TRAUBE AM WEINSTOCK Interview mit Freddy Rudolph.

Die Fragen stellte Jürgen Sinn.

Lieber Freddy, nun hast du ja einen schönen alten deutschen Vornamen, Friedrich- Hermann. Wie kommt es, dass dich die meisten Leute in der Gemeinde „Freddy“ nennen?

Darüber gibt es eigentlich keine Geschichte. Mein Vater und dessen Vater hießen Friedrich. Der „Hermann“ kommt von der mütterlichen Seite. Weil der Name so lang ist, nannte man mich schon in der Grundschule „Freddy“. Auch meine Mutter und meine Geschwister haben diesen Namen übernommen. Nur mein Vater sagte immer „Friedrich-Hermann“ zu mir. Sogar auf der Visitenkarte einer Firma, für die ich gearbeitet habe, stand „Freddy“ als Vornamen. Insofern stelle ich mich auch in der Gemeinde mit diesem Namen vor.

Wie bist du zum Glauben an Jesus Christus gekommen?

Ich erinnere mich an keinen Zeitpunkt, an dem ich nicht an Gott geglaubt hätte, was sicher an meiner christlichen Erziehung lag. Schon mit sechs Jahren habe ich in der „Erwachsenenbibel“ gelesen und fand das recht interessant. Mein Opa war evangelisch. Soweit ich gehört habe, trat er während der Nazidiktatur wegen seiner Ablehnung der „Deutschen Christen“ aus der Evangelischen Kirche aus. Mein Vater war später Kriegsgefangener in England. Dort kam er in Kontakt mit der Heilsarmee und war bis Ende der 50er Jahre „Offizier“, so heißen die Hauptamtlichen dieser Kirche. Die Leute von der Heilsarmee gingen auch in Problemviertel und Rotlichtmilieus, um Menschen zu unterstützen. Da war die Uniform oft hilfreich und ein Schutz vor Belästigungen. Später wechselten meine Eltern zur Volksmission. Ich halte es für gut, dass Glaube auch über die Eltern weitergegeben wird. Noch wichtiger ist allerdings, dass jeder sich selbst mit dem Glauben auseinandersetzt und eine eigene Beziehung zu Gott findet. Nur aus Tradition Christ zu sein, halte ich für zu wenig. Zum ersten Mal habe ich mit zwölf Jahren so richtig eindrücklich verstanden, dass man seine Schuld los werden kann und dass Gott vergibt. Als Teenager habe ich mich dann taufen lassen.

In welchen Bereichen unserer Kirchengemeinde arbeitest du aktiv mit?

Musikalisch bringe ich mich in der Combo und im Lobpreisgottesdienst ein. Das Visionsteam zur Kircheninnenrenovierung durfte ich moderieren. Zusammen mit meiner Frau Mirjam bin ich zurzeit als sogenannter „Konfi-Mentor“ unterwegs, d.h. wir haben für eine kleine Gruppe der Konfirmanden die Rolle als „Mentor“ übernommen. Wenn Bedarf besteht, bringe ich mich gerne ein. Im nächsten Jahr arbeite ich in einem Gottesdienstteam mit.

Was gefällt dir an unserer Kirchengemeinde in Kleinsachsenheim?

Da ist zunächst die Wertschätzung, die man erfährt, wenn man sich für die Gemeinde einsetzt. Das ist nicht selbstverständlich. Es müssen auch nicht immer „große“ Dinge sein, um Wertschätzung zu erfahren. Auch hat mir sehr gefallen,  welch ein Vertrauen ich erfahren durfte. Ich kannte weder die Evangelische Kirche besonders gut, noch die Kirche in Kleinsachsenheim und war „neu“ in der Gemeinde. Trotzdem durfte ich das Visionsteam zur Kircheninnenrenovierung moderieren. Meine Familie ist in der Kleinsachsenheimer Gemeinde sehr freundlich aufgenommen worden. Auf den Gemeindefreizeiten haben wir eine sehr schöne Gemeinschaft erlebt. Sehr wichtig ist mir das klare Bekenntnis zu Jesus Christus, das Leben und Lehre in der Gemeinde bestimmt. Das ist ein ganz entscheidender Punkt, sozusagen die „Kernkompetenz“, die ich von einer christlichen Kirche erwarte.

Könnte auch etwas besser werden?

Es wäre schön, wenn sich in den Gottesdiensten zunehmend Menschen aus allen Generationen begegnen würden, denn es gibt in der Kirchengemeinde viele verschiedene arbeitsbereiche, aber die Gemeinschaft über Alters- und Interessensgrenzen hinweg in einem gemeinsamen Gottesdienst halte ich für sehr wertvoll. Es ist sehr gut, wenn der Gottesdienst ein Ort ist, wo man auf der einen Seite Gott begegnet und gleichzeitig auch intensiv Gemeinschaft und Austausch miteinander hat. Es ist auch gut, wenn Menschen zunehmend den Mut finden, ihren Glauben zu teilen und mitzuteilen. Ich denke nicht, dass man einfach alle Traditionen über den Haufen werfen sollte, aber neue Elemente in den Gottesdienst integriert, die diese Freiräume schaffen. Eine Möglichkeit, die beispielsweise jeder gläubige Gottesdienstbesucher hat, ist, für unseren Pfarrer zu beten und ihn dadurch in seiner wichtigen Aufgabe zu unterstützen. Eine weitere Herausforderung, die ich sehe, ist, wie man die Kinder und späteren Konfirmanden nach der Konfirmation in der Gemeinde halten kann. Dafür habe ich kein Patentrezept, aber ich denke, das Ziel muss sein, ihnen vorzuleben, was es heißt, das Leben im Gottvertrauen und nach Gottes Maßstäben zu leben.

Du warst früher in einer „Freien Gemeinde“ aktiv. Was sind denn nach deiner Ansicht Vorteile einer „freien“ Gemeinde, welche Vorzüge siehst du in der Landeskirche?

In einer „freien“ Gemeinde herrscht oft eine größere Verbindlichkeit, was die Gemeinschaft und Mitarbeit betrifft. Es gibt weniger Mitglieder als in der Landeskirche, aber man kann die meisten Mitglieder im Gottesdienst treffen. Die Themen für die Gottesdienste können frei gewählt und durch die aktuellen Anforderungen der jeweiligen Gemeinde bestimmt werden. Dadurch, dass sich Freikirchen in der Regel durch Spenden finanzieren, besteht auch eine größere lokale Unabhängigkeit der jeweiligen Ortsgemeinde. Hingegen ist, denke ich, in der Landeskirche die „Hemmschwelle“ für einen nicht gläubigen oder distanzierten Menschen niedriger, einen Gottesdienst zu besuchen. Das bietet Chancen, diese Menschen zu erreichen, wenn die Predigt auch klar am Evangelium ausgerichtet ist. Man kann sich unverbindlicher an eine Gemeinde annähern. In einer „freien“ Gemeinde kann der „familiäre“ oder abgeschlossene Charakter auch manchmal hemmend oder abschreckend auf einen Fremden wirken. Aber ich würde da keine Regel aufstellen. Entscheidend ist nicht die Form, sondern der Inhalt.  Auch hat die Landeskirche in unserer Gegend noch eine recht enge Verzahnung in die Gesellschaft und das kann Zugänge ermöglichen, Menschen mit Gottes Wort zu erreichen.

Was ist nach deiner Ansicht das Besondere, das Anziehende am christlichen Glauben?

Unser christlicher Glaube setzt da an, wo andere Religionen aufhören. In anderen Religionen muss der Mensch zuerst Gebote halten oder spirituelle Übungen pflegen, wenn er sich Gott nähern will oder um Gott zu gefallen. Christen glauben etwas anderes. Da fängt es damit an, dass Gott den ersten Schritt gemacht hat und sozusagen die Trennwand zu uns eingerissen hat, indem er Mensch geworden ist. Schon zu Beginn unserer Beziehung zu Gott wird uns alle Schuld vergeben. Wir sind von Beginn an geliebte Kinder Gottes. Und ausgehend von diesem Punkt und mit Hilfe des Heiligen Geistes sollen wir dann im Glauben wachsen, unsere Gaben und unsere Identität entfalten, lernen falsche Verhaltensmuster aufzugeben. Jesus Christus ist wie ein Vorkletterer im Fels. Er hat mich ans Seil genommen, sichert mich, sodass ich Überhänge überwinden kann, die ich ohne IHN nicht geschafft hätte. Anziehend ist auch, neben der Heiligkeit und Größe Gottes, die besondere Nähe Gottes zu uns Menschen. Er wurde in Jesus ein Mensch und kam uns dadurch sehr nahe. Darin liegt der Kern der christlichen Botschaft für alle Menschen.

Was machst du eigentlich beruflich?

Ich habe nach dem Abitur Geographie studiert und war in der Umweltplanung tätig, vor allem auf kommunaler Ebene. Dann gab es durch den Konkurs meines Arbeitgebers einen Bruch. In dieser Zeit habe ich die Führung Gottes erlebt. Ich war drei Monate arbeitslos, wir bauten gerade ein Haus auf dem Grundstück meiner Eltern, brauchten also eigentlich finanzielle Absicherung. Ich war zunächst freiberuflich tätig, hatte aber genug Zeit für den Hausbau und konnte auch der Familie viel Zeit geben. Als dann eine Entscheidung notwendig wurde, wie es finanziell weitergehen sollte, hat mir ein Kumpel einen Job bei Bosch im IT Bereich angeboten. Das Bewerbungsgespräch fand dann in einer Kneipe in der Bietigheimer Altstadt statt. Der berufliche Neustart war eine echte Herausforderung, da ich zuvor noch kaum Erfahrung in diesem Bereich hatte. Heute sitze ich den ganzen Tag vor dem Computer. Es ist nicht meine Leidenschaft, aber ich versuche meine Arbeit gut zu machen und bin Gott dankbar, dass er das so geführt hat und ich nun eine gut bezahlte Arbeitsstelle habe. Ich habe daraus gelernt, dass man manchmal Gott auch blind vertrauen muss und dass Sicherheit, die man sich selbst bauen möchte, nicht ausreicht für das Leben.

Jetzt noch ein paar Satzanfänge, die du beenden sollst:

Ich esse gerne.... bodenständige Gerichte (z. B. Gaisburger Marsch).
Jugendliche sind heute.... nicht durch pauschale Aussagen beschreibbar.
Sachsenheim ist.... der Ort, an dem ich 49 Jahre meines Lebens verbracht habe. Ich liebe die Nähe zur Natur, zum Stromberg.
Meine weiteste Reise war.... nach Tokio.
Unser Gesundheitssystem ist... immer noch eines der Besseren.
Der Winter ist.... schön, wenn es wirklich Winter ist.
Nudeln oder Kartoffeln? Beides, es kommt in denselben Magen (siehe Gaisburger Marsch).
Derzeit lese ich..... mehrere Bücher gleichzeitig, z. B eines über die deutsche Geschichte nach dem 2. Weltkrieg.
Im Fernsehen schaue ich... mit Interesse Nachrichten und Reportagen.
Sport ist... für die Gesundheit wichtig, ich mag aber die zunehmende Kommerzialisierung nicht.
Meine Kinder sind... sehr unterschiedlich – und jedes auf seine Weise großartig!
Ausschlafen... hat etwas an Bedeutung verloren.
Shopping... wenn es sein muss. „Rummel“ strengt mich eher an.
Besonders gut kann meine Frau... viele Dinge. Ich kann mit ihr gut reden, sie investiert viel in Beziehungen und ist sehr zuverlässig.
Im Urlaub bin ich gerne... in den Alpen. Meine höchsten Berggipfel waren... über 4000 m hoch.

Lieber Freddy, ich danke dir sehr herzlich für unser Gespräch.