Der KGR und ich ....

© B. Scheuermann

Wie die Zeit vergeht...! Gehören Sie auch zu den Menschen die hin und wieder diesen Ausdruck verwenden? Ich bin ab und zu versucht diese Floskel zu benutzen. Dabei mag ich sie eigentlich gar nicht. Meistens schwingt Wehmut, dem Vergangen wegen, mit. Hilflosigkeit, weil wir das Gefühl haben, die Zeit rennt immer schneller. Die Erkenntnis, dass die vergangen Zeit unwiederbringlich dahin gezogen ist, oder schlicht die Enttäuschung darüber schon wieder Ziet „verschwendet“ zu haben.
Dabei geht es nicht um die Zeit an sich. Sie ist immer im gelichen Maß vorhanden. Die Frage ist viel mehr, wie haben wir sie genutzt? Was ist passiert, in dieser Zeit, die vergangen ist?

Ich (und mit mir der gesamte Kirchengemeinderat) blicke auf sechs Jahre als KGR zurück. Da wäre die Frage tatsächlich fast angebracht, wo denn die Zeit geblieben ist. Denn ohne drüber nachzudenken hat man vielleicht schon kurz das Gefühl, dass sie einfach vergangen ist. Aber zum Glück haben wir zurück geblickt und nachgedacht! ;) Und zwar einen ganzen Nachmittag lang. Unter der Anleitung einer Moderatorin der Gemeindeberatungsstelle  warfen wir einen Blick auf die zurückliegenden sechs Jahre. Und waren ganz schön erstaunt. Man kann sich gar nicht vorstellen, was man in sechs Jahren alles erleben, schaffen und verändern kann. Was wir gemeinsam, als Gremium und als Gemeinde, bewegt haben, was uns bewegt hat. Es gäbe viel zu berichten, aber keine Sorge, ich werde hier nicht alles aufzählen, sonst würde der Gemeindebrief dieses Mal als Magazin erscheinen müssen.

Ich habe noch einen ganz anderen Blick zurück geworfen. Zurück bis an den Anfang. Nicht an den Anfang der Welt, nur zu meinem allerersten „Der KGR und ich...“ - Artikel. Eine witzige Angelegenheit. Denn in diesem ersten Bericht habe ich quasi dem jetzigen schon vorgegriffen. Da Sie sich wahrscheinlich, ebenso wenig wie ich, noch daran erinnern, werde ich mich an dieser Stelle einfach kurz mal selbst zitieren:

… Eine interessante Reise hat also begonnen. Wohin es geht? Dass weiß ich noch nicht so genau, aber in unserer zweiten Sitzung haben wir uns Zeit genommen, darüber nachzudenken, was wir gerne in sechs Jahren über die dann zurückliegende Zeit sagen würden. Ein Rückblick auf die Zukunft... ?! Eine interessante Perspektive, die Wünsche und Visionen formuliert.  Wie wäre es mit: Es waren gute sechs Jahre, weil wir eine Gemeinde sind, in der jeder sich zuhause fühlen kann, … weil wir lebendige Gottesdienste feiern, … weil die Gemeinschaft gewachsen ist, … weil Menschen zu Jesus gefunden haben. ..weil wir als KGR ein gutes Team waren. … (März 2014)

Was soll ich sagen? Beim Lesen dieser Zeilen war ich fast ein wenig sprachlos. Und wer mich kennt, weiß, das passiert eher selten.

Ich möchte nicht für uns beanspruchen, dass wir all diese Ziele schon vollkommen erreicht haben. Aber ich denke, wir können, ohne uns selbst zu sehr zu loben, sagen, dass Vieles was wir in unserer gemeinsamen Zeit entschieden, umgesetzt und getan haben, ein Stück dazu beigetragen hat, diesen Visionen näher zu kommen. Auch wenn mir dieser Ausblick von damals nicht mehr präsent war, verblüfft es mich doch schon fast ein bisschen, wie sehr unsere Arbeit, unsere Entscheidungen doch immer wieder auf diese Wünschen vom Anfang hin gezielt haben.

Ich hoffe sehr, dass das nicht nur meine Wahrnehmung ist, sondern auch Sie dem einen oder anderen Punkt zustimmen können. Noch schöner wäre es, wenn Sie ein persönliches „Es waren gute sechs Jahre, weil...“-Statement formulieren können. Für mich waren es gute sechs Jahre, weil sie so reich gefüllt waren. Gefüllt mit Aufgaben, manchmal auch Herausforderungen, unterschiedlichster Art. Entscheidungen zu treffen deren langfristige Konsequenzen man nur erahnen mag. Themen behandeln, mit denen man bis dahin noch nie in Berührung gekommen war. Situationen zu händeln, in denen unterschiedlichste Meinungen auf einander trafen. Gefüllt mit spannenden Projekten, manchmal aber mit auch notwendigem Routinegeschäft. Aber vor allem gefüllt mit Menschen! Menschen in unserer Gemeinde. Was für eine Bereicherung als KGR die ganze Gemeinde im Blick zu haben. Eine wertvolle Erfahrung, über den eigenen Tellerrand zu blicken und zu sehen, welch eine Vielfalt an Menschen, welch einen Reichtum an Gaben wir in unserer Gemeinde haben dürfen. Und dann natürlich die Menschen im KGR. Ganz unterschiedliche Persönlichkeiten. Jung (wenn auch nicht mehr ganz so jung wie zu Beginn) und Alt (natürlich nur den Zahlen nach älter geworden). Den einen oder anderen Wechsel gab es über die Jahre in unserem Team. Aber eines hat sich nie geändert. Wir waren EIN Team! Nicht immer einer Meinung, nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen. Aber immer auf einem Weg. Auf einem gemeinsamen Weg.

Und bei all den großen und kleinen Dingen, die wir gemeinsam bewältigt haben, war für mich dieses Miteinander die prägendste Erfahrung unserer KGR-Zeit. Zu erleben, wie persönliche Befindlichkeiten in den Hintergrund treten, wenn es darum geht das Beste für die Gemeinde zu suchen. Wie man im wahrsten Sinne hart, aber herzlich diskutieren kann. Mit vollem Herzblut für eine Sache, aber immer so sachlich, dass man sich trotzdem jederzeit in die Augen sehen konnte. Ohne dass es die Stimmung und das Miteinander negativ beeinflusst hätte. Das ist bei Weitem nicht selbstverständlich!

Zu erleben, wie man sich gegenseitig ergänzen und bereichern kann. Wie gut es tut, wenn jeder seine Gaben einbringt. Wie Herausforderungen uns nur enger zusammengebracht haben. Wie aus diesen unterschiedlichen Persönlichkeiten eine Einheit werden durfte. Nicht aus eigener Kraft. Sondern als Geschenk, als Geschwister im Namen Jesu. All das sorgte für sechs unglaublich bereichernde Jahre, aus denen ich wahrscheinlich deutlich mehr mitnehmen darf, als ich eingebracht habe. In denen ich wachsen, lernen und mich weiter entwickeln durfte. Deshalb bleibt mir nur DANKE zu sagen. Ihnen, dafür, dass Sie Teil unserer Gemeinde sind, dass Sie immer noch mit uns unterwegs sind und uns als Gemeindeleitung bei unzähligen Projekten auf vielfältigste Weise unterstützt haben, und dass Sie immer so fleißig meine Berichte verfolgt haben. ;)

Aber das GANZ GROßE DANKE geht an diese Stelle an meine „Mitstreiter“! Danke für euer Herzblut, eure Leidenschaft, eure Kritik, eure Ideen, euer Hinterfragen, eure Geduld, eure Wertschätzung, eure Gedanken, eure Worte, eure Gebete, eure Verlässlichkeit, eure Spontanität, eure Kreativität, eure Zeit, eure Konsequenz, euren Einsatz, eure Freude!  Ihr wart Lehrer, Vorbilder, Leidensgenossen, Unterstützer, Segen, Charakterformer, Wegbegleiter, aber vor allem Freunde!

Wir haben hart gearbeitet und viel gelacht. Und so kann ich nun sagen: kaum zu glauben, wie schön die Zeit vergangen ist!

Herzliche Grüße aus dem KGR
Binia Scheuermann