GlaubensWerkstatt

Wir begannen vor einiger Zeit im Gemeindebrief mit einer neuen Reihe. Sie heißt „GlaubensWerkstatt“ und soll ein Forum für die Gemeindeglieder sein. Sie können von Ihnen selbst verfasste Texte über Themen des Glaubens an das Gemeindebüro schicken, oder diese einem Redaktionsmitglied des Gemeindebriefes geben. Es kann ein Text über persönliche Glaubenserfahrungen, über eine Bibelstelle, die Ihnen wertvoll ist, über ein Thema aus der Kirchengeschichte oder über eine christliche Persönlichkeit........sein.
Schön wäre es, wenn Sie uns zu dem Text noch ein Foto von sich zur Verfügung stellen würden. Die veröffentlichten Texte entsprechen nicht in jedem Falle der Meinung der Redaktion.

Heute ein Text von Barbara De Coninck über das Thema „Gebet“.

In letzter Zeit habe ich mich immer wieder mit dem Thema Gebet beschäftigt. Besonders angesprochen hat mich der Gedanke, dass wir freien Zugang zu Gottes Thron haben und dass in Gottes Wort viele Verheißungen in Bezug auf das Gebet stehen.

Hier ein paar meiner Gedanken:
Im Jakobusbrief steht: Jakobus 5,16:  Viel vermag eines Gerechten Gebet in seiner Wirkung.
Da ist zum einen vom Gebet die Rede. Jeder von uns weiß, dass Gebet sehr wichtig ist, es ist ja Reden mit Gott. Trotzdem tun wir uns oft schwer damit, bei mir jedenfalls ist das so! Zum anderen ist hier von „einem Gerechten“ die Rede. Wer ist damit gemeint? Und wann ist  jemand gerecht? Gehöre ich dazu? Wird mein Gebet erhört?

Es geht hier nicht ums gerecht sein vor dem Gesetz oder wie gerecht wir mit unseren Mitmenschen umgehen! Es geht hier vielmehr um die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt! Unser Vers sagt: Sind wir gerecht vor Gott, dann hat unser Gebet viel Wirkung! Aber – sind wir gerecht vor Gott oder anders gefragt, wie werden wir gerecht vor Gott? Das schaffen wir niemals aus eigener Kraft oder Anstrengung. Gottes Gerechtigkeit ist ganz anders als unsere weltliche Gerechtigkeit! Bei Gott ist es so, dass er für unsere Schuld bezahlt hat!

Jesus, der für uns ans Kreuz gegangen ist, hat für uns diese Gerechtigkeit teuer erkauft, mit seinem Blut, durch seinen stellvertretenden Tod! Er hat alle unsere Sünden, unsere Unzulänglichkeiten, unser Versagen auf sich genommen, damit wir gerecht vor Gott stehen können! Und das ist nicht nur bildlich gemeint, es ist eine geistliche Wahrheit, dass uns Jesus den Weg frei gemacht hat zum Thron Gottes – wir haben direkten Zugang zu Gott!

Im Hebräerbrief Kap.4 Vers 16 heißt es: „Darum lasst uns mit Freimut zum Thron der Gnade kommen, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zur rechtzeitigen Hilfe.“ D.h., wenn Jesus uns gerecht gemacht hat vor Gott, sind wir von Gott angenommen -  sogar als seine Kinder. Dadurch können wir frei von jeglicher Angst direkt zum Thron Gottes kommen, wo wir Barmherzigkeit und Gnade empfangen können.

Um wieder auf unseren Ausgangsvers aus Jakobus zu kommen: Wir können mit unseren Gebeten ohne Angst, ohne besondere Rituale oder Anstrengungen vor Gott kommen. Wir brauchen dafür keine besondere Sprache oder Fähigkeiten – weil wir die Gerechten Gottes sind.

In Hebr 4,16 heißt es ja, dass wir Gnade finden zur rechtzeitigen Hilfe. Ich denke einige von uns haben es in schwierigen Situationen schon erlebt, dass sie und/oder Geschwister für sie gebetet haben und sie Hilfe erfahren durften. So sehr liebt uns Gott!

In einem Buch, das wir gerade in unserem Hauskreis lesen, vergleicht der Autor Timothy Keller das Christentum mit den anderen Religionen und stellt fest: Beim Christentum geht es um eine Liebesbeziehung zwischen Gott und Mensch. In einer Liebesbeziehung geht man auf den anderen ein, man ändert sich, wenigstens z.T., für den anderen, will dem anderen dienen, ist zu Opfern bereit! Und genau das hat Gott für uns getan! Ich zitiere aus „Warum Gott?“ von T. Keller: „Er hat sich uns angepasst, uns gedient und das auf radikalst mögliche Art: Durch seine Menschwerdung und seinen Sühnetod am Kreuz. In Jesus Christus wurde er ein Mensch - ein Mensch, der litt und starb. Am Kreuz nahm er unsere Situation als Sünder auf sich und starb an unserer Stelle, damit wir Vergebung bekommen können. In Christus hat Gott uns so tief gesagt, wie es nur möglich ist: Ich gehe auf dich ein, ich ändere mich für dich. Ich will dir dienen, auch, wenn es für mich Opfer bedeutet.“ Soweit Timothy Keller.

Wir haben Gerechtigkeit vor Gott erlangt, aber nicht durch unser eigenes Bemühen – Gottes Liebe hat sie uns geschenkt! Das ist Gnade! D.h. für uns: Wir dürfen Gott alles sagen, wie bei einem Menschen, den wir lieben. Gott hat immer ein offenes Ohr für uns! Womit wir wieder beim Thema Gebet sind und unserem Ausgangsvers: Viel vermag eines Gerechten Gebet in seiner Wirkung. Was für eine tolle Verheißung!

Fazit: Wir dürfen vor den Gnadenthron Gottes kommen, ohne Anstrengung, ohne Angst, mit Freimut, wie es in Hebr. 4,16 heißt. Wir haben freien Zugang zu Gott! Wir können jederzeit in den Thronsaal vor Gottes Thron kommen. Und weil unser Vers aus Jakobus sagt, dass wir als Gerechte vor Gott mit unserem Gebet viel bewirken können, wissen wir: Unsere Gebete gehen nicht nur bis zur Zimmerdecke und bleiben dort ungehört hängen, sondern sie kommen direkt vor Gottes Thron, weil Jesus zur rechten Seite Gottes sitzt und für uns eintritt!

Mir ist es ein Anliegen, Gebet nicht einfach als „christliche Pflichtübung“ zu sehen, sondern als ein Privileg!

Barbara De Coninck