TRAUBE AM WEINSTOCK Interview mit Ilene Steinhauer

Die Fragen stellte Jürgen Sinn.

Liebe Ilene,
kannst du etwas über deinen nicht alltäglichen Vornamen sagen?

Meine Eltern haben sich lange Gedanken über den Vornamen ihres ersten Kindes gemacht. Irgendwann kamen sie auf die Idee, den Vornamen meiner Mutter rückwärts zu sprechen.  Meine Mutter heißt Nelli. Man musste dann noch ein „e“ anfügen, dann war Ilene perfekt. Eigentlich gefällt mir mein Name. Er passt zu mir. Es ist aber schon manchmal nervig, wenn Leute ihn nicht richtig verstehen und mich dann Ayleen oder Eileen nennen.

Erzählst du bitte aus deinem bisherigen Leben.

Ich bin vor etwa 15 Jahren im Bietigheimer Krankenhaus geboren. Zunächst haben wir im Schlosshof, später in der Nähe des Aldi in Großsachsenheim gewohnt. Wir sind dann nach Kleinsachsenheim in die Alte Großsachsenheimer Straße gezogen und wohnen jetzt in unserem Eigenheim in der Unteren Zeil Strasse. Die vielen Umzüge haben damit zu tun, dass unsere Familie immer größer wurde und wir mehr Wohnraum benötigten.

An meine ersten Lebensjahre habe ich kaum Erinnerung. Meine Mutter hat aber zum Glück einige DVDs, auf denen Filmaufnahmen von meiner Kindheit zu sehen sind. Einmal bekam ich einen Nikolausschuh, in dem Schokolade und ein Teddybär lagen. Ich nahm die Schokolade und ignorierte den Teddybär. Ich glaube, dass meine Mutter etwas enttäuscht war. Mit etwa 4 Jahren bin ich bei einem Polterabend in Scherben gefallen und musste am Finger genäht werden. Ich war ein sehr lebhaftes und energiegeladenes Kind. In die Kleinsachsenheimer Grundschule wurde ich eingeschult und gehe jetzt in die 9. Klasse der Realschule. Vor 6 oder 7 Jahren waren wir zum ersten Mal mit unserem Wohnwagen in Italien. Wir standen in der Nähe von Venedig. Ich erinnere mich noch gerne daran.

Mein wichtigster Moment aber war meine Taufe, als ich 13 Jahre alt war. Zuvor war ich oft etwas neidisch auf die anderen Kinder, die in der Schule ihre Taufsprüche aufsagen konnten. Aber letztlich war es für mich die richtige Entscheidung, mich in diesem Alter taufen zu lassen, da ich meine Taufe ganz bewusst erlebt habe. Ich würde es bei meinen Kindern ebenfalls so
machen.

Was für Stärken hast du?

Ich kann gut mit Kindern umgehen. Ich bin ein offener Mensch. Ich helfe gerne und kann mich gut in andere hinein fühlen. Außerdem bin ich ehrgeizig. Wenn ich mir in der Schule etwas vornehme, dann will ich es auch erreichen. Ich kann auch Themen in der Schule gut präsentieren.

Hast du auch Schwächen?

Ich mache mir oft zu viel Druck. Alles muss perfekt sein. Alles sollte so sein, wie ich mir es vorstelle, gelingt dies nicht, bin ich niedergeschlagen, down. In Kunst fange ich manchmal ein Bild vier Mal an, weil ich noch nicht zufrieden bin. Es muss eben eine 1 sein. Manchmal lerne ich vor einer Arbeit so viel, dass ich den Eindruck habe, ich kann gar nichts mehr. Ich denke, ich muss noch besser sein als gut, setze meine Messlatte immer höher. Wenn ich etwas mache, denke ich zu oft, was denn die anderen über mich denken. Ich sollte aber öfter denken, was ich will.

Ist dir Familie wichtig und falls  ja, warum?

Meine Familie ist mir sehr wichtig. Mit meiner Mama kann ich über alles reden. Ich kann mit allen Fragen und Problemen zu ihr kommen. Ich war am letzten Wochenende zusammen mit Melanie und Amrei in Beilstein bei einer Fortbildung für Kinderkirchmitarbeiter. Wir lernten dort Geschichten besser frei zu erzählen. Das waren zwei schöne Tage, aber ich habe meine Familie schon vermisst. Es wird einem erst richtig bewusst, wie wertvoll es ist, eine Familie zu haben, wenn man sie für ein paar Tage nicht hat. Familie ist ein Ort, wo man bedingungslos angenommen ist. Auch wenn man Streit mit einer Freundin hat, kann man immer noch zu seiner Familie gehen.

Bist du in unserer Gemeinde aktiv?

Ich arbeite in der Kinderkirche mit und bin beim Lobpreis Gottesdienst dabei. Manchmal singe ich auch in der Combo. Was vielleicht nicht so viele wissen: Manchmal helfe ich am Samstag vor einem Gemeindemittagessen beim Vorkochen.

Wie bist du zum Glauben gekommen?

Da gibt es kein besonderes Ereignis. Ich bin in den Glauben hinein gewachsen. Ich bin christlich erzogen worden. Wir beten vor dem Essen. Meine Eltern haben mir schon als kleines Kind aus der Bibel vorgelesen. Ich hatte auch Kinder Gebetsbücher. Außerdem machen wir jeden Abend gemeinsam Andacht, lesen und beten miteinander. Wenn ich ein Problem habe und zu Gott bete, dann denke ich manchmal, wie schlimm es wäre, wenn ich das nicht hätte. Mein Glaube ist heute präsenter als früher und ich lebe ihn bewusster.

Wissen deine Klassenkameraden dass du Christin bist? Wie reagieren sie darauf?

In der Grundschule wussten einige, dass ich in die Kinderkirche gehe. Als ich dann in die 5. Klasse gekommen bin, dachte ich, die Klassenkameraden fänden den Glauben uncool. Aus Angst nicht akzeptiert zu werden habe ich sogar manchmal gesagt, dass ich nicht glauben würde. In der 6., 7. Klasse habe ich aber mein Verhalten geändert. Heute stehe ich zu meine Glauben, auch wenn meine Klassenkameraden mich belächeln. In meiner Klasse sind zwei Jungen, die auch an Gott glauben, die aber in eine andere Gemeinde gehen. Mit ihnen kann ich über meinen Glauben reden.

Was ist das Besondere am christlichen Glauben?

Man ist sehr frei in seinem Glaubensleben. Fünf Mal am Tag zu beten empfinde ich als Druck. Ich kann beten wann ich will. Beim Beten kommt es auf die Herzenshaltung an. Ich weiß, dass Jesus für mich gestorben ist. Ich weiß von seiner Gnade. Ich glaube nicht, dass eine andere Religion einen so gnädigen und menschenfreundlichen Gott kennt. Mir ist schon vergeben. Das ist besser als wenn ich gute Werke sammeln muss.

Hat dein Glaube auch etwas mit deinem Alltag zu tun?

Wenn ich morgens aufwache, danke ich Gott für die gute Nacht. Schon beim Frühstück lesen wir den Vers des Tages aus einer Bibel App. Dieser Vers passt oft in meine Lebenssituation. Ich sehe die Verse als Zuspruch von Gott. Ich glaube Gott redet auch durch Personen, Verse oder Lieder zu uns. Als ich den Vers, „Und er wird seine Engel schicken, um dich zu behüten“, gelesen habe und als am nächsten Morgen ein Auto mich und zwei Freundinnen angefahren hat, dachte ich mir im ersten Moment „Ja, wo ist denn jetzt Gott?“ Im Nachhinein sage ich Gott war definitiv da, es hätte ja etwas viel schlimmeres passieren können. Ich hatte nur eine kleine Wunde an meinem Knie. Die Verletzung hat dann aber doch noch bleibende Schmerzen mit sich gebracht. Ich kann mich noch sehr gut an die WM 2014 erinnern, nicht nur weil Deutschland da gewonnen hat, sondern weil ich auf dem Boden saß und vor Schmerzen geweint habe. Als wir dann mit Bekannten „zufällig“ auf demselben Campingplatz waren, beteten sie für mich und legten mir die Hände auf. Ich habe gemerkt, dass die Pastoren mit so viel Kraft und Überzeugung gebetet haben. Der Pastor sagte mir nach dem Gebet, er habe den Heiligen Geist in meinem Knie gespürt. Ein paar Tage nach dem Gebet waren die Schmerzen weg. Bis heute habe ich keine Schmerzen mehr in meinem Knie. Für mich ist jeder Tag ein Geschenk Gottes, da es nicht selbstverständlich ist, gesund nach Hause zu kommen.

Was gefällt dir an unserer Gemeinde?

Da ist zunächst die Gemeinschaft. Viele Leute in der Gemeinde sind offen und den Menschen zugewandt. Man wird sehr gut aufgenommen, und ich als junger Mensch habe nicht das  efühl,
nicht dazu zu gehören. Es gibt auch tolle Angebote wie den Lobpreis Gottesdienst oder Living Room.

Gefällt dir manches auch nicht?

Ich hätte den Gottesdienst etwas moderner gestaltet. Ich wünschte mir, die Combo würde jeden Sonntag spielen. Es wäre schön, wenn wir jeden Sonntag zwei moderne und zwei alte Kirchenlieder singen würden, so dass für Jung und Alt was dabei ist. Nur wenige Jugendliche gehen nach ihrer Konfirmation weiterhin in die Kirche, das finde ich schade.

Hast du Wünsche und Träume für deine Zukunft?

Mein Berufsziel ist es Grundschullehrerin zu werden. Andererseits möchte ich früh heiraten und noch jung Kinder bekommen. Dafür hätte ich gerne einen christlichen Mann. Was in
der Bibel steht ist einfacher zu verwirklichen mit einem Partner, der auch Christ ist.

Machst du dir auch Sorgen, wenn du an deine Zukunft denkst?

Definitiv. Ich will unbedingt Familie haben. Wenn ich meine Messlatte bezüglich meines Berufes so hoch lege, hab ich doch etwas Angst, diesen nicht zu erreichen. Ich hoffe natürlich auch den passenden Mann zu finden.

Hast du auch Vorbilder?

Einen Star oder einen Sänger habe ich nicht als Vorbild. Ich lasse mich gerne von Menschen inspirieren. Manchmal denke ich, wenn jemand etwas besonders gut kann, so könntest du auch mal sein. Ich übernehme auch viel von meinen Eltern.

Denkst du in deinen jungen Jahren auch schon an den Tod?

Ja, ganz oft. Letzte Woche gab es in der Nähe unseres Hauses einen Unfall. Bei Unfällen oder auf dem Friedhof denke ich oft, was wohl nach dem Leben kommt. Das hat auch mit einer Angst zu tun.

Bitte vollende folgende Sätze:

  • Ich esse gerne...Dampfnudeln.
  • Mädchen sind... vorausdenkender als Jungs.
  • Ich lese gerne... Romane.
  • Sport... macht mich glücklich.
  • Ausschlafen... ist gut, geht aber nur samstags und in den Ferien.
  • Beim Shoppen... habe ich Gemeinschaft mit anderen, wie zum Beispiel mit Freunden.
  • Im Urlaub... wandere ich gerne in den Bergen und entspanne mich am Meer.
  • In der Schule mag ich...meine Klassenkameraden und die Gemeinschaft.
  • Das Gebet...bedeutet mir viel.
  • Gar nicht leiden kann ich... Streit und Maultaschen.
  • Wenn ich noch einen Tag zu leben hätte würde ich... die Zeit mit Menschen verbringen, die mir am Herzen liegen.


Liebe Ilene, ich danke dir für das Gespräch.

Jürgen Sinn