Der KGR und ich ....

© B. Scheuermann

Nachdem wir seit Mitte März gezwungen waren, unsere Sitzungen nur per Telefonkonferenz abzuhalten, kann ich heute erfreulicherweise schon wieder von der bzw. den ersten Sitzungen erzählen, die wir gemeinsam, wenn auch noch nicht an einem Tisch, im Gemeindehaus durchführen konnten.

Es ist zwar recht befremdlich, wenn man mit viel Abstand im großen Saal verteilt sitzt, aber es war doch eine große Freude nicht mehr nur digital kommunizieren zu können.

Der Sitzung Ende Mai ging eine kleine Baustellenbesichtigung voraus. Gemeinsam warfen wir einen Blick in die Kirche, wo der Baufortschritt mit jedem Tag deutlicher wird. Man kann gar nicht oft genug sagen, wie dankbar wir vom KGR für all die Unterstützung bei diesem Projekt sind, die wir (nicht nur) im letzten halben Jahr erhalten haben. So viel tatkräftige Hilfe auf der Baustelle, so viele Spenden, so viele Gebete. Es tut uns unglaublich gut zu wissen, dass Sie hinter diesem großen Projekt stehen, dass jeder das einbringt, was er kann.

Und natürlich nimmt die Renovierung nicht nur auf der Baustelle viel Zeit in Anspruch, auch auf unserer Tagesordnung im KGR ist sie momentan ein gewichtiger Punkt. Die letzten Sitzungen waren zum Beispiel sehr vom Thema „technische Ausstattung“ geprägt. Natürlich war schon von Anfang an klar, dass hier Vieles zeitgemäßer werden muss, ein großes Budget war eingeplant. Doch die Erfahrungen der letzten Monate haben gezeigt, wie wichtig und sinnvoll es sein kann, sich hier nicht nur auf das Nötigste zu beschränken. Es war ein großer Segen, und viele positive Rückmeldungen bestärken uns immer wieder darin, dass wir die Möglichkeit hatten und haben, unsere Gottesdienste bzw. zumindest die Predigt online zur Verfügung zu stellen. Jetzt, da wir diesen Schritt notgedrungen gehen mussten  hat es uns zum Nachdenken angeregt, ob es nicht sinnvoll wäre, diese Möglichkeit auch weiterhin zu nutzen. Um Menschen den Gottesdienst nach Hause zu bringen, die aus den unterschiedlichsten Gründen nicht am Gottesdienst teilnehmen können, oder um den Gottesdienst direkt ins Kleeblattheim zu übertragen … Ideen haben wir da auf jeden Fall noch einige. Klar war aber auch, dass der Aufwand, den wir momentan dafür betreiben, dauerhaft nicht leistbar sein wird und wir deshalb effizientere Methoden finden müssen, wenn wir diesen Weg weiter gehen wollen.

Uns war es wichtig, in diesem Punkt keinen Schritt rückwärts zu machen und Chancen, die sich bieten, nicht ungenutzt vorbei ziehen zu lassen. So fiel nach reiflichen Überlegungen der Entschluss, die Medientechnik in der renovierten Kirche unter anderem um eine Kamera zur Aufzeichnung der Gottesdienste bzw. der Predigt zu erweitern. So entfällt nicht nur die separate Produktion des Predigtvideos, der Gottesdienst kann zukünftig direkt per Knopfdruck online gestellt werden. Das kostet uns nun etwas mehr Geld, aber bringt eine deutliche Erleichterung beim Arbeitsaufwand. Uns ist es wichtig, verantwortlich mit unseren ehrenamtlichen Mitarbeitern und ihrer Einsatzbereitschaft umzugehen und dazu gehört, wo es möglich ist, die Voraussetzungen zu schaffen, die einfaches Arbeiten mit geringem Zeitaufwand ermöglichen. Auch wenn die neue Technik uns dabei hilft, werden wir an dieser Stelle künftig einen Pool an Mitarbeitern brauchen, die sich darum kümmern, dass alles funktioniert. Deshalb möchte ich an diesem Punkt eine kurze Werbeeinheit einwerfen :) Wir suchen technikinteressierte Menschen, die Spaß daran haben, sich künftig in diesem Bereich einzubringen. Und keine Sorge, man muss kein PC-Experte oder Tontechniker sein, um ins „Technik-Team“ einzusteigen. Wir haben bei der Auswahl der Technik auf maximale Bedienerfreundlichkeit geachtet. Ein bisschen Freude am Technischen reicht also völlig aus! Bei Interesse einfach melden!

Ein anderer großer Punkt war die Verabschiedung von Pfarrer Wenzke. Er hätte einen gebührenden Abschied verdient. Wir hätten gerne ein großes Abschiedsfest geplant. Da das gerade nicht erlaubt ist, haben wir lange über alle möglichen Alternativen nachgedacht, dies trotzdem so gut es geht und so angemessen wie irgend möglich zu gestalten. Sich ständig ändernde Vorgaben haben diesen Prozess natürlich nicht erleichtert…

Es war uns schon in der Vorbereitung der Abschiedsgottesdienste klar, dass viele Gemeindeglieder, die gerne bei der Verabschiedung von Pfr. Wenzke dabei gewesen wären, wegen der Corona-Beschränkungen keinen Platz in der Mehrzweckhalle finden würden. Auch konnten viele, die wir von Herzen gerne eingeladen hätten, aus dem o.g. Grund, keine Einladung erhalten. Die Sachzwänge haben unser wollen ausgebremst. Das alles tut uns vom KGR sehr, sehr leid! Wir bitten hierfür bei den betroffenen Gemeindegliedern um Vergebung.

Wenn Sie diesen Artikel lesen, wird der offizielle Abschied schon hinter uns liegen, der Abschiedsschmerz noch nicht. Friedemann Wenzke wird eine Lücke hinterlassen, in unserer Gemeinde und in unserem Gremium. Auch wenn wir als KGR-Team eng zusammen stehen, engagiert und effektiv zusammen arbeiten (und lachen) wäre es utopisch anzunehmen, dass wir diese Lücke auch nur annähernd kompensieren können. Es werden spannende und herausfordernde Zeiten. Sie werden uns Kraft kosten und bestimmt auch manche Grenzen aufzeigen. ABER, die letzten Monate waren schon so etwas wie ein kleine Bewährungsprobe. Sie haben gezeigt, dass wir verbunden durch unseren gemeinsamen Glauben, nicht nur eine starke Einheit und in Jesus ein festes Fundament haben, sondern durch ihn auch die Kraft, uns den kleinen und großen Herausforderungen zu stellen.
Und wir wissen, dass hinter uns eine Gemeinde steht, die uns den Rücken stärkt. Die mit trägt. Mit betet. Wir wissen, dass unzählige ehrenamtliche Mitarbeiter bereit sind, sich einzubringen.
Das gibt uns die Gewissheit, dass wir die Zeit, bis unsere Pfarrstelle neu besetzt sein wird, (und im Moment kann noch niemand abschätzen wie lange sich das hinziehen wird), gemeinsam gestalten werden. Ich möchte ganz bewusst nicht „überstehen werden“ sagen. Denn es kann eine Zeit werden, in der wir neue Talente entdecken, neue Aufgaben verteilen, neue Möglichkeiten schaffen. Ja, es wird Einschnitte geben. Ja, wir werden verzichten und vermissen. Ja, wir werden Kompromisse eingehen müssen. Aber so eine Zeit bietet eben auch die Chance Dinge neu zu sortieren, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, neu zu gewichten. Vielleicht entdeckt jemand einen neuen Dienst in der Gemeinde für sich. Vielleicht ergibt sich bei jemandem die Möglichkeit, mehr Zeit in die Gemeinde zu investieren. Vielleicht ergreift jemand eine Aufgabe, die er sich bisher nicht zugetraut hat. Vielleicht SIE?

Vor einiger Zeit haben wir begonnen eine Liste zu erstellen, in der wir unterschiedlichste Tätigkeiten in der Gemeinde erfasst und daraus einen Art Mitarbeiter-Pool erstellt haben. Auf diesen werden wir künftig bestimmt verstärkt zugreifen. Falls Sie schon auf der Liste stehen, werden wir in den kommenden Monaten sicher einmal aus Sie zu kommen. Falls Sie noch nicht erfasst sind, es gibt noch jede Menge Platz. ;)

Ich bin zuversichtlich, dass wir, wenn wir bereit sind einander Schwächen zuzugestehen, wenn wir akzeptieren, dass nicht alles so wie gewohnt weiter gehen kann und trotzdem bereit sind, gemeinsam füreinander einzustehen, weil es das ist, was Gemeinde ausmacht, erleben werden, dass auch, oder gerade aus solchen Situationen ein großer Segen wachsen kann. Vor allem deshalb, weil es eben nicht nur an unserem Tun gelegen ist.

Mit hoffnungsvollen Grüße aus dem Kirchengemeinderat

Binia Scheuermann