Der KGR und ich ....

© B. Scheuermann

So ganz glaube ich es noch nicht, dass ich es jetzt wirklich schreiben kann. Und genau genommen trifft es in dem Moment, in dem ich nun gerade an diesem Artikel arbeite, auch noch nicht ganz zu. Aber wenn Sie diese Zeilen lesen, dann wird es so sein: SIE IST FERTIG! Unsere Kirche ist fertig. Nach fast neun Monaten ist sie endlich fertig.

Da sitze ich nun und soll all das irgendwie in einem Artikel zusammenfassen. Ich nehme es gleich vorweg, es wird mir nicht gelingen. Aber ich beginne einfach vorne, denn einen langen Weg beginnt man am besten am Anfang.

Es war der 02. Januar. Das neue Jahr war wirklich noch ganz neu. Viele fleißige Helfer standen parat um die Kirche auszuräumen, Kisten zu packen, die Bänke auszubauen. Ein älterer Helfer sagte später über diesen Tag: „ ...Es war ein Fest...“ und ja, das war es wirklich! Dieser Tag steckte so voller Tatendrang, so voller Energie, so voller Aufbruchstimmung, so voller fröhlicher Erwartung. Das Miteinander von Jung und Alt, die sich gemeinsam auf den Weg machten und ein gemeinsames Ziel hatten. Spätestens an diesem Tag war mir klar, dass unsere Gemeinde genau die richtige ist um diese große Projekt anzupacken.

In den kommenden Wochen bauten wir dann erst einmal rückwärts. Sehr viel rückwärts. Tonnen von Bauschutt wurden aus der Kirche abtransportiert, weil Putz abgeschlagen, Boden abgetragen, Schlitze geklopft, ein Lüftungskanal gegraben wurde. Manch einem kamen ob des trostlosen Anblicks Zweifel, ob es jemals zu schaffen sei, dass die Kirche wieder schön werde. Und auch wenn es auf den ersten Blick nicht so schien, auch in dieser Phase konnte man von Samstag zu Samstag einen deutlichen Baufortschritt sehen. Und jeder, der mehr als diesen ersten Blick riskierte, musste spüren, dass unsere Kirche trotz den Abrissarbeiten, die ja auch etwas destruktives haben können, immer mit Leben gefüllt war, mit fröhlichen Menschen, mit positiver Stimmung, mit dem Geist der Erneuerung.

Alles aufzuführen, was geschafft wurde, würde Stoff für die nächsten drei Gemeindebriefe liefern, deshalb nur in groben Zügen. Ein spannendes Erlebnis war der Aushub des Lüftungskanals, der von einem Archäologen begleitet werden musste, bevor wir dann den neuen Kanal inkl. Stahlarmierung komplett in Eigenleistung betonieren konnten. Ebenfalls noch in den Wintermonaten begannen die ersten Installationsarbeiten, Sanitär, Heizung und Elektro, die Trennwände für WC und Küche nahmen Gestalt an, auf der Empore wurden die Podeste für eine bessere Sicht nach unten teilweise erhöht.

Im März kam dann nicht nur das Gerüst, so dass die Arbeiten an den Wänden und Decken weiter gehen konnten, sondern auch Corona. Glücklicherweise gab es für das Bauhandwerk keine Einschränkungen, so dass die Handwerker unbeeinträchtigt weiter arbeiten konnten. Unsere Arbeitseinsätze mussten allerdings manchmal etwas darunter leiden, da nicht mehr so viele Personen gleichzeitig auf der Baustelle sein konnten. Allerdings gab es in und um die Kirche meistens genug unterschiedliche Aufgaben, so dass man sich nicht auf den Füßen stehen musste, manches wurde in kleineren Schritte über die Woche hin erledigt, so dass es auch hier kontinuierlich weiter voran gehen konnte. Während die Verputz- und Anstricharbeiten der Wände von einem Stuckateur durchgeführt wurden, demontierten wir die Holzdecken selbst. Ebenso wie wir anschließend die Deckenflächen dämmten, mit Gipskarton verkleideten und tapezierten.

Ein großes Etappenziel war der Abbau des Raumgerüsts Ende Mai. Ein wirklich erhebendes Gefühl, endlich den neuen Kirchenraum in seiner Schönheit und Weite zu sehen, die Wirkung der neuen Oberflächen und Farben zu erleben. Außerdem war dies ein wichtiger Schritt, um endlich mit den Arbeiten am Fußboden zu beginnen. Wir verlagerten unsere Arbeiten deshalb auf die Empore, wo wir in unzähligen Stunden den Holzboden abschliffen. Und weil das mit dem Schleifen gerade so gut lief, machten wir an den Bänken dann direkt weiter. Auch wenn der eine oder andere zwischenzeitlich nachts von Schleifpapier träumte, diese Mühe hat sich gelohnt. Mit etwas Farbe und Lack sehen Boden und Bänke fast aus wie neu!

Zum Finale ging es dann ab Ende Juli, als Medientechnik, Lautsprecher, Lampen, Trennwände, Heizkörper, Türen, Möbel und die Teeküche montiert, Fliesen verlegt, der Boden versiegelt und endlich, endlich die Kirchturmglocken wieder in Betrieb genommen werden konnten. Der Endspurt verlangt von uns noch einmal vollen Einsatz, unzählige Kleinigkeiten wollten noch erledigt werden, hier eine Leiste, dort eine Pinselstrich, Montieren der Bänke, Ausbesserungen und die Erneuerung der Außentreppen, um auch an dieser Stelle barrierefrei zu werden, und natürlich putzen, immer wieder putzen.

Ich kann es kaum mit mir vereinbaren, das alles in so kurzen Sätzen zusammenzufassen. Dieser Text wird nicht annähernd dem gerecht, was in unserer Kirche in den letzten Monaten geleistet wurde. All die großen und kleinen Arbeiten, die niemand mehr sieht, aber die maßgeblich für das Ergebnis sind. All die vielen Entscheidungen, das Ringen und Suchen nach Lösungen, das Verwerfen von Plänen und Reagieren auf Herausforderungen. All die Details, die ich nicht aufzählen konnte, die aber wesentlich zum Gesamtbild beitragen. All der Schweiß, das Herzblut und vielleicht auch manche Träne, die in dieser Zeit geflossen sind. All die unfassbar vielen ehrenamtlichen Stunden die die Helfer investiert haben. Und doch ist all dies am Ende nur der kleiner Teil von dem, was sich in unserer Kirche getan hat. Vielleicht klingt es vermessen zu sagen, dass es vielleicht sogar der unbedeutendere ist. Aber ich möchte es genau so sagen. Nicht weil ich nicht vom Ergebnis begeistern bin! (Die Tränen waren glücklicherweise meist Freudentränen ;) ) Wir haben gebaut, geschafft. Haben aus dem in die Jahre gekommenen Kirchenraum ein wahres Schmuckstück gemacht, einen Raum geschaffen, der uns ein bisschen von der Herrlichkeit Gottes ahnen lässt. Ein Raum, der so viel Weite und Ruhe ausstrahlt und so viel Geborgenheit und Heimat schenkt. Es ist nur schwer in Worte zu fassen, wenn man es noch nicht selbst gesehen, gespürt hat.

Aber es ist etwas anderes, das mein Herz wirklich berührt. Es ist das, was zwischen den Menschen, was in diesem Raum passiert ist, die vielen Begegnungen, die Gespräche. Das miteinander Arbeiten, auf ein gemeinsames Ziel hin, das so viel Einheit schenkt, ob mit oder ohne große Worte. Die Verbundenheit, das Vertrauen, das gewachsen ist. Das unterwegs sein, das sich gegenseitig unterstützen. Neues zu lernen, sich herausfordern zu lassen, an seine Grenzen zu gehen. Menschen und ihre Begabungen zu entdecken, seine Perspektiven verändern zu lassen, Herausforderungen zu meistern, Geduld zu üben, zu ermutigen und ermutigt zu werden, Erfolge zusammen feiern und natürlich gemeinsam zu lachen. Von jung bis alt. Das ist Gemeinde!

Ich habe das so ähnlich schon an anderer Stelle beschrieben. Aber es ist mir wichtig, es noch einmal aufzugreifen. Das zu erleben, Teil davon sein zu dürfen, hat mich immer wieder neu motiviert meine Zeit zu investieren. Was für ein Geschenk dieses selbstlose Miteinander zu erfahren, zu wissen, dass man so ein großes, einsatzbereites Team im Rücken hat, auf das man jederzeit zählen konnte. Wir haben gerufen und es war immer jemand da, der mit angepackt hat. Und (so hoffe ich zumindest) nicht aus Pflichtgefühl, sondern weil diese Renovierung, weil unsere Kirche, zu einem Teil von jedem wurde, der mit dabei war. Weil wir sie in Besitz genommen haben, weil wir sie zu unserem eigenen gemacht haben, weil sie uns Heimat wurde und weil sie uns in Besitz genommen hat. Weil es Geschenk war, Teil dieser Gemeinschaft, dieses Projektes zu sein. Weil wir neun Monate lang Gottes-Dienst gefeiert haben. Ganz praktisch, mit unseren Händen. Weil Gott in diesem, seinem Haus wohnt und immer gewohnt hat. Auch wenn es mal laut und staubig wurde.

Ich werde meine Kirche für immer mit anderen Augen, mit anderem Herzen sehen. Ich hoffe und bete, dass es jedem anderen Helfer genauso geht. Dass Jeder und Jede ein persönliches Erlebnis, eine wertvolle Erfahrung, eine innere „Belohnung“, eine eigene Begegnung mit Gott mitnehmen kann. Dass alle, wie ich, sagen können, dass sie mehr Segen bekommen, als sie Energie investiert haben. Das wir mitnehmen dürfen, dass es beim Bauen auf jeden Einzelnen ankommt. Das jeder Einzelne gebraucht wird, es für jeden eine Aufgabe gibt. Die vielen kleinen Stücke, die zusammen etwas Großartiges ergeben. Die vielen Hände, die ganz Unterschiedliches mitbringen und nur gemeinsam zum Ziel kommen. Ich hoffe Sie sehen, wie diese Renovierung ein Sinnbild für Gemeinde, für Reich Gottes bauen ist. ;)

Und natürlich ist mein großer Wunsch, dass auch all diejenigen, die nicht praktisch mit anpacken konnten, ebenso ein Stück davon erfahren werden, dass sie an diesem Schatz teilhaben können. Dass sie spüren dürfen, mit wie viel Herz und Hingabe gearbeitet wurde, um der Gemeinde, um Gott einen würdigen Ort für den Gottesdienst zu schaffen. Dass erkennbar wird, dass es unser großes Ziel war, dass diese Kirche allen Generationen gerecht wird. Und natürlich, dass unsere Kirche immer dieser Begegnungsort bleiben wird. Für Begegnungen mit Menschen und mit Gott.

Und dann, war er da. Der 13. September. Die Konfirmationen waren die ersten Gottesdienste, die in der fertigen Kirche gefeiert werden konnte. Schön, dass unser „Gemeindebauprojekt“ damit abgeschlossen wurde, dass unsere Konfis ihren Schritt in die Gemeinde gewagt haben. Es soll ein Zeichen dafür sein, dass unsere Kirche immer mehr zu diesem Ort wird, an dem Menschen Gottes Nähe finden, Schritte auf ihn zu gehen können.

Was die Freude allerdings etwas trübt, ist die Tatsache, dass wir vorerst keinen würdigen Einweihungsgottesdienst feiern können. Wir laden Sie aber herzlich ein, am 04. Oktober zur Kirchenbesichtigung zu kommen. Wir werden von 14.00-18.00 Uhr in kleinen Gruppen einen Rundgang durch die Kirche machen, Ihnen alles zeigen und Fragen beantworten. Bitte bringen Sie etwas Zeit mit, falls es zu kurzen Wartezeiten kommen sollte, wenn zu viele Besucher gleichzeitig da sind.

Bei den regulären Gottesdiensten werden entsprechend dem derzeit geltenden Hygienekonzept ca. 85 Plätze zur Verfügung stehen. Allerdings werden die Predigten ab Ende September zeitgleich zum Gottesdienst direkt aus der Kirche auf unserem Youtube-Kanal übertragen, so dass Sie auch von zuhause aus dabei sein können.

Da wir gerade bei den Infos sind, möchte ich Sie auch noch darauf hinweisen, dass ab Oktober die Gottesdienste auf Grund des Doppeldienstes in Großsachsenheim, erst um 10.30 Uhr beginnen werden.

Und zum Schluss bleibt mir nur zu sagen, wie unfassbar dankbar, wie überwältigt und begeistert ich bin! Am Anfang war da hoffnungsvolle Erwartung, Tatendrang, und am Ende ist es einfach nur noch unglaubliche Freude! Und dann irgendwie doch wieder Erwartungen. Erwartung und Hoffnung, dass dieser Raum, unser Kirche, nicht nur im Gottesdienst lebendig ist, sondern dass wir die neuen Möglichkeiten, die sich uns nun bieten, in vollen Zügen ausnutzen und genießen! So oft wie möglich.

Auch wenn Worte nicht ausreichend sind, DANKE an alle, die diesen weiten Weg mitgegangen sind und unterstützt haben! Danke an meinen Bruder, der das alles maßgeblich in seiner Hand hatte, ohne den wir nicht da wären, wo wir sind. Du bist der Hammer! ;)

Herzliche Grüße aus dem Kirchengemeinderat,
Binia Scheuermann