Liebe Gemeindeglieder,

Sie halten in diesem Moment den neuen Gemeindebrief in der Hand. Sind sie neugierig? Was wird Sie erwarten in den folgenden Zeilen, auf den folgenden Seiten? Neues macht neugierig. Neu ist gut. Neu ist hip und cool, wie die Jüngeren unter uns sagen würden. Neuigkeiten haben einen Reiz. Neuerdings tragen Männer wieder Bärte in vielfältigen Variationen. Das mag Ihnen gefallen oder nicht – Mann tut es.

In der Bibel, die jetzt nicht wirklich so neu ist, aber immer wieder neu in unser Leben spricht, gibt es einen Satz, der zum Thema des neuen Gemeindebriefes passt: „Siehe ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr´s denn nicht?“ (Jesaja 43, 19). Dieses Neue von dem der Prophet Jesaja spricht, ist Jesus selbst. Und das ist der Grund, warum wir Weihnachten feiern. Jetzt sind wir auch endlich beim eigentlichen Thema angelangt: Weihnachten. Zugegeben ist das auch nicht so neu. Aber ich habe kürzlich in einer Lektüre etwas dazu gelesen, das mir die Bedeutung von Weihnachten ganz neu bewusst machte. Der Satz stammt von Dietrich Bonhoeffer, einem Widerstandskämpfer im Dritten Reich, der auch Theologe war, Pfarrer. Bonhoeffer sagte in einer Weihnachtspredigt:
„Wie zur Beschämung der gewaltigsten menschlichsten Anstrengungen und Leistungen wird hier ein Kind in den Mittelpunkt der Weltgeschichte gestellt.“

Der Satz hat es in sich. Er trifft zu, auch wenn er schon etwas älter ist und eine alte Weisheit enthält, so hilft er uns doch, dieses Alte ganz neu zu entdecken. Wir Menschen denken groß. Wir wollen Großes erreichen, auch wenn es nur im Kleinen ist. Die Kinder sollen es gut haben, besser als man selbst es hatte. Sie sollen glücklich und zufrieden sein, glücklicher als man selbst ist. Sie sollen mehr Geld verdienen, mehr als man selbst verdiente.

Wir Menschen denken groß. Wir prahlen mit Urlaubsereignissen, mit guten Leistungen, mit einer besseren Erziehung unserer Kinder als der anderer Eltern. Wir fahren größere Autos als der Nachbar, sparen mehr und haben mehr Zeit für unsere Kinder als die anderen. Wir arbeiten härter als andere, sind belastbarer, wissen mehr und unser Garten sieht ohnehin besser aus als der des Nachbarn. Kurz: wir sind besser als… Das zählt und das gibt uns Antrieb, Motivation und Selbstvertrauen. Das ist, Sie werden überrascht sein, auch nicht neu! Neu ist aber, dass Gott ganz andere Maßstäbe hat. Er kommt nicht hoch zu Ross. Er prahlt nicht mit seinen Wundern, mit seiner Weisheit, mit seiner Unabhängigkeit und seinem Einfluss. Er kommt als kleines Baby in diese Welt. So klein, dass wir ihn anfassen können. So klein, dass wir uns nicht schämen müssen, ihn zu berühren. Gott lässt sich anfassen, in den Arm nehmen. Er will uns ganz nahe kommen, so nahe, dass uns nur eines übrig bleibt: Die Arme zu öffnen und ihn damit ganz fest an unser Herz zu drücken.  In diesem ganz intimen Miteinander von Mensch und Gott kann etwas ganz Neues wachsen, wie der Satz aus der Bibel sagt. Es ist ganz unscheinbar, ganz klein, aber es hat eine große Zukunft vor sich. Diese Zukunft ist nicht groß wegen des kleinen Gottes in des großen Menschen Armen, sondern weil der kleine Mensch ganz vom großen Gott ergriffen ist. Tritt dies ein, geschieht etwas Neues. Etwas Neues, das nicht nur den Mittelpunkt der Weltgeschichte markiert, sondern auch der neue Mittelpunkt Ihres Lebens wird.

Das Neue wird sein, dass Jesus ganz neu mit Ihnen ins Leben startet. Neu wird sein, dass Sie ganz neue Hoffnung erfahren. Vielleicht ist es ein neuer Lebensabschnitt, der ganz ungewohnt für Sie ist. Vielleicht ist es eine ganz neue Perspektive auf Ihr Leben, die Sie gewinnen. Vielleicht ist es eine ganz neue Lust auf das Leben, Ihr Leben, in dem Ihnen Gott ganz nah sein will. Greifen Sie zu, auf dass Sie von Jesus ergriffen werden und es Ihr ganz persönliches Weihnachten wird.

Gesegnete Weihnachten,
Ihr Vikar Matthias Baral