60 Jahre Posaunenchor

1958 haben wir angefangen, heute sind wir 60 Jahre alt!

1958 haben sich drei junge Männer - Günter Walter, Ernst Auracher und Eberhard Müller - darauf verständigt, dass sie in Kleinsachsenheim einen Posaunenchor gründen wollen – vor 60 Jahren fremd und ungewohnt in der Kirchengemeinde, zu laut und zu unbekannt, eher störend als wohltuend. Im Probenraum – heute das Pfarramtsbüro – wurde hin und wieder die
elektrische Sicherung herausgedreht, damit das Proben ein Ende nehmen musste. Widrige Umstände. In diesen 60 Jahren gab es einen sehr stabilen Stamm an treuen Bläsern – Ernst Auracher hat bis vor 10 Jahren mitgespielt und ist dem Chor immer noch verbunden - und an langjährigen treuen Dirigenten – Günter Walter, Erwin Majer, Martin Schwarz. Die Treue dieser Menschen hat den Chor in der Kirchengemeinde durchgetragen, so dass es überhaupt 60 Jahre werden konnten.

Und die Instrumente waren teuer: Finanzielle und ideelle Unterstützung kam vom Landesverband der Posaunenchöre in Person des Landesposaunenwarts Hermann Mühleisen, der den Kleinsachsenheimer Pionieren einen Kredit zum Kauf der ersten Instrumente verschaffte. Das letzte aktive Gründungsmitglied Ernst Auracher spielte bis zu seiner Verabschiedung vor 10 Jahren dieses erste kreditfinanzierte Instrument! In den Folgejahren sind jährlich Altmaterialsammlungen (Papier, Schrott, Kleidung) durchgeführt worden – mit Unterstützung des Dorfes als direkte Helfer oder Ausleihen von Wagen und Schlepper – der Posaunenchor hatte seine Unterstützung in Dorf und Kirchengemeinde gefunden! Zu dieser Zeit brachte dieses Altmaterial noch so viel Geld, dass sich der zeitliche und personelle Aufwand gelohnt hat. Der Erlös wurde zur Anschaffung von Noten und Instrumenten verwendet. Diesen Schatz pflegen und verwenden wir heute noch. Mit dem Wertverfall des Altpapiers wurden die Sammlungen eingestellt, die Kirchengemeinde gewährte in der Folgezeit Zuschüsse, damit die Kosten gedeckt werden konnten.

Aus den ersten drei Bläsern sind im Laufe der Jahre viele geworden. Wer mitspielen wollte, wurde von den aktiven Bläsern ausgebildet, weil ein gewisses Training schon dazu gehört, selbst wenn einer Noten lesen konnte. Irgendwann müssen auch Frauen/Mädchen zugelassen worden sein; in unserem Chor hatte Dorothe Walter 1976 den Bann des Männerchores gebrochen - da Posaunenchöre aus der Männerarbeit des Jugendwerks entstanden sind, waren Frauen ursprünglich nicht zugelassen.

Die meisten Bläser hatte der Chor nach 30 Jahren, er war auf 25 Bläser und Bläserinnen angewachsen und in dieser Zeit wurde auch mit den regelmäßigen jährlichen Schulungswochenenden angefangen. Verschiedene Tagungshäuser waren Ort der Bläserschulungen: Schorndorf Aichenbach, Stötten bei Geislingen an der Steige, Zaberfeld, Beilstein, Stutensee, Gomadingen mit Trainern aus dem Jugendwerk und aus unserem Chor selbst. Aktuell machen wir diese Schulungen gemeinsam mit dem Kleinglattbacher Posaunenchor in Hohebuch.

Ein Chor wächst, wenn aus den vielen Jungbläserausbildungen auch aktive Bläser werden und aktiv bleiben. Ein bisschen Statistik zeigt die hohe Fluktuation:
In 60 Jahren haben 139 Bläser im Chor aktiv mitgespielt, ausgebildet wurden erheblich mehr Menschen (darüber haben wir leider keine ausgewertete Statistik). Aus manchen Jungbläserkursen ist kein/e einzige/r aktive/r Bläser/in geworden! Und ein Chor schrumpft, wenn Bläser umziehen, einfach nicht mehr wollen, Nachwuchs nicht motiviert werden kann, … unsere jetzige Situation machte zunächst ein bisschen traurig – wir sind fünf Bläserinnen und Bläser:
Viktor Delesky, Dorothe Walter, Ulrich Hennige, Matthias Hennige und Elsbeth Majer; nur der Sopran ist doppelt besetzt, alle anderen Stimmen sind solistisch, keiner ist Dirigent, jede/r hat eine Funktion übernommen, damit der Chor noch sein kann.

Wir haben aber auch was Schönes/Neues entdeckt: Wir hören uns sehr gut gegenseitig und achten auf die Stimme des anderen, so dass aus unseren experimentellen Übungsstunden gelungene Ergebnisse werden. Wir setzen die Stücke zusammen, jede/r hört sich so gut selber, dass er/ sie sagen kann, wo er die Unterstützung der anderen braucht. Die Freiluftgottesdienste, Lieder spielen im Krankenhaus und Kleeblatt - Pflegeheim sind unser selbstverständlicher Dienst. Die Gottesdienste in der Kirche bedürfen größerer Vorbereitung und Abstimmung, deshalb machen wir so viel, wie wir musikalisch und zeitlich können. Wir werden mutiger, wenn es darum geht, Gottesdienste in der Kirche zu begleiten.

Und deswegen wollen wir frohen und dankbaren Mutes mit Ihnen die 60 Jahre des Posaunenchores begehen, feiern, bedenken und uns darauf freuen, was wir noch entdecken können. Weil wir nur zu fünft sind, haben wir kein eigenes Programm auf die Füße gestellt – stattdessen haben wir uns zum Jubiläum die LBQ – das Ludwigsburger Blechbläserquintett - gewünscht – und bekommen! Am Vorabend des Erntedankfestes werden sie ein Konzert in der Kirche in Kleinsachsenheim geben. Den Posaunenchor werden Sie am Erntedankfest wieder vor dem Pfarrhaus auf dem Weg vom Gottesdienst zum Mittagessen hören.

Der Kirchengemeinde danken wir ganz herzlich, dass sie uns zu unserem Jubiläum diesen Wunsch erfüllt und freuen uns, wenn Sie diesen musikalischen Genuss am Vorabend des Erntedankfestes mit uns teilen.

Elsbeth Majer
für den Posaunenchor