Der KGR und ich ....

© B. Scheuermann

Drei Sitzungen liegen nun schon hinter uns, seitdem Friedemann Wenzke nicht mehr hier ist. Und wir spüren immer wieder, welche Lücke er hinterlassen hat. Vieles muss sich erst neu einspielen, manches können wir nicht kompensieren.

Vielleicht fragen Sie sich auch wie lange es eigentlich dauert, bis so eine Pfarrstelle wieder besetzt wird und ob es da schon etwas Neues gibt. Leider kann ich Ihnen auf beide Fragen keine ganz zufriedenstellende Antwort geben.

Bei der Ausschreibung und Besetzung einer Pfarrstelle gibt es eine Menge formaler Schritte, die eingehalten werden müssen und für pragmatisch veranlagte Menschen wie mich zu einer mittleren Geduldsprobe werden können, denn dieses Prozedere braucht einfach seine Zeit.

Zu Beginn steht die Bestimmung des Besetzungsgremiums, welches neben Mitgliedern aus dem Kirchengemeinderat, auch Vertreter des Dekanats und des Oberkirchenrats (OKR) umfasst. In unserem Fall gehört auch noch ein Abgesandter der Gesamtkirchengemeinde dieser Runde an. Das Besetzungsgremium beschließt die Stellenausschreibung und veranlasst, dass diese, nach der Prüfung durch die entsprechenden Stellen, veröffentlicht wird. Nun haben die potentiellen Bewerber drei Wochen Zeit, sich auf diese Stellenausschreibung hin zu bewerben.

Da in unserem Fall das Bennungsverfahrern angewandt wird (es gibt auch noch das Wahlverfahren), sichtet der Oberkirchenrat die eingegangen Bewerbungen und schlägt einen, entsprechend der Ausschreibung geeigneten Kandidaten, vor. Das Besetzungsgremium hat dann innerhalb von vier Wochen zu entscheiden, ob es der Benennung des OKR zustimmt. Wenn nicht, oder falls bei der ersten Ausschreibung keine Bewerbungen eingegangen sind, geht die Besetzung in die nächste Runde. All diese Punkte und das Wissen, dass an manchen Stellen die Mühlen langsam mahlen, macht eine Prognose über die Dauer des Verfahrens nahezu unmöglich.

Aktuell ist die erste Bewerbungsfrist verstrichen und wir warten auf die Rückmeldung vom OKR. Bitte haben Sie ein wenig Geduld und Verständnis, dass wir Ihnen nicht mehr dazu sagen können. Auch wir warten schon gespannt auf neue Infos und freuen uns, wenn Sie diesen Prozess mit Ihren Gebeten begleiten.

An dieser Stelle schon ein großes Danke an unsere Vorsitzende, die zusammen mit dem Verwaltungsausschuss und den hauptamtlichen Mitarbeiterinnen mehr als alles gibt, um die neue Aufgabe mit vielen großen Herausforderungen zu meistern. Liebe Doris, Worte reichen nicht aus um zu sagen, wie froh wir sind, dass du da bist!

Was uns derzeit sonst noch so beschäftigt ist unschwer zu erraten: Corona. Bei jeder Sitzung gibt es neue Regelungen und Vorschriften, die wir umsetzen müssen. Ein großer Teil unserer Arbeit besteht darin, Dinge zu planen, wieder zu verwerfen, abzusagen und neue Ideen zu entwickeln, wie Gemeindeleben, vor allem mit Blick auf die Advents- und Weihnachtszeit, wenigsten ein bisschen aufrecht erhalten werden kann. Es ist frustrierend und eigentlich bin ich es leid darüber zu sprechen, aber einen Gedanken möchte ich noch mit Ihnen teilen.

Seit Monaten sind wir alle im Ausnahmezustand, es heißt wir blicken einer unbekannten Bedrohung ins Gesicht, Angst und Sorgen breiten sich aus. Wir tun Alles (sinniges und unsinniges) um uns, unsere Mitmenschen, das Gesundheitssystem... zu schützen, zu retten. Experten, Wissenschaftler und Politiker beschließen Maßnahmen, die uns Schutz und Sicherheit geben sollen, alle Hoffnungen werden auf unser verantwortungsvolles Handeln und letztendlich auf einen Impfstoff gesetzt, der uns vom Übel des Virus erlösen soll.

Vielleicht merken Sie, dass ich bewusst Worte gewählt habe, die wir normalerweise eigentlich in einem anderen Kontext verwenden. Schutz, Rettung, Hoffnung, Sicherheit, Erlösung… Attribute, die wir sonst dem Handeln Gottes zuschreiben. Doch nun liegen sie in unserer Hand, in der Experten Hände.
Die Bibel warnt uns davor, unsere Hoffnung auf Menschen, auf unser eigenes Tun, unsere eigene Kraft zu setzen. Wir werden unser Leben nicht erhalten können, egal wie sehr wir uns sorgen, egal was wir tun. Es liegt allein in Gottes Hand. Er ist unser Schutz, unser Fels, unsere Burg, unsere Hoffnung und unser Leben! Bei ihm ist der Ort, an dem unsere Ängste und Sorgen gut aufgehoben sind. Er steht über allem und ruft uns zu „Fürchte dich nicht!“ Besonders jetzt an Weihnachten.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit. Vielleicht finden Sie dieses Jahr mehr Zeit, sich bewusst auf das Weihnachtswunder und das „Fürchte dich nicht“ der Engel einzulassen.
Ich wünsche Ihnen einen gesunden Start in das neue Jahr. Vielleicht wird es ein Jahr der Barmherzigkeit, zu der uns die Jahreslosung ermutigt.

Herzliche Grüße aus dem Kirchengemeinderat,
Binia Scheuermann