Der KGR und ich ....

© B. Scheuermann

Gleich vorweg, auch in diesem Artikel werde ich Ihnen nur von einer Sitzung berichten können, da ich bei der Juni-Sitzung leider verhindert war. Aber keine Sorge, ich werde meine Seite trotzdem ohne Problem füllen.

Jung und alt, definitiv eine treffende Beschreibung unserer Gemeinde. Und darüber freuen wir uns sehr! Aber auch bei der letzten Sitzung haben wir uns mit ganz jungen und seeehr alten Projekten beschäftigt. Eines dieser ganz frisch geschlüften (besser gesagt gedruckten) halten Sie gerade in der Hand. Ich nehme an, Sie waren etwas überrascht?! Der Gemeindebrief in einem komplett neuen Outfit. Neues Format und irgendwie sieht alles ein bisschen anders aus. Die Dinge ändern sich, Menschen kommen und gehen. Nach vielen Jahren gibt Regine Dagenbach die ehrenamtlich Gestaltung des Gemeindebriefs ab. Sie hat Ausgabe für Ausgabe treu dafür gesorgt, dass alles sein Plätzchen gefunden hat, sie jonglierte Texte und Bilder, so dass wir alle zwei Monate gut informiert waren. „Liebe Regine, vielen Dank für all die Zeit, Arbeit und das Herzblut, das du all die Jahre investiert hast!!!“ Auf Grund beruflicher Veränderung fehlt ihr nun leider die Zeit, diesen Dienst weiterhin zu tun. Aber wo sich ein Türchen schließt, öffnet sich ein Neues! Wir sind sehr froh, dass wir mit Herrn Mayorga, noch bevor wir so richtig angefangen haben zu suchen, gleich jemanden gefunden haben, der diese Lücke schließen kann. Als Grafiker bringt er zu dem auch noch die besten Vorraussetzungen mit, so dass wir diesen personellen Wechsel auch für einen optischen Wechsel nutzen konnten. Manches wird sicher noch etwas ungewohnt sein, aber ein bisschen frischer Wind hat ja schließlich noch nie geschadet. Und Sie wissen ja, dass ich Veränderungen mag, sie halten uns in Bewegung. :) Wir werden da in den nächsten Monaten sicher noch das ein oder andere ausprobieren, also lassen Sie sich überraschen und seien sie gnädig, wenn manches noch nicht gleich seine endgültige Form finden wird.

Etwas, das auch immer in Bewegung blieb, ist unsere Kinderkirche. Und das schon seit unglaublichen 110 Jahren. So lange gibt es in unserer Gemeinde schon regelmäßig Kindergottesdienste. Ununterbrochen. Es macht schon ein wenig demütig, wenn man auf so eine lange Geschichte und so viel Treue zurückblicken kann. Das ist ein ganz besonderer Segen und wir haben entschieden dieses Jubiläum gemeinsam mit dem 60. Posaunenchorgeburtstag am Gemeindefest feiern.

Und nun möchte ich noch ein paar Zeilen nutzen um einige Gedanken zum Leitbild mit Ihnen zu teilen, die mir in den letzten Wochen durch den Kopf geschwirrt sind. Auf der Gemeindefreizeit hat Matthias Bredemeier eine Andacht zu der Passage „Wir gehen in all unserer Unterschiedlichkeit respektvoll, offen und ehrlich miteinander um. … “

Einer seiner Punkte war, dass wir anderen Menschen, und Situationen, oft mit Voruteilen begegnen. Aber auch, dass dies gar nicht per se schlecht sein muss. „Vorurteil“ ist in unserem Sprachgebrauch sehr negativ belegt, aber bei genauerer Betrachtung kann ein VOR-Urteil sehr hilfreich sein. Es gibt uns die Möglichkeit Dinge, zB. auf Grund von Erfahrungen, schnell zu kategorisieren und entsprechen darauf zu reagieren. Aber (natürlich muss hier ein „aber“ kommen) die Gefahr ist, dass wir bei diesem Vorurteil bleiben. In eine Schublade, fertig! Das darf jedochnicht sein. Das wurde mir sehr deutlich, als ich diese Gedanken einmal aus feuerwehrtaktischer Sicht betrachtet habe. Etwas verwirrender Gedankensprung vielleicht, aber ich habe
vor Kurzem an einem Führungslehrgang für die Freiwillge Feuerwehr teilgenommen. Das war auch der Grund warum ich bei der letzten Sitzung verhindert war, nur um auch diesen Bogen zu schließen. Bei dieser Ausbildung ging es viel um Einsatztaktik und das Treffen von Entscheidungen in Gefahrenund Notsituationen. Ein wichtiges Instrument hierfür ist die Erkundung der Lage, die in vier Schritten erfolgt. Und nun kommen wir wieder zum Vorurteil. Die erste Phase einer Erkundung beginnt mit der Frontalansicht, quasi dem ersten Eindruck. Der Vorbe)urteilung der Situation. Es hilft mir, ein erstes grobes Bild zu gewinnen. Wenn ich aber bei diesem Schritt bleibe, werde ich nur in den seltensten Fällen eine umfassende Entscheidung treffen können. Sicher, es gibt offensichtliches, man liegt mit dem esrten Eindruck oft nicht falsch. Das ist auch bei Vorurteilen gegenüber Menschen so. Mit wachsender Lebenserfahrung und Menschenkenntnis, ist die Trefferquote auch zunehmend höher. Aber es besteht hier IMMER die Gefahr (wichtige und entscheidende) Dinge zu übersehen. Bei Menschen, sowie im Feuerwehreinsatz. Bei der Feuerwehr folgt nun eine Befragung, eine Detailansicht und eine Komplettansicht. Ich bin zunehmend von dem Gedanken begeistert, dieses  Schema auch auf Zwischenmenschliches anzuzwenden.

Es ist in Ordnung sich ein Vorurteil zu bilden, oder zu haben. Aber dann muss eine „Befragung“ folgen, ich muss mich mit diesem Menschen befassen, ich muss ihm Fragen stellen, ihn kennen lernen. Ich kann mir ohne diesen Schritt keine fundierte Meinung über jemanden bilden. Es bleibt bei Vermutungen, Vorberuteilungen, die wahrscheinlich allzu oft nicht zu sienen Gunsten ausfallen. Deshalb macht es Sinn, mir manche Dinge genauer anzusehen. Die Detailansicht, der Blick hinter die Kulisse, die Kleinigekeiten, die man auf der ersten Blick gar nicht alle wahrnehmen kann. Informationen die helfen, besser zu verstehen und zu beurteilen, die mein Bild vervollständigen. Und zum Schluss schadet es nie, auch mal einen Schritt zurück zu machen, die Dinge, den Menschen mit etwas Abstand zu betrachten, das große Ganze zu sehen. Manchmal erschließen sich so noch Zusammenhänge, die man auf den ersten Blick gar nicht sehen konnte, aber für das Zusammenspiel, das Verstehen elementar sind.. Wenn ich bei meinem ersten Eindruck, dem Vorurteil, der Frontalansicht bleibe, werde ich weder Menschen noch Situationen gerecht. Im Alltag nicht, bei der Feuerwehr nicht. So viel zeit muss sein. Am Ende wird es sich auszahlen!

Ich wünsche mir, dass es mir zunehmend gelingt, alle Aspekte im Blick zu haben, denn das öffnet meinen Horizont und hilft mir anderen Menschen respektvoll und offen gegenüber zu treten. Und das wünsche ich auch Ihnen und uns als Gemeinde!

Dieses Mal nicht nur Grüße aus dem KGR,
Binia Scheuermann