TRAUBE AM WEINSTOCK Interview mit Udo Weißflog

Die Fragen stellte Jürgen Sinn.

Lieber Udo,

kannst du uns etwas über deine Lebensgeschichte und deine familiäre Situation erzählen?

Geboren bin ich 1964 in Schema im Erzgebirge. Schema war schon vor dem Krieg ein Kurort gegen Krebserkrankungen. In dieser Gegend gibt es Radioaktivität in Form von Radom. Deshalb strahle ich oft so. Mein Heimatort war Lauter im Erzgebirge. Dort bin ich aufgewachsen und habe dort gelebt, bis ich in die Mission gegangen bin. Ich habe die Zeit der Wende voll erlebt. 1989 war ich 25 Jahre alt. Es war eine spannende Zeit. Im Westen war Anfang 1989 noch nicht viel von den Veränderungen in der DDR zu spüren. Bei uns aber sehr wohl. Es gab eine Kommunalwahl und Proteste gegen Wahlfälschungen. Ich habe bei einem offiziellen Wahlforum vor der Kommunalwahl öffentlich erklärt, was eine gültige Neinstimme ist. Das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens fanden nur 2 Länder gut: Kuba und die DDR. Da dachte ich mir, dass es so nicht weitergehen kann. Im Wendejahr wurde ich als Bausoldat eingezogen. Das war ein Dienst ohne Waffen, wenn man nicht zur Volksarmee wollte. Ich wurde als Bausoldat aber schon bald wieder entlassen, weil man mich als Bahnmitarbeiter brauchte. Ich war Elektriker.
Danach bin ich in die Mission gegangen. Ich war etwas mehr als 2 Jahre auf einem Missionsschiff in Afrika, Asien und Europa unterwegs. Danach ging ich für 2 Jahre nach St. Petersburg in Russland. Dort habe ich meine Frau Luba kennengelernt. Ich war Mitorganisator einer „Frühlingskonferenz“. Dabei ging es um die Stärkung von Glauben und um jungen Leuten zu zeigen, wie man missioniert. Es lag 1 m Schnee und war 10 Grad minus kalt. Luba war eine Teilnehmerin. Wir haben dann in St. Petersburg geheiratet. Nach der Missionszeit gingen wir zurück ins Erzgebirge. Dort war ich arbeitslos.
So gingen wir am 01. 01. 2000 aus wirtschaftlichen, beruflichen Gründen nach Hohenhaslach. Ich habe eine Arbeitsstelle als Elektriker. Wir haben 2 Söhne, Erik und Theo.

Wie bist du zum Glauben an Jesus Christus gekommen?

Als Kind habe ich einen ursprünglichen Glauben erfahren. Meine beiden Großmütter waren tief gläubig. Wir haben viel über den Glauben gesprochen. Meine Großmütter waren in der „Landeskirchlichen Gemeinschaft“, einer pietistischen Gemeinschaft. Schon als Kind wurde ich getauft. Ich wurde größer und der Glaube spielte für einige Jahre keine zentrale Rolle mehr. Ich fühlte mich in den Jahren als junger Erwachsener oft einsam und trank recht viel Alkohol. Durch den Alkoholkonsum bekam ich auch berufliche Probleme. Ich war mittlerweile Anfang 20. Doch Gott hat mich auch durch diese Krisenjahre getragen, das ist mir damals nur nicht so aufgefallen. Aufgrund meiner Probleme habe ich mich wieder an Gott erinnert. Das „Blaue Kreuz“, eine pietistisch geprägte Suchthilfeorganisation, hat mich unterstützt. Seit September 1990 bin ich komplett frei vom Alkohol. Doch meine Probleme waren damals nicht weg, ich war nach wie vor einsam. Ich habe dann viel in der Bibel gelesen und gebetet. Alle anderen in der Gemeinde waren verheiratet, ich war alleine. Im Sommer 1992 wollte ich mal was für Gott tun und habe an einem missionarischen Sommerlager (Love Europe) teilgenommen. Während des Lagers hat Gott viel für mich getan. Ich wurde innerlich geheilt. Es geschah während einer Predigt eines englischen christlichen Musikers. Da ging etwas in mein Herz. Gott sprach zu mir sinngemäß:
Ich bin nicht wie dein leiblicher Vater, sondern ein perfekter Vater, der dich vollkommen liebt. Ich war danach ein anderer Mensch geworden. Meine Arbeitskollegen kannten mich kaum wieder. Ich war entspannter, fröhlicher.

Wie bist du zu deiner Tätigkeit als Missionar gekommen?

Durch das Sommerlager. Im Sommerlager habe ich von den Missionsschiffen von OM gehört. 2 Monate später war ich in Mosbach am Neckar zum Freundestreffen von OM (Operation Mobilisation). Dort wurden die Missionare ausgesendet. Alle, die auf das Missionsschiff gehen wollten kamen nach vorne, um ihre Beweggründe darzulegen. Doch ich habe nicht die Missionare vorne stehen sehen, sondern mich selbst. Nach einem Jahr stand ich dann wirklich vorne und wurde ausgesendet. Als Missionar bin ich viel herum gekommen. Wir wurden oft zum Essen eingeladen. Die vielen unterschiedlichen Speisen waren eine tolle Erfahrung.

Was hast du damals als Missionar erlebt?

Auf dem Missionsschiff (siehe Foto) war ich der Elektriker. Ich verbrachte viel Zeit auf dem Schiff um zu arbeiten. Besondere Erlebnisse gab es, wenn ich mit einem Team in eine örtliche Gemeinde gehen durfte. Wir versuchten die örtlichen Gemeinden zu ermutigen. In Bahrain waren wir zu Gast bei einer Familie. Die Frau war Engländerin und ihr arabischer muslimischer Mann war ein Scheich und Multimillionär im Elektrobereich. Er besaß einen riesigen Swimming Pool im Haus. Mit ihm habe ich auf englisch ein langes Gespräch geführt. Er hat gefragt, ob Gott ihm bei seinen Problemen helfen könne. Unter anderen Problemen hatte er ein Alkoholproblem. Er hat mir gut zugehört und am Ende durfte ich für ihn beten. Ob er später Christ geworden ist weiß ich nicht, aber seine Offenheit war wie ein Geschenk für mich. In der Zeit auf dem Schiff hat Gott mein Herz für Russland und Osteuropa geöffnet. Nach einem Heimataufenthalt bin ich dann mit Grundkenntnissen in der russischen Sprache nach St. Petersburg gekommen. In der ersten Zeit verbrachte ich viel Zeit mit dem erlernen der Sprache. Ich war Leiter eines Großmütterkreises. Die Großmütter hatten nach dem Krieg das Land wieder aufgebaut, viele Männer waren ja tot oder verwundet.

In dieser Zeit durfte ich an einem „Gebetsgipfel“ von verschiedenen Missionsgesellschaften teilnehmen. Das war eine intensive Zeit des Gebetes. In dieser Gebetsgemeinschaft habe ich die Zeit nicht mehr gespürt. Es gab kein vorher und kein nachher mehr. Die Zeit war irgendwie weg. Ich glaube ich habe damals einen Hauch Ewigkeit erlebt.

In welchen Bereichen unserer Kirchengemeinde bist du aktiv?

Zusammen mit meiner Frau Luba arbeite ich beim Kirchencafe mit. Manchmal mache ich auch während des Lobpreisgottesdienstes den Input.

Bei den Kinderbibeltagen war ich der Schlunz. Ich habe auch schon einen Engel während eines Gottesdienstanspiels gespielt. Ich singe auch im Chor Notabene. Auch beim Spielenachmittag sind wir als Familie aktiv. Mein Sohn Erik bedient öfter den Beamer während Gottesdiensten, während mein anderer Sohn Theo manchmal in der Lobpreisband mitspielt.

Was gefällt dir an unserer Kirchengemeinde?

Mir gefällt die große Offenheit vieler Menschen. Ich begegne vielen freundlichen Menschen. Mir gefallen die abwechslungsreichen Gottesdienste, alte und neue Lieder berühren meine Seele. Auch die klare Verkündigung von Gottes Wort ist in unserer Gemeinde gegeben.

Was gefällt dir nicht so sehr an unserer Gemeinde?

Es macht mich traurig, dass relativ wenige junge Menschen in unsere Gottesdienste kommen.

Bitte vervollständige folgende Satzanfänge:

  • Ich probiere gerne...viele verschiedene Speisen.
  • Im Fernsehen schaue ich...fast nichts.
  • Meine Söhne sind...mein ganzer Stolz.
  • Shopping...ab und zu ein Paar Socken.
  • In den Urlaub gehe ich gerne nach...Tschechien.
  • Niemals würde ich...meine Zeit in der Mission missen wollen.
  • Im Sommer...bin ich froh, wenn es nicht so heiß ist.
  • Meine Frau...ist die beste Ehefrau von allen.
  • Meine Stärken sind...Offenheit und Freundlichkeit.
  • Nicht so gut kann ich...Sport treiben.


Lieber Udo, ich danke dir für das Gespräch