Der KGR und ich ....

© B. Scheuermann

Letztes Mal war ich hoffnungsvoll, Ihnen dieses Mal etwas mehr zu berichten. Zum Beispiel über den Stand der Planungen zur Kirchenrenovierung. Zu berichten gibt es mittlerweile das ein oder andere, da nun schon ein paar Treffen mit Fachleuten stattgefunden haben und das Architekturbüro Frey schon erste Ideen entwickeln konnte. Nur leider werde ich Ihnen hier nicht mehr dazu berichten - das überlasse ich dem Experten! Aus erster Hand bekommen Sie die Informationen zum aktuellen Stand im Artikel, den Herr Faller für Sie verfasst hat. Vielen Dank dafür!

Mir macht es das zwar wieder etwas schwerer, da auch die letzten beiden Sitzungen wieder großteils nichtöffentlich abgehalten wurden und es für mich deshalb nicht so vieles zu berichten gibt. Ich spreche nun einfach noch einmal die Hoffnung aus, dass es beim nächsten Mal wieder mehr über unsere Arbeit zu berichten gibt.

Doch bevor ich nun über Routineaufgaben, wie die Festlegung des Opferplans oder die Verteilung des Liturgen-Diensteslamentiere, möchte ich noch ein paar Gedanken zum letzten Sonntag mit Ihnen teilen. Bis Sie diesen Artikel lesen, sind noch ein paar Sonntage vergangen. Ich meine den Sonntag 24. Februar. Ein Sonntag wie er im Bilderbuch stehen müsste. Das (fast) perfekte Bild für Gemeinde. Ein Sonntag, an dem man den Bogen von unserem Leitbild bis hin zur Kirchenrenovierung spannen kann.

An diesem Sonntag war eigentlich nichts wie sonst. Der  Gottesdienst begann erst um 10.30 Uhr (an diese Ausnahmeregelunge beim Gemeindemittagessen haben wir uns zwar schon gewöhnt), die Konfirmanden haben den größten Teil des Gottestdienstes gehändelt, als würden sie nie etwas anderes tun. Ein Konfirmand teilte sich nicht nur die Kanzel, sondern sogar die Predigt mit Pfarrer Wenzke, andere musizierten, sprachen Gebete, lasen die Informationen oder führten durch den Gottesdienst. Jung dynamisch, kreativ, bunt.

Danach wurde aufgetischt. Und aufgestuhlt. Und zwar so richtig. Das Gemeindehaus war mehr als voll,  jeder Stuhl, jede Sitzgelegenheit wurde beschlagnahmt. Ganz unkompliziert, etwas enger vielleicht, nicht auf allen Plätzen so bequem wie gewohnt. Die Teller nicht so randvoll wie sonst, man teilte, schaute, dass jeder etwas bekam, auch wenn das Küchenteam mit diesem riesen Andrang nicht rechnen konnte und so die Portionen etwas kleinerausfielen. ABER: es war eine tolle Gemeinschaft. Rücksicht nehmen, teilen, dem anderen etwas abgeben und nicht nur an sich denken, das ist doch Gemeinde! So soll es sein. Und verhungert ist keiner. Am Kuchenbuffet zum Nachtisch blieben dann sogar noch einige Reste übrig.

Fehlt nur noch der angekündigte Bogen zur Kirchenrenovierung. Aber keine Sorge, er kommt. Uns vom KGR war es wichtig, noch einmal zurück zu blicken, bevor wir voller Tatendrang Neues schaffen. Zurück blicken auf die Geschichte unserer Kirche, auf die Geschichten die Menschen mit unserer Kirche verbinden. Vor ca. 70 Jahren ging es nicht um eine Renovierung. Es ging darum, aus einem Häufchen Elend, aus den Schatten, die der Krieg hinterlassen hatte, wieder ein Gotteshaus zu schaffen. Und genau darauf wollten wir an diesem Sonntag noch einmal zurückblicken. Um daran zu erinnern, was geleistet wurde. Was in unserer Gemeinde, in unserer Kirche wieder wachsen durfte. Und das Bauen (oder umbauen) immer mehr als Bauen an sich ist. So hörten wir von Frau Auracher, die als Zeitzeugin berichtet, wie sie und die anderen Konfirmanden Steine und Ziegel schleppten, fegten und putzen. Alles damit die Kirche auch rechtzeitig zur Konfirmation fertig wurde. Von Aufbruch hat sie gesprochen. Und das war es mit Sicherheit. Was für ein Gefühl muss es gewesen sein, als die Kirche wieder eine Kirche war. Wenn aus Trümmern wieder Gebäude, wieder Hoffnungen werden.

Auch wenn unsere Situation heute ein völlig andere ist, habe ich die Hoffnung, dass diese Renovierung uns auch ein bisschen von diesem Aufbruch spüren lässt. Der Wunsch nach Neuem, nach Leben, nach Hoffnung! Diese Geschichten von Menschen, die den Wiederaufbau der Kirche mitgestalteten, wurden noch umrahmt von einem historischen Blick auf die Entstehung der Kirche und ihre Geschichte. Herr Albrecht hatte Daten, Fakten und Bilder gesammelt, mit vielen Menschen gesprochen und präsentierte so noch einen umfassenenden Blick auf über 700 Jahre Kirche in Kleinsachsenheim. Mit diesem Wissen, mit diesen Bildern, Eindrücken und Geschichten im Gepäck machen wir uns auf den Weg der Renovierung. Wir sind dankbar für alles, was besonders beim Wiederaufbau vor siebzig Jahren geleistet wurde, als man nicht viel mehr als die eigene Muskelkraft zu bieten hatte. Mit dem Wissen um diesen Einsatz, diese Leistung und um viel Opferbereitschaft, wollen wir an diese Renovierung gehen. Wertschätzend, aber zukunftsgewandt. Denn die Konfirmanden stehen wieder bereit, um ihre Kirche zu bauen. Vielleicht nur im übertragenen Sinne, aber sie brauchen einen Raum, wo das möglich wird.

Doch ein Sonntag wie dieser macht mich zuversichtlich. Ein Tag, der genug Raum hatte für neue Ideen, aber auch die Erinnerung lebendig hielt. Ein Tag der nur so sein konnte, weil Jung und Alt ihn gemeinsam geschaffen haben. Ein Tag, an dem Gemeinde lebendig war. Mehr als auf spannende Berichte aus dem Kirchengemeinderat hoffe ich auf Tage wie diese. In einer
frisch renovierten Kirche. In einer Gemeinde, die nach vorne blickt, aber das Alte nicht vergisst.

Viele Grüße aus dem KGR
Binia Scheuermann