TRAUBE AM WEINSTOCK Interview mit Melanie Hennige

Die Fragen stellte Jürgen Sinn.

Liebe Melanie,

kannst du uns ein wenig über deine Lebensgeschichte erzählen?

Ich bin 1989 im Bietigheimer Krankenhaus als zweites Kind meiner Eltern geboren. In Kleinsachsenheim bin ich aufgewachsen. Ich ging in den Kindergarten Hudelweg, das waren nur wenige Schritte von meinem Elternhaus, so dass ich bald alleine dahin gehen konnte. Auf die Grundschule in Kleinsachsenheim folgte die Realschule in Großsachsenheim. Als kleineres Kind ging ich in die musikalische Früherziehung. Danach spielte ich Blockflöte und später Akkordeon. Mit dem Akkordeonverein hatten wir immer ein schönes Jahreskonzert im Kronenzentrum. Üben fiel mir immer schwer, deshalb bin ich auch kein Weltstar geworden. Im Sportverein habe ich keinen Fuß gefasst, da ich in keiner Disziplin besonders gut war. So fand ich eine Heimat in der Kirchengemeinde. Dort konnte ich mich ohne überragende Begabungen einbringen und wurde geachtet. Es folgte meine Zeit im Lichtensterngymnasium als externe Schülerin im Mädcheninternat. Das war meine beste Schulzeit. Es sind viele gute Kontakte entstanden, teilweise halten diese bis heute noch. Ich liebte die Sprachen, v. a. Englisch, ich bin eher der geisteswissenschaftliche Typ. Da ich immer noch keinen Berufswunsch hatte, habe ich ein FSJ in der Schule für „geistig Behinderte“, Schule am Gröninger Weg, in Bietigheim-Bissingen gemacht. Dieses Arbeitsfeld hat mich angesprochen. Ich habe Sonderpädagogik studiert, zwei Jahre in Ludwigsburg und zwei Jahre in Reutlingen, und mein Studium 2013 erfolgreich abgeschlossen. Meine Studienzeit war eine sehr wichtige Zeit für meine Persönlichkeitsentwicklung. In Reutlingen lernte ich ein eigenständiges Leben ohne Elternhaus zu führen. Ich war dort in der Studentengruppe „Campus für Christus“. Es gab eine Semesteranfangsfreizeit. Zu Beginn eines Semesters gab es immer auch das „Running Dinner“. Es wurden mehrere 2-er Teams gebildet, die jeweils für die Vorspeise, die Hauptspeise oder den Nachtisch zuständig waren. Es wurde dann festgelegt, welches Team wo den jeweiligen Teil des Abendessens einzunehmen hätte. So kam man viel rum und lernte viele Kommilitonen beim Essen kennen.

Nach meinem Referendariat begann ich meine Schullaufbahn als Lehrerin an der Eugen-Bolz-Schule in Kornwestheim. Seit 2018 lebe ich wieder in Kleinsachsenheim, in einer christlichen Frauenwohngemeinschaft.

Was erfüllt dich an deinem Beruf? Welche Herausforderungen stellt er?

Ich verstehe mich gut mit meinen Kollegen, wir haben eine familiäre, offene Atmosphäre. Man kann auch Schwächen zugeben. Die Beziehungsarbeit mit den Schülern gefällt mir gut. An unserer Schule kennt jeder jeden. Diese überschaubare Lebenswelt hilft auch den Schülern. Ich bereite mich gerne auf den Unterricht vor. Ich lerne selbst eine Menge, wenn ich mich auf neue Fächer vorbereiten muss. Die Kehrseite ist natürlich, dass die Vielseitigkeit der verschiedenen Fächer auch eine große Herausforderung darstellt. Es gibt auch immer wieder Klassen, die einen als Lehrerin herausfordern wollen. Wir haben Klassengrößen von 10 bis 14 Schülern. Recht viele Schüler kommen aus einem sozial schwierigen Umfeld. Daraus ergeben sich viele Gebetsanliegen für mich.

Wie bist du Christin geworden?

Ich bin in einer christlichen Familie aufgewachsen. Man erzählt, ich wollte schon mit 2 Jahren in den Kindergottesdienst, der erst für Dreijährige vorgesehen war. Im Kindergottesdienst habe ich von Jesus gehört. Schon als Kind habe ich auch Veranstaltungen von anderen Gemeinden oder Werken besucht. So besuchte ich die Methodisten in der Kapelle und über eine Freundin kam ich zu einer Kinderbibelwoche von einer Zeltmission in einem Privathaus einer Familie, die zu einer Freien Gemeinde gehört. Dort hörte ich zum ersten Mal, dass man sein Leben Jesus geben kann. Das habe ich dann auch gemacht. Das war im Grundschulalter. Ich habe Jesus als Freund wahrgenommen, der mich persönlich kennt und der mich auch hört, wenn ich leise zu ihm rede.

Was gefällt dir am christlichen Glauben?

Mir gefällt die bedingungslose Annahme durch Gott. Kein Mensch kann dies tun. Aber Gott kann das. Das ist die Grundlage, auf der man sein Leben mit Gott aufbauen kann. So will ich auch versuchen, als Lehrerin meine Schüler in ihrer Art anzunehmen und sie in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Außerdem gefällt mir ganz besonders die Gemeinschaft der Christen weltweit. Wir haben alle die gleiche Grundlage und sind durch Jesus miteinander verbunden. Dadurch entsteht natürlich die Aufgabe, füreinander im Gebet einzustehen.

Hast du auch Zweifel?

Manchmal habe ich Probleme damit, dass ich intensiv für etwas bete, auch zusammen mit anderen Menschen, und es in meinen Augen keine positive Veränderung gibt. Da frag ich mich dann, was hat Gott mit dieser Person oder dieser Situation vor?

Du arbeitest ja bei „Gemeinsam Beten und Bewegen“ mit. Kannst du mal erklären, was sich hinter dieser Bewegung verbirgt?

Über meine Mitbewohnerin B. (Foto von ihr siehe „Der KGR und ich“, die linke Person) wurde ich für die Mitarbeit angefragt. Der Verein „Gemeinsam Beten und Bewegen“ (GBB) hat die Fürbitte für Deutschland auf dem Herzen. Wir beten für Erneuerung, Erweckung und Einheit in Deutschland. Wir tun dies durch Gebetswanderungen in verschiedenen Regionen Deutschlands. Beispielsweise wanderten wir entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze. Unsere Gebete können gesellschaftliche, politische Themen betreffen aber auch persönliche Themen und Anliegen. Wir übernachten oft in Gemeinden und beten dann auch für die Probleme und Aufgaben der örtlichen Gemeinden. Ich bin speziell für die Standarbeit und Vorstellung des Vereins bei Großveranstaltungen und bei Jugendveranstaltungen zuständig.


Bei den Gebetswanderungen lerne ich viele Christen aus anderen Regionen und Bezügen kennen. Das finde ich toll und das motiviert mich.

Wie lebst du sonst deinen christlichen Glauben?

Ich besuche einen Hauskreis und ziehe daraus neue Impulse für meinen Glauben. Ich bin viel in der christlichen Landschaft unterwegs. So besuche ich beispielsweise das Lobhaus in Ludwigsburg, Veranstaltungen der Liebenzeller Mission und die Zeltstadt.

Du bist und warst in unserer Gemeinde aktiv. Was hast du schon getan und was tust du aktuell?

Früher habe ich die Mädchenjungschar geleitet und bei Freizeiten mitgearbeitet. Ich war auch im Posaunenchor. Aktuell arbeite ich im Jugendkreis und bei Living Room mit. Seit letztem Jahr bin ich Konfi-Mentorin. Außerdem bin ich bei verschiedenen Aktionen am Start.

Was gefällt dir an unserer Kirchengemeinde?

Mir gefällt z. B. die Gemeindefreizeit und der Lobpreisgottesdienst. Außerdem gefallen mir die gute Gemeinschaft und der Zusammenhalt. Auch dass die Gemeinde immer wieder offen ist für neue Ideen und Aktivitäten. Ich finde es schön, dass alle Generationen ihren Platz in der Gemeinde finden können.

Was wünschst du dir für unsere Gemeinde?

Mir liegt die Jugendarbeit am Herzen. Ich wünsche mir, dass immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene ihre Heimat in der Gemeinde finden. Ich träume davon, dass wir in unserer Gemeinde unseren Glauben noch offener leben und dies auch untereinander austauschen.

Jetzt darfst du noch einige Sätze in deinem Sinn vervollständigen.

  • Ich esse gerne....Schokolade, italienisch, indisch und Sauerbraten.
  • Im Urlaub bin ich gerne....in guter Gemeinschaft unterwegs.
  • Mir tut gut, wenn....ich genug Zeit zum Ausruhen habe.
  • Niemals würde ich....jeden Tag Sport machen.
  • Shoppen ist....herausfordernd, da ich gerne faire Produkte kaufe.
  • Meine Stärken sind....Zuverlässigkeit, Struktur und Humor.
  • Derzeit lese ich das Buch.... Kreiszieher von Mark Batterson.
  • Der Klimawandel...ist eine ernsthafte Herausforderung für uns ALLE.
  • Am Abend...mache ich nochmal Dampf für die Arbeit oder ruhe mich aus.
  • Heilig Abend...habe ich im letzten Jahr zum ersten Mal ohne meine Eltern verbracht.


Liebe Melanie, ich danke dir für dieses Gespräch.