Traube am Weinstock - Interview mit Ingrid Müller

Fr. Müller

Diesen Titel "Traube am Weinstock " trägt eine neue Serie im Gemeindebrief. In Interviews, die Jürgen Sinn mit Gemeindegliedern führt, wird deutlich, wie Menschen unter uns die Kirchengemeinde erleben und was sie mit ihr verbinden. Den Auftakt bildet  ein Gespräch mit der scheidenden Pfarramtssekretärin Ingrid Müller.

Liebe Ingrid, danke, dass du dich zu einem Interview bereit erklärt hast. Du hast ja lange Zeit als Gemeindesekretärin gearbeitet. Wann hast du damit begonnen und wie kam es dazu? Ich bin gelernte Bankkauffrau und habe viele Jahre bei Wüstenrot gearbeitet. Meinen Beruf gab ich mit der Geburt der beiden Kinder auf, um diese zu betreuen. Nach 17 Jahren habe ich mir im Herbst des Jahres 2000 wieder eine Arbeitsstelle gesucht. Ich dachte eigentlich an eine Arbeit in der „Wirtschaft“. Zu der Zeit hatte ich gerade einen Alphakurs gemacht, durch den ich zu einem vertieften Glauben gefunden habe. Ich wäre aber selbst  nicht auf die Idee gekommen, mich für das Gemeindeamt zu bewerben. Eine Person, die nicht wusste, dass ich auf Stellensuche war, sprach mich an: „Du Ingrid, das wäre doch was für dich“. Der damalige Pfarrer Johannes Kiuntke hatte im Betakreis darum gebeten, dass alle dafür beten sollen, dass sich noch Personen für die Stelle der Pfarramtssekretärin bewerben. So habe ich überhaupt von der Stellensuche erfahren. Kurz und gut: Ich bekam die Stelle. Für mich war dies eine Führung Gottes. Er kannte meine Gaben und hat mich an diese Stelle gebracht.

Am Ende des Jahres hörst du auf und gehst in den Ruhestand. So ein Ruhestand beinhaltet ja oft ein weinendes und ein lachendes Auge. Wie ist das bei dir so?

Das weinende Auge: Ich habe meine Arbeit immer gerne gemacht. Es war der richtige Platz für mich, ich konnte meine Gaben gut einbringen. Ich kannte auch schon viele Menschen vom Sportverein und das erleichterte es mir, Kontakte herzustellen. Es hilft oft, viele Personen zu kennen, es kann aber auch belasten, zu allen Zeiten die Frau Müller von Pfarramt und TSV zu sein und auch bei nicht passenden Gelegenheiten angesprochen zu werden.

Das lachende Auge: Ich habe jetzt mehr Zeit für meinen Garten. Auch meine Familiensituation erfordert mehr Zeit. In Zukunft werde ich einfach den Platz im Gemeindebüro wechseln. An meinem Schreibtisch sitzt dann jemand anderes und ich stehe mit meinen Anliegen hinter dem Tresen. Ich gehe aber der Gemeinde nicht verloren und werde gerne noch ehrenamtliche Aufgaben wahrnehmen.

Unter wie vielen Pfarrern hast du gearbeitet und wie ging es dir dabei?

Pfarrer Kiuntke hat mich im Februar 2001 angestellt und nach seinem Stellenwechsel 2007 war die Gemeinde zwei Jahre vakant. Zunächst übernahm Pfarrerin Gratz die pfarramtliche Vertretung, dann kam Pfarrer z.A. Dömland für ein halbes Jahr und danach für ein Jahr Pfarrer Essig. Seit Oktober 2009 arbeitete ich mit Pfarrer Wenzke zusammen und ich kann nur sagen, dass ich mit den Pfarrern Kiuntke und Wenzke das große Los gezogen habe. Die Zusammenarbeit war immer konstruktiv, wertschätzend und jeder konnte sich auf den anderen verlassen. Sie auch als Familienväter zu erleben, war eine schöne Erfahrung.

Wie bist du zum Glauben gekommen?

Ich war früher eher eine traditionelle Christin. Im Frühjahr 2000 hat dann mein Mann Eberhard an einem Alphakurs teilgenommen. Dies ist ein Glaubenskurs, der seit vielen Jahren in unserer Gemeinde stattfindet. An einem Abend konnte Eberhard nicht und bat mich, für ihn hin zu gehen. Ich habe es meinem Mann zuliebe getan und blieb dann auch dabei. Am Alpha- Wochenende ist dann viel mit mir passiert. Ich habe mich von Gott angesprochen gefühlt und seit der Zeit habe ich begonnen, meinen Glauben zu leben. Gott sei Dank bin ich auch noch dazu gekommen. So konnte ich mit meinem Mann zusammen auf dem Weg des Glaubens gehen.  Das Feuer, das der Alphakurs in mir entfacht hatte, hat uns gut getan. Es kam auch das Bedürfnis dazu, anderen Menschen vom Glauben zu erzählen - vor allem, wenn Anfragen zum Alphakurs kamen und ich meine Erfahrungen weitergeben konnte. So gesehen, war mein Dienst auch ein missionarischer Dienst.

Was gefällt dir an unserer Gemeinde?

Durch den Alphakurs ist Glaubensverbundenheit mit anderen Christen entstanden. Beim Gemeindemittagessen oder beim Kirchencafé trifft man auf andere Christen, mit denen man oft gute Gespräche führen kann. Ich fühle mich in der Gemeinde sehr wohl.

Was gefällt dir besonders an unseren Gottesdiensten?

Mein Mann und ich gehen gerne zum Gottesdienst. Er gehört zum Sonntag dazu. Ich mag die Abwechslung und die Vielfältigkeit. Bei mir darf ein Gottesdienst auch mal lebhafter sein. Ich liebe die alten Lieder, aber auch Lobpreislieder von der Combo gespielt. Auch die Predigt ist mir wichtig und es ist gut, nicht immer der gleichen Person, sondern auch mal anderen Pfarrern oder Prädikanten zuzuhören. Mir gefällt auch, wenn sich ein Prediger mal selbstkritisch äußert und sich nicht als das vollkommene Vorbild darstellt. Natürlich freue ich mich auch  auf besondere Gottesdienste wie Konfirmation, Taufe oder Lobpreisabende.

Gehst du manchmal auch in andere Gemeinden?

Nein. Ich habe hier alles was ich brauche, außer im Urlaub, da müssen wir zwangsläufig „fremd“ gehen.

Was ist nach deiner Ansicht das Besondere an unserem christlichen Glauben?

Ich glaube an Gott und ich kann zu ihm sprechen wie zu einem Vater. Er führt und begleitet mich. Dafür bin ich sehr dankbar.

Erzähle uns von deinen Hobbys!
Mein Hobby ist der Garten. Das habe ich schon in die Wiege gelegt bekommen. Meine Eltern kamen aus der Landwirtschaft. Ich liebe alles was dazu gehört. Aussaat, Unkraut jäten, ernten.... Alle Arbeiten gehören dazu. Bei mir gibt es alle Arten von Gemüse (Zwiebeln, Kartoffeln, Bohnen, Salat, Kohlrabi usw.) und das Obst ernte ich auf einem Stückle im Nachbarort. Über Himbeeren im Juni bis zu Zwetschgen und Quitten im Herbst gibt es viele Obstsorten, die ich dann verarbeite. Ehrenamtlich kümmere ich mich auch um den Gemeindehaus- und
Kirchgarten. Wenn die Natur Pause macht, nütze ich diese Zeit und wir fliegen in die USA zu unserem Sohn mit Familie, damit seine Zwillinge auch mal was von den Großeltern und der Tante (unsere Tochter) haben. Außerdem liebe ich Bewegung.  Ich jogge und mache Stepp-Aerobic. Auch auf dem Rad oder beim Wandern fühle ich mich wohl.

Hast du noch Träume?
Ich habe keine Reiseträume. Ich möchte so viel wie möglich Zeit mit unseren Enkeln verbringen. Leider leben die derzeit in den USA.

Liebe Ingrid, könntest du bitte noch folgende Satzanfänge vervollständigen.

  • Mein Lieblingsessen ist... Reisbrei mit Kirschkompott.
  • Mein Mann kann vor allem gut... auf Leute zugehen. Er arbeitet im Besuchsdienst.
  • Weihnachten ist... das Fest der Familie.
  • Fasten... habe ich bisher noch nie gemacht.
  • Im Urlaub gehe ich am liebsten... an die Ostsee.
  • Kleinsachsenheim ist... meine zweite Heimat geworden. Aufgewachsen bin ich in Metterzimmern. Es interessiert mich immer noch, was dort geschieht.
  • Die heutige Jugend... muss mit anderen Anforderungen klarkommen. Sie haben weniger Freiheiten als wir sie hatten. Schade ist, dass sie sich oft ungern festlegen, ob sie einen Termin wahrnehmen oder eine Aufgabe übernehmen. Das passiert lieber ganz kurzfristig.
  • Früh aufstehen ist für mich... eine Herausforderung.
  • Zu einem ordentlichen Frühstück gehören für mich... Müsli, Marmeladenbrot und Kaffee.
  • Wenn ich noch einen Tag zu leben hätte würde ich... noch einmal die Natur genießen.


Vielen Dank für unser Gespräch.

Ingrid Müller und Jürgen Sinn