Liebe Leserinnen und Leser

Kirche und Diakonie gehören untrennbar zusammen. Der Dienst am Nächsten wächst aus der Motivation des Glaubens heraus. Wenn Jesus in Matthäus 24, Vers 40 sagt: „Was ihr einem von diesem meinen geringsten Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan“, dann wird deutlich, welche Enge und Bedeutung zwischen Glauben und Handeln liegt. Das Eine geht nicht ohne das Andere. Hilfe am Nächsten ist ein direktes Wirken an unserem Gott. Wussten Sie, dass das Fundament unserer gesamten deutschen Sozialgesetzgebung in diesem Kapitel der Bibel begründet liegt? Jesus beschreibt, was es zum menschenwürdigen Leben braucht: Essen, Trinken, Kleidung, Obdach, Heimat, menschliche Zuwendung, Fürsorge.

Gott weiß, was es für eine gute Welt braucht. Er hat uns in der Bibel eine geniale Ordnung gegeben und viele Anleitungen, wie menschliches Leben gelingen kann - wenn Wort und Tat zusammenkommen. Leider entfernen wir uns immer weiter davon. Dazu ein praktisches Beispiel: „Es werden allezeit Arme sein im Lande“ heißt es in 5. Mose 15, Vers 11.

Das war schon immer so und wird leider auch immer so sein. Deshalb steht schon in den mosaischen Gesetzen des Alten Testaments, wie mit Armen umzugehen ist. So durften z. B. vom Weinstock abgefallene Beeren nicht aufgelesen werden. Sie mussten den Armen bleiben. Gleiches war mit den Ähren auf den Feldern. Es musste so viel liegen bleiben, dass den Armen genug zu essen blieb. Heute folgt die Tafelbewegung dem gleichen Prinzip. Essen soll nicht weggeworfen werden. Was übrig bleibt, soll den Armen zu Gute kommen. Profitstreben führt aber dazu, dass immer weniger übrig bleibt. Die Logistik wird immer ausgefeilter, Nahrungsmittel immer haltbarer. So wird das Essen in der Tafel knapp. Und das nicht erst, seit Flüchtlinge bei uns Schutz suchen. Wir durchbrechen, ohne dass uns das vielleicht bewusst ist, Gottes gute Ordnung. Bereits in 20 Jahren wird die Hälfte aller Rentner an der Armutsgrenze leben, weil die Rente nicht mehr zum Leben reicht – so die neuste Prognose der Rentenversicherung. All die Betroffenen müssen dann mit fremder Hilfe überleben – unter anderem mit der Diakonie und den Angeboten wie unserer Tafel. Und schon jetzt werde ich oft gefragt: „Werde ich auch dazu gehören? Was heißt das für mich oder meine Kinder?“ Wir müssen deshalb wachsam sein. Wir dürfen als Christen auch offen und mutig mahnen, wenn gute Ordnungen ins Wanken geraten. Wenn Lebensmittel fehlen genauso, wie wenn Asylsuchende menschenverachtenden Anfeindungen ausgesetzt sind oder Löhne und Renten zu niedrig sind zum Leben. Und wenn es uns möglich ist, dürfen wir, weil es uns bewusst ist, teilen oder ganz praktisch diakonisch handeln und mithelfen. In jedem Fall aber dürfen wir uns von der Bibel für unser Leben und unser Tun inspirieren lassen. Lassen Sie sich anstiften - es lohnt sich!


Michael Marek, 48 Jahre,
verheiratet, zwei Söhne,
Sozialarbeiter, Familientherapeut,
Geschäftsführer der Diakonischen