Was bedeutet es, Kirchengemeinderat zu sein?

Deine Qualifikation!
Wer sich für einen Platz im Kirchengemeinderat bewirbt, wird sich fragen: welche Qualifikation muss ich mitbringen?
Die wenigsten Mitglieder in diesen Gremien haben eine theologische Ausbildung oder kommen aus der Kirchenverwaltung. Die meisten sind also Menschen wie „Du und ich“. Es ist ein Ehrenamt und Du bringst Dich mit dem ein, was Du bist: mit Deiner Lebenserfahrung, mit Deiner beruflichen Qualifikation und mit Deinen Ideen und Vorstellungen. Damit bringst Du alles mit, um für die Menschen in Deiner Gemeinde und in unserer Kirche an guten Entscheidungen mitzuarbeiten und wichtige Themen weiter zu bringen.
Vielfältige Aufgaben, interessante Themen
Im Kirchengemeinderat und in der Landessynode werden wichtige Entscheidungen für das Gemeindeleben vor Ort und für Deine Kirche getroffen. Es geht dabei um Verkündigung, Gottesdienste, Mission, Bildung und Diakonie, aber auch um Finanzen und Bauprojekte – um nur einen Teil der Aufgaben zu nennen. Wer sich engagiert, kann erhalten und erneuern, die Themen der Kirche weiterentwickeln, diskutieren und mitentscheiden. Im Kirchengemeinderat oder in der Synode ist Platz für Dich, um Deine Kirche mitzugestalten.
Was Dich erwartet!
Einerseits willst Du Dich einbringen und in Deiner Kirche etwas bewegen. Andererseits fragst Du Dich, ob Du nach einer erfolgreichen Wahl den Aufgaben im Kirchengemeinderat oder in der Landessynode gewachsen sein wirst. Dein Einfühlungsvermögen und Deine Neugierde sind gefragt. Es ist wichtig, dass ganz unterschiedliche Kompetenzen in diesen Gremien zusammenwirken. Jeder bringt sich dort ein, wo ihr Können liegt und sein Herz schlägt. Nur so werden Entscheidungen getroffen, die fachlich, rechtlich, organisatorisch und für die Menschen in unseren Gemeinden und für unsere Kirche gut sind. Selbstverständlich erhältst Du als neues Gremiumsmitglied neben vielen Informationen auch gezielt Unterstützung.

Aus: www.kirchenwahl.de

WARUM ICH KGR GEWORDEN BIN
KGR Wahl – Statements von Matthias Bredemeier

Als ich Mitte Juli 2015 gefragt wurde, ob ich mir vorstellen könne, einem ausscheidenden KGR Mitglied in das Gremium nachzufolgen, waren wir als Familie gerade neu nach Kleinsachsenheim gezogen. Wir besuchten zwar schon eine ganze Weile Veranstaltungen der Kirchengemeinde Kleinsachsenheim, aber im Ort selber waren wir neu. Und so hatte ich meine Zweifel, inwiefern ich im KGR am richtigen Platz bin, mit wenig Wissen um die Menschen und die Geschichte des Ortes: "Bringe ich die Eigenschaften für diese Aufgabe in Kleinsachsenheim mit?" Aber ich habe es einfach mal gewagt und zu der Anfrage „Ja“ gesagt. Ich wollte mich in meinem neuen Heimatort einbringen und der Glaube an Jesus Christus war und ist für mich grundlegend wichtig.
Im KGR sind Menschen der Kirchengemeinde mit verschiedenen Charakteren, Erfahrungen, Blickrichtungen und Meinungen. Mir fiel auf, wie diese Vielfalt mit den zahlreichen Aufgaben und Entscheidungen in einer Kirchengemeinde zusammenhängen. Es gibt ein weites Feld an Themen: die Kircheninnenrenovierung, die Vorbereitung des Gemeindefestes, das neue Kindergartenkonzept, Diskussionen um den Pfarrplan und die Gesamtkirchengemeinde aber auch die Anschaffung eines neuen Herdes für das Gemeindehaus, um nur einige wenige zu nennen. Es sind zu viele Themen, als dass eine Person von allem gleichermaßen begeistert oder darin gar ein Experte sein kann. Es ist gut, dass wir im Gremium die Aufgaben gut verteilen konnten. In unseren Sitzungen bringt diese Verschiedenheit auch einen Reichtum an Gedanken und Positionen ein. Ein Highlight für mich war der Gottesdienst, den wir als Kirchengemeinderat gemeinsam vorbereitet und durchgeführt haben. Schon in der Vorbereitung wurde für uns das besondere Zusammenspiel der Verschiedenheit der Personen, die aber ihre Einheit in Jesus Christus haben, wertvoll.

Die Tätigkeit im KGR hat mir aber auch gezeigt, wie stark eine Kirchengemeinde in den Strukturen der Landeskirche verhaftet ist. Wir können für Kleinsachsenheim zwar viel selber entscheiden, aber bei einigen Themen, wie z.B. dem Pfarrplan 2024 oder der Kircheninnenrenovierung, wird manchmal schmerzlich deutlich, wie stark wir teilweise eingeschränkt sind. So wurde im Laufe der Jahre mein Blick auch in Richtung Landeskirche gelenkt.

Nach reiflichem Überlegen entschied ich mich bei der kommenden Kirchenwahl für eine Kandidatur um einen Sitz in der Landessynode für den Gesprächskreis „Kirche für Morgen“ an Stelle einer Kandidatur für den KGR in Kleinsachsenheim. Mein Wunsch für das neue Gremium, das am 1. Dezember 2019 gewählt wird ist: das sich auch hier wieder eine Vielfalt an Persönlichkeiten zusammen findet, die mit Neugierde, Mut und im Vertrauen auf Jesus Christus, die Themen angehen, die in den nächsten Jahren kommen werden. Und vielleicht ist ja jemand noch unsicher, ob er oder sie die richtigen Eigenschaften für die Aufgabe im Kirchengemeinderat mitbringt. Sprich uns KGR Mitglieder doch gerne an.

Matthias Bredemeier

KGR Wahl – Statements von Jürgen Sinn

1. Was sind aus deiner Sicht die Aufgaben eines KGR?
Ein Kirchengemeinderat leitet zusammen mit anderen Kirchengemeinderäten und dem Pfarrer die Gemeinde. Er trifft Entscheidungen, die für die Entwicklung der Gemeinde maßgebend sein können. Er nimmt sich Problemen an, die es in der Gemeinde gibt und sucht nach Lösungen. Er fühlt sich für die Gemeinde verantwortlich. Er wirkt einfach bei vielen Fragen mit, die die Gemeinde betreffen.
Das sind kleinere Dinge, wie beispielsweise die Frage, für wen das Opfer in den nächsten Wochen sein soll, das können aber auch weit reichendere Dinge sein wie zum Beispiel die Frage, ob die Gemeinde zusammen mit anderen Gemeinden in Sachsenheim eine Gesamtkirchengemeinde bilden soll.

2. Warum bist du KGR geworden? Was hat dich motiviert und wie siehst du das in der Rückschau?
Ich bin jetzt seit etwas über ein Jahr Kirchengemeinderat. Ich bin für einen Kirchengemeinderat nachgerückt, nachdem dieser ausgeschieden ist. Man hatte mich schon vor längerer Zeit für dieses Amt angefragt, aber da ich zu dieser Zeit noch beruflich recht engagiert war, hab ich damals abgelehnt. Inzwischen bin ich im Ruhestand und konnte mir die Mitarbeit im KGR gut vorstellen. Motiviert hat mich das Bedürfnis mit meinen Kräften am Reich Gottes mitbauen zu dürfen. Für mich ist jede Tätigkeit, die irgendeinem anderen Menschen dient, ein Baustein am Reich Gottes. Wenn man einen anderen Menschen, der z. B. im Kleeblattheim lebt, in den Gottesdienst begleitet, oder wenn man einen älteren Menschen zum Geburtstag besucht, dann ist das eine Tätigkeit, die für den Bau des Reiches Gottes von Bedeutung ist.
Genauso sehe ich auch die Arbeit im Kirchengemeinderat. Für mich ist die Arbeit als Kirchengemeinderat schon auch mit Mühe verbunden, aber ich spüre, dass ich etwas Sinnvolles tue.

3. Dein Wunsch für das neue Gremium?
Ich wünsche mir, dass wir wieder so gut zusammen arbeiten, wie es auch mit diesem Gremium gewesen ist. Ich wünsche mir, dass das Projekt Gesamtkirchengemeinde mit Leben gefüllt wird, und dass wir uns auch für die weltweite Gemeinde Gottes engagieren.

Jürgen Sinn

Allgemeinses!

Am 1. Advent (1. Dezember 2019) wählen die rund zwei Millionen wahlberechtigten Mitglieder der Evangelischen Landeskirche in Württemberg neue Kirchengemeinderäte sowie eine neue Landessynode. „Es ist ein bewundernswertes Engagement, sich für sechs Jahre ehrenamtlich für eine kirchliche Leitungsaufgabe zur Verfügung zu stellen und eine besondere Weise, die Entwicklung der Landeskirche mitzubestimmen, so Landesbischof Frank Otfried July.

Etwa 10.000 Kirchengemeinderätinnen und Kirchengemeinderäte leiten die etwa 1244 Kirchengemeinden der Landeskirche zusammen mit ihrer Pfarrerin beziehungsweise ihrem Pfarrer. Und die 90 ebenfalls zu wählenden Landessynodalen bestimmen den Kurs der gesamten Kirche auf landeskirchlicher Ebene mit. Die kirchliche Wahl ist sichtbarer Ausdruck der demokratischen Struktur der Landeskirche. Dabei ist die württembergische Landeskirche die einzige Kirche in der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD), die ihre Landessynode direkt wählt.

Wer darf sich wählen lassen?
Zur Wahl stellen können sich alle Mitglieder einer Kirchengemeinde, die am 1. Dezember 2019 das 18. Lebensjahr vollendet haben, die wahlberechtigt sind und die bereit sind, das für ihr Amt vorgesehene Gelübde abzulegen.

Wer darf wählen?
Alle Gemeindemitglieder sind wahlberechtigt, die am Wahltag das 14. Lebensjahr vollendet haben, geschäftsfähig sind und ihre Hauptwohnung im Bereich der Evangelischen Landeskirche in Württemberg haben oder anderweitig zu dieser gehören. Die Wählerlisten werden voraussichtlich vom 28. Oktober bis 4. November 2019 öffentlich ausgelegt.

Wie viele Stimmen habe ich?

Für die Kirchengemeinderatswahl hat jede Wählerin und jeder Wähler so viele Stimmen, wie Kirchengemeinderäte zu wählen sind. Bei der Wahl zur Landessynode können je nach Größe des Wahlkreises zwei oder drei, in Stuttgart fünf Stimmen für Laien sowie eine oder zwei Stimmen für Theologen vergeben werden. Die Stimmen können gehäuft werden (kumulieren), wobei keinem Kandidaten mehr als zwei Stimmen gegeben werden können.

Wer darf Kandidaten und Kandidatinnen aufstellen?
Alle wahlberechtigten Mitglieder einer Gemeinde dürfen Wahlvorschläge mit Kandidatinnen und Kandidaten, die sich zur Kandidatur bereit erklären, einreichen. Für einen Wahlvorschlag zur Ki rchengemeinderatswahl müssen diesen mindestens zehn Wahlberechtigte unter Angabe ihres Namens und ihrer Anschrift unterzeichnen. Diese Wahlvorschläge können voraussichtlich bis 25. Oktober 2019, 18 Uhr, beim Pfarramt eingereicht werden.

Wahlvorschläge für die Landessynode müssen voraussichtlich bis 4. Oktober 2019 beim Vorsitzenden des Vertrauensausschusses des Wahlkreises eingereicht werden. Für einen solchen Wahlvorschlag sind die Unterschriften von mindestens 20 Wahlberechtigten notwendig.

Die Einführung von Kirchengemeinderäten geht übrigens auf König Wilhelm I. zurück, der diese im Jahr 1851 genehmigte. Die Pfarrgemeinderäte sollten das kirchliche Leben pflegen, die kirchliche Ordnung wahren und die Interessen der Gemeinde bei der Besetzung von Pfarrstellen vertreten. Gewählt wurden sie von allen Männern der Pfarrgemeinde über 30 Jahren. Im Jahr 1887 wurden die Kirchengemeinden endgültig von den bürgerlichen Gemeinden getrennt und damit selbständig. 1854 wurden die Bezirkssynoden eingeführt, 1869 trat erstmals eine Landessynode zusammen. Sie wurde damals noch nicht direkt von den Mitgliedern der Landeskirche, sondern von den Bezirkssynoden gewählt. Ihre Aufgabe war zunächst die Beratung von Themen, die das Konsistorium – der damalige Oberkirchenrat – einbrachte. Ohne ihre Mitwirkung konnte kein kirchliches Gesetz erlassen werden. Erst ab 1888 konnte sie selbst Gesetze einbringen. Bis zum Ende der Monarchie 1918 mussten ihre Beschlüsse vom König bestätigt werden.

Es ist bisher Brauch, dass der bestehende Kirchengemeinderat sich Gedanken über künftige Mitglieder macht und dann diese Personen fragt, ob sie sich eine Mitarbeit in den kommenden sechs Jahren vorstellen können. Aber es ist auch möglich, sich selber oder aus den Reihen der Gemeindeglieder eine Person vorzuschlagen.

Wenn Sie sich also vorstellen könnten, in den Kirchengemeinderat sich wählen zu lassen oder eine andere Person aus der Gemeinde vorschlagen wollen, so sprechen Sie uns, also den Kirchengemeinderat, an. Wenn Sie noch nähere Informationen zu unserer Arbeit im KGR wissen wollen, so gilt das selbe.