Worauf warten wir?

Advent: Zeit für besinnliche Stunden: Gemütliches Feiern in der Schule, in Betrieb oder Verein, Weihnachtsbäckerei und Nüsse knacken?

Oder vielmehr für viele: Advent: Hektische Zeit der Vorbereitungen, Geschenkekauf und Hausputz, dazu noch die vielen Klassenarbeiten und Hochsaison bei der Arbeit? Wie auch immer: Advent - eine Zeit voll Spannung und Erwartung.

Zum Ende des Jahres soll alles gut werden. Oder was erwarten wir?

Advent: Vorbereitung auf Weihnachten. Wir warten auf das Kommen Jesu, auf das „Christkind“. Eigentlich wissen das alle, und doch bleibt es eigenartig blass. Worauf warten wir denn, wenn wir sagen: Wir warten auf das Kommen Jesu? Es sind drei Blickrichtungen:

  1. Das Warten richtet sich zum einen in die Vergangenheit. Wir erinnern uns an das Kommen Jesu vor 2000 Jahren. Im Stall von Betlehem ist das Wunder geschehen, dass Gott in seiner Liebe Mensch geworden ist. Was wir Weihnachten feiern, bereiten wir im Advent vor.
  2. Die Geburt vor 2000 Jahren wäre ein wertloses Datum der Geschichte, wenn sie nicht für unsere Gegenwart Bedeutung hätte. So erwarten wir das Kommen Jesu in unser Leben: Dass er uns mit seiner Liebe berührt, dass wir verwandelt werden von der Kraft Gottes. „Wird Christus tausendmal zu Betlehem geboren und nicht in dir, du bleibst noch ewiglich verloren“, schreibt Angelus Silesius. Im Advent warten wir darauf, dass Jesus auch zu uns kommt.
  3. Die Erwartung richtet sich schließlich auch in die Zukunft. Gemeinsam mit unseren jüdischen Brüdern und Schwestern erwarten wir den Retter am Ende der Zeiten. Als Christen glauben wir, dass es Jesus sein wird, der schon gekommen ist und der auch jetzt im Geist bei uns ist. Advent heißt dann auch, dass wir uns vorbereiten auf das Heil, das Gott uns einmal schenken wird.


Gerade mit dem letzten Aspekt, der Hoffnung auf die Zukunft, weist die Adventszeit weit über Weihnachten hinaus. Advent ist mehr als die Vorbereitung auf Weihnachten, Advent wird zu einer Lebenshaltung: Leben im Advent, das heißt: Leben in der Erwartung - in der Erwartung auf eine neue Welt, in der uns das Dunkel nicht mehr drücken wird.

Vielleicht ist es ja das, was unserer Zeit am meisten fehlt: Das Leben voll Erwartung auf ein Besseres, ein Leben voll Sehnsucht nach dem Heil Gottes.

Vielleicht stürzen wir uns ja in die Hektik oder das Feiern, weil uns das Warten und Erwarten abhanden gekommen ist. Wer hoffen kann, der kennt den Schmerz über das Dunkel der Gegenwart, aber weiß auch darum, wie die Sehnsucht das Herz weit machen kann. Darum zünden wir im Advent Kerzen an: weil wir das Dunkel wahrnehmen in diesen kurzen Tagen. Und zugleich, weil wir dann erleben, wie das Licht die Dunkelheit vertreibt - die Dunkelheit, die uns noch umgibt, und das Licht, das schon leuchtet.
Eine erwartungsvolle Advents– und Weihnachtszeit - ja, eine erwartungsvolle Lebenshaltung wünscht Ihnen und mir

Ihr Pfarrer Friedemann Wenzke