Der KGR und ich ....

© B. Scheuermann

Dieses Mal wieder ein Artikel von mir. Sie verzeihen mir hoffentlich, dass es im letzten Gemeindebrief nichts von mir zu lesen gab. Aber manchmal gibt es einfach nicht so viel zu berichten  und dann ist es vielleicht auch nicht verkehrt, einfach mal nichts zu sagen, statt viele leere Worte zu machen.

Allerdings gibt es für mich auch dieses Mal nicht so richtig viele Themen, über die ich schreiben kann. Das liegt allerdings nicht daran, dass wir in den letzten Wochen untätig waren, oder dass in unserer Gemeinde nichts los war. Im Gegenteil! Es ist viel passiert, es gab und gibt einige wichtige und spannende Veränderungen. Die alle in diesen Artikel zu packen, würde den Rahmen sprengen. Deshalb finden Sie zum Beispiel zu den Themen „Stand der Architektenbeauftragung zur Kirchenrenovierung“, „Personalveränderungen im Pfarramt, der Kirchenpflege und im Kindergarten“, „Rückblick auf das Gemeindefest“ gesonderte Artikel, in denen Sie alle gebündelt alle Informationen bekommen.

Deshalb habe ich hier nun die Chance, Ihnen etwas ausführlicher von unserem KGR-Wochenende Ende September zu berichten. Wir waren traditionell (das kann man mittlerweile schon so sagen) wieder in der Heimvolkshochschule Hohebuch. Hinter dem etwas sperrigen Namen verbirgt sich ein Seminar- und Tagungshaus in der Nähe von Schwäbisch Hall. Schon bei unserem ersten Besuch dort fühlten wir uns in der angenehmen, offenen Atmosphäre des Hauses wohl. Das leckere Essen tat dann sein Übriges. Wir entschieden uns, nicht jedes Jahr auf die Suche nach einem neuen Tagungsort zu gehen.

Am Freitagabend beschäftigte  uns die reguläre September -Sitzung, mit allen Themen, die sich über die Sommerferien gesammelt hatten. Neben kleineren und größeren organisatorischen Dingen, dem Fortschreiben des Opferplans und Liturgendienstes, standen eben Themen wie Kirchenrenovierung, Stellenbesetzungen, Gemeindefest, … auf der Tagesordnung. Außerdem gab es eine große Austauschrunde über die Neugestaltung des Gemeindebriefs. Sie halten jetzt schon die dritte Ausgabe im neuen Design in der Hand. Vielleicht haben Sie sich auch über das ein oder andere geärgert oder gewundert. Und ja, an manche Veränderung muss man sich erst noch etwas gewöhnen. Aber Ihnen ist bestimmt auch aufgefallen, dass sich Vieles zum Besseren verändert hat, und weiter verändern wird. Der neue Gemeindebrief ist ein Projekt, das wächst und sich entwickelt. Es ist ein Ausprobieren. Wir freuen uns, wenn Sie diesen Prozess mit uns gehen und danken sehr herzlich für alle sachliche Kritik, Verbesserungsvorschläge und die vielen guten Ideen, die uns erreicht haben und uns immer noch erreichen. Wir hören uns das gerne an und überlegen, was hilfreich ist und berücksichtigt werden kann. Aber haben Sie bitte Verständnis, dass es uns nicht gelingen wird, immer den persönlichen Erwartungen und dem Geschmack all unserer ca. 1900 Gemeindeglieder gerecht zu werden.

Neben all diesen wichtigen Punkten war mein persönlicher Höhepunkt des Wochenendes aber ein anderer. Schön längere Zeit bewegt uns als Gremium der Wunsch, unsere Aufgabe als KGR nicht nur aus organisatorischer und verwaltungstechnischer Sicht zu erfüllen, sondern auch die Verantwortung der geistlichen Leitung der Gemeinde in den Fokus zu nehmen. Das schwingt zwar bei vielen Themen mit und unser gemeinsamer Glaube ist das Fundament unsere Arbeit, aber wir wollten auch einmal ganz bewusst einen geistlich inhaltlichen Akzent setzten. Die Idee war, dass wir das mit der Gestaltung eines gemeinsamen Gottesdienstes tun. Und ich bin sehr froh, dass wir uns hierfür einen ganzen Vormittag Zeit genommen haben.

Sie mögen jetzt vielleicht denken, wie man denn drei Stunden damit füllen kann, den Ablauf eines Gottesdienstes zu planen. Stimmt, die Struktur eines Gottesdienstes kann man wesentlicher schneller festlegen, unsere Liturgie gibt da schon einen guten Leitfaden. Hier ein bisschen Veränderung, da ein Lied mehr, Palmgebet oder Schriftlesung? - das alles braucht keine Stunden. Wir haben diese Zeit für die intensive Auseinandersetzung mit dem Gottesdienstinhalt investiert. Zu aller erst mussten wir uns überlegen, ob wir beim vorgeschlagenen Predigttext bleiben wollen. Römer 7, 14-25, falls Sie nachlesen wollen. Ein herausfordernder Text, nicht gerade einfach zu verstehen. Man könnte fast sagen, ein unangenehmer Text. Wollen wir mit diesem sperrigen, schwierigen Text einen Gottesdienst gestalten?

Über diese, und andere Fragen tauschten wir uns intensiv aus. Was sagt uns der Text, wie geht es uns damit? Schaffen wir es, die (wertvolle!) Botschaft die Paulus in diesen Zeilen schreibt, so zu vermitteln, dass es verständlich, persönlich werden kann? Es ist immer wieder so bereichernd, sich mit Glaubensgeschwistern über die Bibel zu unterhalten, den eigenen Glauben, das eigene Verstehen auszutauschen. Jeder von uns steckt in einer anderen Lebenssituation, hat andere Erfahrungen, andere Sichtweisen. Das zu teilen ist ein großer Schatz, der den eigenen Horizont ungemein weiten kann. Und ja, wir waren uns dann doch relativ schnell einig, dass wir uns diesem Text stellen wollen. Warum? Weil wir feststellen mussten, dass der Text eigentlich einen wesentlichen Teil unseres Leitbildes aufgreift. Dort heißt es: „Wir erleben, dass wir nicht perfekt sind. Aber wir leben aus der Vergebung Jesu Christi und der Gnade Gottes.“ Eigentlich ist das die Kurzfassung von den Worten Paulus an die Römer. Wir wollen und können nicht verschweigen, dass wir alle, jeder Einzelne von uns Fehler hat und macht. Jeden Tag. Und aus unserer eigenen Kraft wird es uns auch kaum gelingen, uns da großartig zu verändern. Immer wieder werden wir in Situationen kommen, in denen wir trotz der besten Vorsätze scheitern, andere verletzen, Dinge tun, die nicht gut sind. Der Bibeltext findet da sehr drastische, starke Worte. Aber über allem steht, dass Jesus unsere Rettung ist! Und genau diese Botschaft war und ist uns wichtig. Um diese zentrale Aussage haben wir den ganzen Gottesdienst gestaltet. Gemeinsam haben wir vielfältige Ideen zusammengetragen, unterschiedliche Wünsche und Erwartungen diskutiert bis wir endlich einen roten Faden hatten, der sich durch den ganzen Gottesdienstablauf gezogen hat. Das „Blut Jesu“, das uns die Freiheit von Schuld bringt. Und deshalb war es uns ein besonderes Anliegen, in diesem Gottesdienst gemeinsam das Abendmahl zu feiern. Als Zeichen der Gemeinschaft mit Menschen und Gott! Wir können auf einen sehr gelungenen Gottesdienst zurückschauen mit kreativen Elementen, eigenen Interpretationen des Predigttextes, persönlichen Gebeten und einer  angenehmen Atmosphäre. Und das nicht, weil wir den Gottesdienst besonders toll vorbereitet haben, sondern weil Gott unser Tun gesegnet hat. Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrung, es hat unser KGR-Team mal wieder auf eine ganz andere Art näher zusammengebracht und lehrt uns, wie wertvoll es ist, seinen Glauben zu teilen und im Miteinander zu gestalten.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie auch immer wieder solche Erfahrungen machen dürfen. Und falls Ihnen das bisher noch fremd ist, möchte ich sie wirklich ermutigen, es einmal zu wagen.  Sprechen Sie mit anderen über Ihren Glauben, Ihre Fragen, Ihre Zweifel. Es lohnt sich! Vielleicht ein guter Vorsatz fürs kommende Jahr?

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Adventszeit und einen guten Start ins neue Jahr!
Herzliche Grüße aus dem KGR,
Binia Scheuermann