TRAUBE AM WEINSTOCK Interview mit Tanja Zaers.

Die Fragen stellte Jürgen Sinn.

Liebe Tanja, du gehst immer gleich, ohne viel zu reden, nach dem Gottesdienst nach Hause. Warum?
Ich gehe zum Frühstück heim. Mein Mann und mein Sohn gehen meist nicht mit in den Gottesdienst. Sie schlafen gerne lang. Einmal in der Woche möchte ich mit meiner ganzen Familie am Tisch sitzen. Sonst ist immer jemand unterwegs. Es gibt bei uns dann eine Art Brunch, mit Marmelade, Obst, Eiern, Käse und Wurst. Wir sitzen dann lange zusammen.

Kannst du uns ein wenig über deinen Werdegang und deine familiäre Situation berichten?
Geboren wurde ich in Mühlacker. Aufgewachsen bin ich mit meiner Mutter und meiner Schwester in Ensingen. Meine Eltern waren geschieden. Es gab schwerwiegende Probleme in der Ehe meiner Eltern. Meine Mutter war allein erziehend, wir waren mit allen Problemen alleine. Auch mit dem Geld gab es Probleme. Eine schöne Erinnerung an meine Kindheit ist, dass ich von meiner Mutter gütige Liebe empfangen habe, von der mir erst viel später klar geworden ist, dass dies Gottes Liebe war. Als ich 14 Jahre alt war, hat meine Mutter einen schweren Schlaganfall bekommen. Meine Mutter konnte nicht mehr gehen, sprechen und schreiben. Wir beiden Mädchen mussten in dieser Zeit zusammen mit einer Tante Verantwortung für die kleine Familie übernehmen. Langsam kämpfte sich meine Mutter wieder ins Leben zurück. Nach der Schule zog ich zu meinem damaligen Freund nach Bönnigheim und habe in Illingen als Wagenpflegerin gearbeitet. In der Spedition in Illingen lernte ich dann meinen Ehemann Oli kennen. 2001 ist Tobias geboren. 2004 zogen wir nach Kleinsachsenheim. Meine noch nicht gesunde Mutter zog mit uns hierher. Seither leben wir hier in Kleinsachsenheim, meine Mutter ist inzwischen gestorben. Ich bin Angestellte bei der Stadt Sachsenheim.

Wie bist du Christin geworden?
Nachdem wir 2004 hierher gezogen waren, hat mich eine Erzieherin vom Kindergarten meines Sohnes, meine heutige Freundin,  zu einem Alpha – Festabend (Abschlussabend) eingeladen.
Es hat dann aber noch zwei oder drei Jahre gedauert, bis ich an einem Alphakurs teilgenommen habe. Dort bin ich so richtig zum Glauben gekommen. Am Alpha Wochenende bekam ich viele Eindrücke, vieles hat mein Herz bewegt. Abends stand ich auf meinem Balkon, um mich herum kühle, frische Luft. Ich habe an unseren Herrn gedacht. Da hatte ich das Gefühl, es tut sich etwas auf. Die frische Luft ist zusammen mit Wärme und Liebe in meine Seele eingedrungen. Irgendwie zog Gottes Liebe in mich ein. Genauer kann ich das nicht beschreiben. Vieles was ich bisher erlebt hatte, auch viel Schweres, konnte ich nun in einem neuen Licht sehen. Ich konnte Gottes Wirken in meinem Leben erkennen. Vieles war kein Zufall. Seither lebe ich als Christin. Ich frage mich immer wieder, wie sich Gott wohl wünscht, dass ich leben soll. Mutter Theresa sagte, dass Liebe gelebt werden muss. Das versuche ich. Früher bin ich schnell aus der Haut gefahren, war selbstbezogen und eifersüchtig. Das hat sich geändert. Gottes Liebe schafft Veränderung.

Was gefällt dir am christlichen Glauben?
Mir gefällt mein Leben mit Gott. Ich erfahre Gottes Schutz in vielen Situationen. Er bereichert mein Leben, er macht mich frei. Gott gibt mir Kraft für den Alltag. Er gibt mir Weisung und Anleitung. Aber seine Weisung will mich nicht beschränken, sondern will mich beschützen. Da ich keinen leiblichen Vater erleben durfte bin ich dankbar, dass da ein himmlischer Vater ist, der mich liebt.

Bist du in unserer Kirchengemeinde an irgendeiner Stelle aktive Mitarbeiterin?
Alle sechs Wochen bin ich als Gottesdienstbegleiterin für die Bewohner des Kleeblattheimes tätig. Ich möchte, dass diese Menschen das Wort Gottes hören können. Die Dankbarkeit der alten Menschen erfüllt mich mit großem Glück. Auch meinen Oli habe ich in diesen Dienst mit einbezogen. So kommt auch Oli ab und zu in die Kirche. Auch Tobias geht manchmal mit.

Was gefällt dir an unserer Kirchengemeinde?
Mir gefällt, dass wir das Abendmahl gemeinsam als Gemeinde feiern. Wir stehen zusammen um den Altar. Da spüre ich Gemeinschaft mit anderen Christen und mit Jesus. Auch die Osternacht finde ich immer wieder phantastisch. Die Befreiung durch Jesus bewegt mein Herz. Außerdem finde ich gut, dass bei uns viel in die Kinder- und Jugendarbeit investiert wird. Dass unsere Pfarrersfamilie den Glauben aktiv lebt, ist für mich ein weiterer Pluspunkt in unserer Gemeinde. Ich habe das Gefühl, dass unsere Gemeinde lebt.

Könnte an unserer Kirchengemeinde auch etwas besser werden?
Eigentlich fühle ich mich in der landeskirchlichen Liturgie des Gottesdienstes ganz wohl. Aber manchmal, wenn die Combo spielt, würde ich gerne aufstehen und die Hände erheben. Wir singen, dass wir vor Gott stehen und alle bleiben sitzen. Dann traue ich mich nicht aufzustehen. In solchen Momenten fühle ich mich beschränkt.

Gehst du in einen Hauskreis und wenn ja, was macht ihr dort gerade?
Ich gehe in den Hauskreis von Ehepaar Plitt. Wir haben über den König David gesprochen und machen mit den anderen Königen jetzt weiter. Es gefällt mir dort. Es ist freundschaftlich und familiär. Wir können auch über unsere Alltagsprobleme reden. Alles was dort besprochen wird, wird nicht nach außen getragen. Wir können zusammen im Glauben wachsen.

Gibt es eine Bibelstelle, die dir besonders gefällt?
Mein Konfirmandenspruch steht im Buch der Sprüche Kapitel 3, die Verse 3 und 4. Ich zitiere: „Gnade und Treue sollen dich nicht verlassen. Hänge meine Gebote an deinen Hals und  schreibe sie auf die Tafel deines Herzens. So wirst du Freundlichkeit und Klugheit erlangen, die Gott und den Menschen gefallen.“  Es zeigt sich immer wieder in meinem Leben, dass dies auf mich zutrifft.

Was machst du gerne?
Ich gehe gerne spazieren und betrachte die Natur. Dabei nehme ich auch oft „Kleinigkeiten“ wie Blüten und Farben wahr. Außerdem stricke ich gerne und lese ab und zu ein Buch.

Hast du noch Träume?
Privat träume ich davon, einmal Enkelkinder zu bekommen. Es wäre einfach schön, wenn es mit der Familie weiter geht. Aber auch wenn keine kommen, weiß Gott schon warum. Für die Welt erträume ich mir, dass die Menschen einmal lernen, nicht nur auf sich selber zu schauen, sondern auch das Wohl des anderen Menschen im Blick haben. So wie Gott die Welt erschaffen hat, könnte jeder satt werden und in Frieden leben. Davon träume ich.

Könntest du bitte noch einige Sätze vervollständigen.

  • Mein Lieblingsessen ist... Hausmannskost.
  • Mein Mann kann vor allem gut... die Ruhe im Sturm bewahren.
  • Im Urlaub gehe ich am liebsten... ans Wasser und ins Wasser.
  • In der Schule mochte ich vor allem... Musik.
  • Wenn ich noch einen Tag zu leben hätte würde ich... ein schönes Abschiedsfest mit meiner Freundin und meiner Familie feiern. Alles was zwischen uns stand soll dabei beseitigt werden. Wir essen schön zusammen. Ich möchte in großem Frieden gehen.
  • Am Abend... sehe ich GZSZ und versuche nicht einzuschlafen, bevor ich meinem Schöpfer für den Tag gedankt habe.
  • Der Winter... ist hoffentlich bald vorbei, und dann freue ich mich auf den Frühling. Aber auch der Winter hat schöne Seiten.
  • Mein Hund... ist wie eine Freundin.
  • An Musik gefällt mir vor allem... dass sie Herz und Seele beruhigen kann.
  • Das Gebet... ist Reden mit meinem Vater.


Tanja Zaers und Jürgen Sinn