Kirchenwahlen am 1. Dezember 2019

Alle sechs Jahre wieder

125 Jahre Kirchengemeinderäte in Württemberg

1848 war Württemberg mal wieder fortschrittlich. König Wilhelm I nahm als erster Souverän des Deutschen Reichs die neuen Grundrechte der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche an und anerkannte wenig später die neue Reichsverfassung. Damit waren Kirche und Staat getrennt und die Abschaffung der Grundlasten, also der auf Grund und Boden haftenden Abgaben und Pflichten, eingeleitet. Allerdings bekam der König bald Angst vor der eigenen Courage und versuchte soviel als möglich wieder rückgängig zu machen. Allerdings, den Geist, den er sozusagen einziehen ließ, wurde er nicht mehr los.

So auch die Forderung nach einer eigenen Verfassung der evangelischen Kirche. Der Landtag wollte eine Landessynode, Wilhelm I ließ die Diskussion erst zu, ab 1848 war er dagegen und untersagte die Bildung einer Landessynode. Aber bei den Pfarrgemeinderäten musste er nachgeben. Sie wurden 1851 eingeführt, durften den Pfarrer nur beraten und schon gar nicht über den Haushalt abstimmen. Wählen durften nur selbständige Männer ab 30 Jahren, die „Hausväter“. Zur Wahl stellen durfte man sich erst ab dem 40igsten Lebensjahr. Frauen hatten nichts zu melden, geschweige denn zu wählen.

Das wurde erst unter seinem Nachfolger König Karl anders. Der führte eine Landessynode 1867 ein, die erstmalig 1869 zusammentrat. Ohnehin sollte sie nur einmal während der sechsjährigen Wahlperiode zusammen kommen. Das reichte dem König. Dem Volk auch. Allerdings nicht allen
So blieb die Diskussion um eine Verfassung der Landeskirche lebendig.

Als Sollbruchstelle erwies sich dabei, dass die bürgerliche Gemeinde mit der kirchlichen Gemeinde identisch war. Das ging in rein evangelischen und rein katholischen Gemeinden in Ordnung. Aber überall dort, wo sich die Konfessionen vermischten, kam es zu Problemen. Als die zu groß wurden, führte König Karl 1887 ein Gesetz ein, das die bürgerliche von der kirchlichen Gemeinde trennte. Damit wurden die Kirchengemeinden zu Körperschaften des öffentlichen Rechtes. Vertreten wurden sie durch die Kirchengemeinderäte.

Die Pfarrgemeinderäte wurden aufgelöst. Die Kirchengemeinderäte wurden auf sechs Jahre gewählt. Das Wahlrecht besaßen immer noch nur die Männer. Frauen hatten nichts zu sagen und zu wählen. Wählen durfte man ab dem 25. Lebensjahr, gewählt werden konnte man ab dem 30. Lebensjahr. Der Kirchengemeinderat hatte das Haushaltsrecht. Die Demokratie konnte so vor 125 Jahren beginnen. Auch in der Kirche.

Jürgen Kaiser

Die Kirchenwahlen am 1. Dezember 2019

Am 1. Dezember 2019 sind Kirchenwahlen in der württembergischen Landeskirche. Fast zwei Millionen evangelische Kirchenmitglieder sind aufgerufen, ihre Stimme für neue Kirchengemeinderäte und für eine neue Landessynode abzugeben. Wahlberechtigt sind alle Gemeindemitglieder, die am Wahltag das 14. Lebensjahr vollendet haben.

Der Kirchengemeinderat und die Pfarrerin oder der Pfarrer leiten gemeinsam die Gemeinde. Zusammen treffen sie alle wichtigen finanziellen, strukturellen, personellen und inhaltlichen Entscheidungen. Die arbeitsteilig und partnerschaftlich ausgeübte Gemeindeleitung ist eine spannende Aufgabe. Um zu guten Entscheidungen für die Gemeindearbeit zu kommen, werden vielfältige Erfahrungen und Gaben, Engagement und die Liebe zu Kirche und Gemeinde gebraucht.

Die Landessynode ist die gesetzgebende Versammlung der Landeskirche und ähnelt in ihren Aufgaben denen eines Parlaments. Das Gremium setzt sich aus 60 so genannten Laien und 30 Theologinnen und Theologen zusammen. Die Landessynode tagt in der Regel dreimal pro Jahr. Die Mitglieder der Landessynode werden in Württemberg direkt von den Kirchenmitgliedern für sechs Jahre gewählt.

Weitere Informationen zur Wahl finden Sie im Internet unter: kirchenwahl.de

Und so wird gewählt

Am 1. Dezember 2019 werden in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg rund 10.000 Kirchengemeinderätinnen und Kirchengemeinderäte sowie 90 Landessynodale gewählt. Hier finden Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Wahl:

Wer darf wählen?

Alle evangelischen Gemeindemitglieder sind wahlberechtigt (auch Angehörige anderer Nationalitäten), die am Wahltag das 14. Lebensjahr vollendet haben und die ihre Hauptwohnung im Bereich der württembergischen Landeskirche haben.
Wähler mit mehreren Wohnsitzen in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg können sich aussuchen, in welcher Kirchengemeinde sie wählen wollen. Normalerweise wird in der Gemeinde des Hauptwohnsitzes gewählt. Wer stattdessen in der Gemeinde des Nebenwohnsitzes wählen will, muss dies beim Pfarramt beantragen.

Woher weiß ich, dass ich wählen darf?

Alle Wahlberechtigten sind in der Wählerliste eingetragen. Die Wählerlisten werden zur Einsichtnahme vom 21. bis 25. Oktober 2019 ausgelegt. Möglichkeiten zur Einsichtnahme bestehten wie folgt:
Montag , Mittwoch, donnerstag und Freitag von 9.00 Uhr bis 12.00 Uhr und Dienstag von 16.00 Uhr bis 19.00 Uhr.
Es wäre sinnvoll sich telefonisch vorab anzumelden, Tel. 7126.

Bis 25. Oktober, 18:00 Uhr kann gegen den Inhalt der Wählerliste beim Pfarramt Einsprache eingelegt werden.

Bis spätestens 24. November erhalten alle Wahlberechtigten ihre Wahlunterlagen.

Wen wähle ich?

Für den Kirchengemeinderat können sich alle Kirchengemeindeglieder zur Wahl stellen, die am Wahltag das 18. Lebensjahr vollendet haben, die wahlberechtigt sind und die bereit sind, das für ihr Amt vorgesehene Gelübde abzulegen.
Für einen Wahlvorschlag müssen diesen mindestens zehn Wahlberechtigte unter Angabe ihres Namens und ihrer Anschrift unterzeichnen. Wahlvorschläge können bis zum 25. Oktober 2019 bei unserem Pfarramt eingereicht werden.
Für die Wahl der Landessynode endet die Einreichungsfrist der Wahlvorschläge am 4. Oktober 2019.

Wo wähle ich?

Wahlberechtigte können am 1. Dezember 2019 ihre Stimme in dem von ihrer Kirchengemeinde eingerichteten Wahllokal abgeben. Das ist in Kleinsachsenheim unser Gemeindehaus. Die Öffnungszeiten des Wahllokals wurden auf den Zeitraum von 11.00 Uhr bis 16.00 Uhr festgelegt.
Die Auszählung beginnt dann anschließend.

Wie funktioniert die Briefwahl?

Alle Wahlberechtigten erhalten mit ihrem Wahlausweis die Briefwahlunterlagen. Die Briefwahl muss also nicht extra beantragt werden. Wenn Sie per Briefwahl Ihre Stimme abgeben wollen, muss Ihr Wahlbrief bis zur Schließung der Wahllokale am 1. Dezember 2019, also 16.00 Uhr, im Briefkasten unsers Pfarramtes, Kleinsachsenheim, Kirchplatz 6, eingeworfen werden oder rechtzeitig per Post dorthin geschickt werden. Die Briefwahlunterlagen können Sie aber auch im Wahllokal (Gemeindehaus) selbst abgeben bzw. dort abgeben lassen. Bitte beachten Sie, dass dies bis 16.00 Uhr geschehen muss.

Wie viele Stimmen habe ich?

Für die Kirchengemeinderatswahl hat jede Wählerin und jeder Wähler so viele Stimmen, wie Kirchengemeinderätinnen bzw. -räte zu wählen sind. In unserer Gemeinde sind neun Kirchengemeinderäte zu wählen Sie haben also 9 Stimmen. Einer Kandidatin bzw. einem Kandidaten können Sie bis zu zwei Stimmen geben.

Bei der Wahl zur Landessynode richtet sich die Anzahl der Stimmen danach, wie viele Laien und Theologen aus dem Wahlkreis gewählt werden. Unsere Kirchengemeinde gehört zum Wahlkreis Vaihingen/Mühlacker. Es sind 2 Laien und 1 Theologin bzw. Theologe zu wählen. Sie haben so viele Stimmen, wie in Ihrem Wahlkreis Synodale gewählt werden – und zwar getrennt nach Theologen und Nichttheologen.

Einer Kandidatin bzw. einem Kandidaten können Sie bis zu zwei Stimmen geben, und Sie können Kandidaten verschiedener Wahlvorschläge wählen. Sie dürfen allerdings nicht Stimmen für Theologen und Stimmen für Laien untereinander mischen. Gewählt sind jeweils die Kandidatinnen und Kandidaten, die im Wahlkreis die meisten Stimmen erhalten haben.

Wie erfahre ich das Wahlergebnis?

Das Ergebnis der Wahlen zum Kirchengemeinderat und zur Landessynode wird im Gemeindegottesdienst am 8. Dezember 2019 bekannt gegeben. Wer in die Synode gewählt wurde, erfahren Sie aktuell schon am Wahlabend im Internet unter www.kirchenwahl.de. Sobald die Auszählung der Stimmen beendet ist, können Sie die Ergebnisse der Wahl zu unserem Kirchengemeinderat auf unserer Homepage unter www.kirche-kleinsachsenheim.de bzw. durch Aushang am Gemeindehaus sehen.

Wann beginnen die neuen Kirchengemeinderätinnen und -räte?

Die neuen Kirchengemeinderätinnen und -räte können frühestens am vierten Adventssonntag in ihr Amt eingeführt werden, wenn keine Einsprüche gegen die Wahl erhoben wurden.
Für Kleinsachsenheim ist die Einführung im Gottesdienst am 12.01.2020.vorgesehen.

Die neue Landessynode tritt am 15. Februar 2020 zu ihrer konstituierenden Sitzung im Stuttgarter Hospitalhof zusammen.

Wenn Sie noch Fragen haben, wenden Sie sich bitte an das Pfarramt, Tel. 7126, zu den bekannten Öffnungszeiten.