GlaubensWerkstatt

Gedanken über die Gebote Gottes an uns Menschen

Vielleicht habe Sie auch schon eine ähnliche Erfahrung gemacht. Sie glauben einen Bibeltext, eine biblische Aussage oder den Sinn einer biblischen Geschichte verstanden zu haben und plötzlich entdecken Sie eine noch tiefere Bedeutung in diesen Texten. Und selbst wenn man einen Bibeltext über den Kopf schon in großer Tiefe verstanden glaubt, so kann ein Text, eine Aussage oder eine Geschichte einen Menschen auf der Gefühlsebene plötzlich ganz neu berühren.

Ich war mir beispielsweise sicher, dass ich ganz gut verstanden hätte, dass die Gebote Gottes an uns Menschen, z. B die 10 Gebote, für unser Zusammenleben wichtig sind. Das war für mich selbstverständlich. Gleichzeitig schwirrte mir immer wieder im Kopf herum, dass ich als Christ neben dem Halten der Gebote am Besten noch in die Mission gehen müsste oder ein Hilfswerk gründen sollte. Man will ja alles richtig machen.

Diesen Sommer flog ich zusammen mit meiner Frau von einem Urlaub in Menorca zurück nach Stuttgart. Wir hatten einen Fensterplatz und klare Sicht. Unter uns die Poebene und die Alpen. Schöne Landschaft, aber auch viele viele kleine und größere Dörfer und Städte. Ich dachte mir: So ähnlich sieht vielleicht Gott herab auf unsere Welt. In tausenden Häusern leben zehntausende Menschen. Gott hat sicher nicht geplant, dass all diese Menschen Hilfswerke gründen oder in die Mission gehen. Aber er sieht die vielen menschlichen Gemeinschaften, die Höfe, die Weiler, die Dörfer und die Städte. Und Gott hat den Menschen seine Gebote geschenkt, damit sie Regeln hätten, die ihr Zusammenleben optimal regeln. Die Gebote sind nicht dafür gemacht, dass wir Menschen uns eingeschränkt fühlen sollen, sondern sie sind Geschenke, die uns ein Leben in Freiheit und Sicherheit ermöglichen sollen. Man kann das so lesen: Du sollst nicht töten. Man kann aber auch lesen: Keiner soll mich töten. Man kann lesen: Du sollt nicht lügen, man kann aber auch lesen: Keiner soll mich anlügen. Man kann lesen: Rede nicht negativ über andere Menschen hinter ihrem Rücken. Man kann aber auch lesen: Hinter meinem Rücken soll niemand negativ über mich reden. Man kann lesen: Du sollst anderen Menschen vergeben. Man kann aber auch lesen: Mir wird vergeben werden.

Mir ist in diesem Flugzeug klarer geworden, dass die Gebote Gottes ein Schatz sind, der, wenn er von uns gehoben wird, unser Leben unendlich schön machen kann. Wenn wir uns alle an diese Gebote halten würden, hätten wir fast den Himmel auf Erden.

Mir ist auch klarer geworden, dass ich als Christ vor allem die Aufgabe habe, zu versuchen, die Gebote Gottes in der Gemeinschaft in der ich lebe zu leben. Ich will versuchen Gottes Vorschläge für ein gelingendes Leben hier in Kleinsachsenheim so gut ich kann umzusetzen. Damit habe ich genug zu tun. Ich muss vermutlich kein Hilfswerk in der  3. Welt gründen, ich darf aber schauen, wie es meinem Nachbarn geht. Wahrscheinlich muss ich nicht an den Amazonas in die Mission gehen, ich darf aber vor unserem Nachbarn bekennen, dass ich zu Jesus Christus gehöre. Vielleicht muss ich nicht mein Leben als Märtyrer geben, ich darf aber von unserem Wohlstand etwas geben für die, die es brauchen.
Ich darf einfach versuchen in meiner kleinen Welt das umzusetzen, was Gott für unsere Gemeinschaften vorgesehen hat.

Gleichzeitig weiß ich natürlich, dass Gott immer wieder einzelne Menschen in die Mission beruft oder dass Gott Menschen erwählt, die Großes für ihn tun dürfen. Aber für die meisten unter uns gilt sicher: Lasst uns nach den Geboten in unserem Dorf leben. Wir werden dabei den Segen unseres Gottes erleben.

Jürgen Sinn