Reihe: GemeindeLeben

Thema: Das Gemeindemittagessen

Gemeinsam essen, Mahl halten, ist ein in der Bibel häufig verwendetes Motiv. Jesus liebte die Tischgemeinschaft mit anderen. Er sitzt auch mit damals weniger angesehenen „Zöllnern und Sündern“ an einem Tisch. Diese Gemeinschaft bei Tisch war ein Zeichen für die anbrechende Gottesherrschaft. Vor seinem Tod nahm Jesus Abschied von seinen Freunden beim gemeinsamen Essen. Wir nennen dieses Mahl zum Abschied heute „Abendmahl“. Es hat sehr viel mit Gemeinschaft untereinander, aber auch mit Gemeinschaft mit Gott zu tun. Jesus hat das Reich Gottes mit einem Hochzeitsmahl verglichen.
Schon im Alten Testament gibt es Verheißungen, die die vollendete Schöpfung als Gemeinschaft bei einem Essen zeigt. Bei Jesaja heißt es:
„Der Herr der Heere wird auf diesem Berg (Zion) für alle Völker ein Festmahl geben, mit dem feinsten Speisen, ein Gelage mit erlesenen Weinen.“

Grund genug auch heute in der Gemeinde miteinander zu feiern, miteinander zu essen und zu trinken. Das Gemeindemittagessen ist eine Gemeindeveranstaltung, die nach biblischem Vorbild Gemeinschaft ermöglicht. Jeder einzelne Mensch freut sich dabei zu sein, es geht nicht nur um das satt werden, sondern vor allem auch um Gemeinschaft. Um diese Tischgemeinschaft genießen zu können, braucht es ein engagiertes Team, das alles vorbereitet. Manche Geschwister sind immer dabei, andere helfen ab und zu aus. Beim Gemeindemittagessen Anfang Februar waren folgende Frauen im Team: Ingeborg Brandauer, Marion Faigle, Kerstin Langjahr, Nelli Steinhauer, Nicole Müller und Simone Klein. Zu anderen Terminen ist oft auch noch Heiderose Hennige dabei.

Es gab ein etwas „einfacheres“ Essen als gewohnt, Linsen mit Spätzle und Würstel, weil der Gottesdienst ja nicht in der Kirche gefeiert wurde, sondern im Saal im Gemeindehaus. Da sich die Küchengeräusche während des Gottesdienstes in Grenzen halten sollten, hat sich das Küchenteam für dieses Essen entschieden. Natürlich gab es auch noch geniale Zugaben:
Obatster (angemachter Camembert), Griebenschmalz mit Apfel und Kräuterquark als Vorspeise und als Nachtisch gab es Schokomousse mit Orangen und Himbeeren.

So fand ein Abendmahlsgottesdienst im Gemeindehaus statt, den die Kinder von der Kinderkirche mitgestalteten. Sie nannten den Altar „Gott sei Dank Tisch“ und erklärten in kindgerechter Sprache, was alles auf dem Altar steht und warum. Im Anschluss daran wurde gegessen und getrunken. Nach dem Essen gab es noch Informationen für die Gemeinde über die derzeit laufende Kirchenrenovierung. Die Informationen wurden mit Fotos illustriert, die von Caro Scheuermann präsentiert wurden.

Hier einige Gedanken der Mitarbeiterinnen über ihre Motivation, am Gemeindemittagessen mitzuarbeiten:

„Besonders mag ich die Gemeinschaft. Gemeinsam kochen, sich auszutauschen, zu erzählen und zu lachen ist sehr bereichernd und bereitet mir große Freude. Wir Mädels harmonieren sehr. Von Inge, unserer „Chefin“ kann ich jedes Mal etwas lernen. Sie hat nicht nur Tipps und Tricks beim Kochen und Backen, die ich mir abschauen kann, sondern sie leitet uns sehr respektvoll und mit viel Geduld an. Die positiven und wohlwollenden Reaktionen aus der Gemeinde nach jedem Essen sind ein schöner Abschluss nach einem anstrengenden Wochenende und ich bekomme Lust auf das nächste Kochen.“ (Kerstin)

„Inge hat mich beim Frauenfrühstück angesprochen und gefragt, ob ich im Kochteam mithelfen möchte. Das hat mich sehr gefreut, da ich gerne koche. Für mich ist es eine Herausforderung, in großen Mengen Essen zuzubereiten. Es ist auch schön zu sehen, wie sich der Raum füllt und die Gemeinde Freude am Mittagessen hat. Unser Team besteht aus ganz lieben Frauen und es macht immer wieder Spaß, mit ihnen zu kochen.“ (Nicole).

„Ich bin beim Kochteam dabei, weil ich Spaß am Kochen habe und man immer wieder etwas Neues dazu lernt und neue Rezeptideen bekommt. Aber entscheidend ist für mich die Gemeinschaft mit den anderen. Wir sind eine nette Gruppe, wenn das nicht so wäre, dann wäre ich sicherlich nicht mehr dabei, da es trotz allem auch anstrengend ist und man sein Wochenende hergibt, um in der Küche zu stehen.“ (Nelli)

„Seit einigen Jahren bin ich bei den „Cooking girls“ dabei. Ich bin mit Freude dabei. In freundschaftlichem Miteinander ist es besonders schön, eigene Begabungen einzusetzen und neue Anregungen zu sammeln. Ich bin immer wieder überrascht, wie gut wir es meistern, für so viele Gäste ein schmackhaftes Mittagessen anbieten zu können. Mit Lob und Zuspruch und der Gewissheit von Gottes Lenken, schaffen wir es jedes Mal auf`s Neue, unsere Gäste kulinarisch zu verwöhnen.“ (Marion)

„Gemeindemittagessen gibt es seit längerer Zeit und ich helfe nun schon mehrere Jahre mit. Wie kam ich dazu? Vermutlich wurde ich von einem Mitglied aus dem Küchenteam angesprochen. Ich halte die Gemeindemittagessen für eine gute Sache zur Förderung der Gemeinschaft unter den Mitgliedern unserer Kirchengemeinde. Außerdem sind diese Essen eine gute Gelegenheit, z. B. mit Zugezogenen in Kontakt zu kommen. Gerade bei besonderen Anlässen, etwa der Konfirmandenvorstellung, kommen auch Menschen, die man sonst seltener im Gottesdienst sieht. Bei dem gemeinsamen Essen kann man sich begegnen und sich kennenlernen. Außerdem macht es mir Freude, in einem engagierten Team mitzuarbeiten und mich einzubringen. Zudem sind die Gemeindemittagessen eine gute Ergänzung zum „großen“ Gemeindefest.“ (Ingeborg)

Hier ein Interview mit unserer „Chefköchin“ Inge Sowa.

Liebe Inge,
kannst du uns etwas über deinen Lebensweg erzählen?

Ich bin in Sindelfingen geboren. Meine Eltern sind Schwaben. Ich bin auch in Sindelfingen mit 5 Geschwistern aufgewachsen und zur Schule gegangen. Ich wollte gerne Schneiderin werden. Aber meine Mutter hat mich, ohne mich zu fragen, in den Verkauf gesteckt. Ich habe dies ertragen, weil kein Widerspruch sein durfte. So wurde ich Einzelhandelskauffrau. Ich bin schon mit 18 aus meinem Elternhaus ausgezogen. Ich arbeitete 10 Jahre in einem Lederwarenfachgeschäft, das war eine gute Zeit. Neben der Arbeit habe ich mich zur Handelsfachwirtin weitergebildet. Ich habe in einem Lebensmittelmarkt eine führende Position bekommen. Ich war um 14 Uhr mit der Arbeit fertig und konnte ins Freibad gehen. Das war eine tolle Zeit. Dann wurden meine Tochter Bianca und 3 Jahre später mein Sohn Marc geboren. 1999 lernte ich meinen jetzigen Ehemann Wolfgang kennen, mit dem ich auch in Kleinsachsenheim lebe. Ich erinnere mich sehr gerne an unsere kirchliche Hochzeit. Am 02. 02. 2014 hat uns Herr Wenzke während eines Sonntagsgottesdienstes getraut.

Wie bist du zum Gemeindemittagessen gekommen?

2013 gab es in unserer Gemeinde einen Glaubenskurs. Er hieß „Expedition zum Ich“. Als Abschluss zur Expedition war ein Gemeindemittagessen angedacht, das ich mit anderen Frauen plante und kochte. Ingeborg Brandauer war schon damals dabei. Das erste Essen war noch nicht so gut besucht. Zu bestimmten Anlässen wurde unser Team immer mal wieder angesprochen (z. B. bei der Verabschiedung von Herrn Machado), ob wir wieder ein Gemeindemittagessen auf die Beine stellen könnten.
Heute gibt es 4 Mal im Jahr ein Gemeindemittagessen, das in der Regel von etwa 100 Leuten besucht wird. Wir würden uns darüber freuen, wenn sich noch weitere Gemeindemitglieder unserem Team anschließen würden. Selbst Männer sind willkommen.

Wie wählst du deine Menüs aus?

Zunächst einmal nehme ich Rücksicht auf die Jahreszeit. Ich besitze über 100 Kochbücher. Vor einem Gemeindemittagessen sitze ich da und bin von vielen aufgeschlagenen Kochbüchern umgeben. Wenn ich alles ausgesucht habe, treffen sich die ganzen Frauen bei mir. Wir trinken ein Gläschen Sekt und sprechen über das anstehende Essen. Es ist eine schöne Gemeinschaft, ja eine Freundschaft entstanden. Ich muss mir auch Gedanken machen, was man in unserer Gemeindehausküche verwirklichen kann. Auch der Preis für die Produkte spielt eine Rolle. Es bleibt immer Geld übrig, das für Investitionen in der Küche verwendet wird.

Ich danke Dir für unser Gespräch und dein Engagement.

Jürgen Sinn