ist. Die stetig fließenden Spenden für unser Projekt tun ihren Teil dazu.

Nicht nur Spendengelder beschäftigen uns im KGR, so wir müssen uns immer wieder um die unterschiedlichsten Themen rund ums Geld auseinnander setzen. So besprechen wir, welche Geldanlagen sinnvoll sind, denn viele der eingehende Gelder (Spenden, Zuschüsse, Zuweisungen aus der Kirchensteuer, …) werden ja nicht direkt umgesetzt, sondern gehen in Rücklagen, um dann große Projekte wie die Renovierungsarbeiten zu bezahlen. Sie können sich bestimmt vorstellen, dass das manchmal ganz schön komplex ist. Dann gibt es aber auch Punkte, an denen wir nur abstimmen bzw. zustimmen müssen. Zum Beispiel über die Kindergartenbeiträge, die jährlich von den Dachverbänden festgesetzt werden und uns dann vorgelegt werden. Und natürlich sind da noch die vielen kleinen und großen Anschaffungen, die wir beschließen müssen, um die Arbeit in der Kirchengemeinde am Laufen zu halten. Im aktuellen Fall haben wir darüber beraten, wie wir den altersschwachen zweiten Pfarramtscomputer preiswert und effektiv ersetzen können. Diese Entscheidungen gehören zu unserem KGR-Alltag, mal spannender, mal weniger spannend, aber in allen Fällen wichtig.

Bei dieser „Routine“ ist es dann um so schöner, wenn man sich ab und zu auch mal auf Neuland wagen kann. So ein Neuland haben wir im Juni betreten. Im Zuge des Reformationsjubiläums (ja genau, da war ja noch was) und der Freude über die Gewinne der Reformation, war es uns ein großes Anliegen, auch die Ökumene nicht zu vergessen. So haben wir uns gemeinsam mit dem KGR der katholischen Kirchengemeinde zu ei-ner gemeinsamen Sitzung getroffen. Natürlich war das keine KGR-Sitzung im klassischen Sinne; vielmehr ging es um einen Abend der Begegnung. Im Franziskushaus wurden wir sehr herzlich empfangen und starteten mit einer kleinen Vorstellungsrunde, bei der jeder die Möglich-keit hatte zu berichten, was ihn persönlich bewegt, sich in der Kirchengemeinde zu engagieren. Weiter haben wir uns über die Strukturen und Arbeitsbereiche in den beiden Kirchengemeinden ausgetauscht. Wussten Sie z.B., dass zur katholischen Kirchengemeinde insgesamt 10 Ortsgemeinden gehören? Eines wurde bei dem regen Austausch schnell klar, wirklich viel wussten wir bisher, ehrlich gesagt, nicht voneinander. Aber was noch viel wichtiger war, es wurde sehr deutlich, dass es Vieles gibt, dass uns verbindet. Und dabei denke ich nicht unbedingt nur an die Herausforderungen der Gemeindearbeit, die in großen Teilen sehr ähnlich sind. Ich möchte damit viel mehr unser gemeinsames Fundament ansprechen. Unser Glaube an Jesus Christus! Und der Wunsch, dass unser Glaube in unserem persönlichen Leben (und in der Gemeinde) sichtbar wird und wir die Hoffnung, die wir daraus schöpfen, mit anderen teilen können. Ja aber, … möchten Sie jetzt vielleicht sagen. Ja, es gibt nach wie vor Themen, bei denen wir uns nicht einig sind; ja, es gibt große Unterschiede in dem, wie Spiritualität gesehen und gelebt wird; und ja, mit diesem Treffen werden wir sicher nicht alle Unterschiede in theologischen Fragen überwinden. Aber was viel wichtiger ist, war zu erleben, dass uns unser Glaube, trotz aller Unterschiedlichkeit, einen kann. Und dass wir im Endeffekt vor allem eines sind: Geschwister im Glauben. Das soll, etwas überspitzt, jetzt nicht heißen, dass wir unsere Kirchen zusammen legen, sondern vielmehr, dass wir uns in unserer Unterschiedlichkeit annehmen können und uns gemeinsam an unserem Glauben an Jesus freuen können. Und dass wir uns in aller Demut fragen, was wir voneinander lernen können. Denn ich bin überzeugt, dass es da sehr viel gibt. Jemand hat einmal - etwas flapsig formuliert - gesagt: „In der Ewigkeit werden wir alle miteinander auskommen müssen, warum sollen wir nicht schon hier damit anfangen?“ Deshalb an dieser Stelle mein ganz großes Plädoyer für die Ökumene! Und bitte verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin von Herzen evangelisch, und ich verstehe unter Ökumene auf keinen Fall, dass wir unsere „Glaubenssätze“ um des „lieben Friedens willen“ aufgeben oder verwässern sollen. Meine Deutung von Ökumene ist, dass wir gemeinsam unserem Gott die Ehre geben. In aller Unterschiedlichkeit, in aller Vielfalt, aber immer mit Respekt voreinander, mit Verständnis füreinander und in christlicher Liebe zueinander. Denn die Punkte, die uns einen, sind mehr und gewichtiger, als die, die uns trennen wollen. Ein Blick über den eigenen Tellerrand oder besser gesagt, ein Blick aus der eigenen Kirche lohnt alle mal. Ich jedenfalls bin sehr dankbar für diese bereichernde Erfahrung!

Und zum Schluss nun noch eine andere Bereicherung, die wir erfahren durften. Zweieinhalb Jahre lang. So lange kam es dem ein oder anderen gar nicht vor und ich wage zu behaupten, dass wir im KGR uns einig sind, dass sie viel zu schnell vergangen sind. Sie ahnen vermutlich, wovon ich rede… Richtig, die zweieinhalb Jahre, die unser Vikar Matthias Baral Teil unsere Gemeinde war.
Ich will gar nicht viele Worte machen, alles aufzuzählen, was er in dieser Zeit eingebracht hat, würde meinen Bericht wahrscheinlich locker verdoppeln, deshalb nur so viel:
Lieber Matthias, Du warst wirklich eine große Bereicherung für uns! Vielen, vielen Dank für alles was Du (deine Familie natürlich eingeschlossen) in dieser Zeit in unsere Gemeinde investiert hast. Alle Zeit, alle Gedanken, alles Tun, alle Worte, alles Herz! DANKE!

Da kann man schon fast ein bisschen neidisch auf deine neue Gemeinde sein, der du garantiert ein großartiger Pfarrer werden wirst. Aber sind wir dankbar für die Zeit, in der wir in den Genuss kamen. ;) Wir alle wünschen Dir und Deiner Familie alles erdenklich Gute und eine gewaltige Portion Segen für Euren Start in die nächste Etappe!           Du wirst uns sehr fehlen!


Herzliche Grüße aus dem KGR
Binia Scheuermann