Der KGR und ich ....

© B. Scheuermann

Ich verrate es gleich vorab, auch dieser Artikel wird, wie der letzte, wenig von den ganz praktischen Aufgaben und Entscheidungen im KGR handeln, als vielmehr einen kleinen Einblick in das „Warum“ geben.

Gemeindeleben ist Leben. Und Leben heißt sich regen, weil Leben wandern heißt. Wie viel Wahrheit in dieser Liedzeile liegt, erleben wir im Moment vielleicht mehr als in den vergangenen Jahren. Es gab immer wieder Neues. Veränderungen sind ein fester Bestandteil des Lebens und somit auch unserer Kirchengemeinde. Doch gerade arbeiten wir an vielen großen und kleinen Veränderungen. Manche sind eher unscheinbar und fügen sich ganz unkompliziert in unser Gemeindeleben ein. Wie zum Beispiel das gemeinsame Frühstück am Ostersonntag. Tischgemeinschaft ist dank der Gemeindemittagessen ein fester Bestandteil unserer Gemeindekultur geworden. Ein wichtiger! Essen ist notwendig, um unseren Körper bei Kräften zu halten. Gemeinsam zu essen, gibt der Seele Nahrung. Umso schöner war es, das nun auch einmal am Ostermorgen zu tun. Es waren noch nicht so viel Teilnehmer wie bei einem Gemeindemittagessen, aber dennoch folgten über 50 Menschen der Einladung und startet mit einem üppigen Buffet in den Auferstehungstag. So wird an Ostern nicht nur Jesus, sondern auch Gemeinde lebendig.

Andere Veränderungen sind keine fröhliche Ergänzung, sondern bedeuten erst einmal Einschränkung und viel Arbeit. Das spüren wir nun so langsam beim Blick auf die Kirchenrenovierung. So sehr wir uns auf das Ergebnis, eine frisch renovierte, an unsere Bedürfnisse angepasste Kirche freuen, erst einmal wird es „unangenehm“. Monatelang werden wir auf unsere Kirche verzichten, uns mit anderen Lösungen arrangieren, Kompromisse eingehen müssen. Aber das Ziel vor Augen ist all das erträglich, die Entbehrung steigert sogar noch die Vorfreude.

Während der Renovierung steht uns zeitgleich noch eine weitere große Veränderung ins Haus. Die Kirchenwahl. Das Kirchengemeinderatsteam wird neu gewählt. Einige werden ihren Dienst beenden, Andere mit neuen Ideen, neuem Schwung diese Aufgabe antreten. Manches wird sich dadurch ändern. Weil die Zusammensetzung der Menschen anders sein wird, andere Gaben und Talente zur Verfügung stehen. Aber eines ist sicher, solange wir ein Gremium haben, dass von ganzem Herzen danach strebt, die Dinge zum Wohle der Gemeinde und mit Blick auf Jesus zu gestalten, dürfen wir uns auf die neuen Wege freuen.

Und dann sind da aber noch diese Veränderungen, die uns vielleicht sogar ein bisschen Angst machen. Weil Dinge entschieden werden, die sehr weit in die Zukunft reichen, die wir nicht vollständig überblicken können, die wir nicht alleine in der Hand haben. Eine solche Entscheidung ist die Gründung einer Gesamtkirchengemeinde in Sachsenheim.

Beim Gemeindemittagessen im Februar blickten wir zurück auf die Geschichte des Kirchengebäudes. Im April richteten wir den Blick Richtung Zukunft. Nach zahlreichen Gesprächen, Planungen und vielen Treffen in einer extra ins Leben gerufenen Steuerungsgruppe gibt es nun ein Konzept zur Gestaltung dieser neuen Gesamtkirchengemeinde.

Herr Grün und Herr Wenzke stellten nach dem Mittagessen die Pläne, das Konzept vor und beantworteten Fragen aus der Gemeinde. Es wird erst einmal nur ein „Dach“ über die Ortsgemeinden werden, ohne konkrete Aufgaben und ohne Einschnitte in den einzelnen Gemeinden. Aber unser Wunsch ist es, uns in den nächsten Jahren mit den anderen Sachsenheimer Gemeinden auf den Weg zu machen. Zu entdecken, wo es Gemeinsamkeiten gibt, wo Möglichkeiten der Zusammenarbeit bestehen. Wir wollen mit diesem Schritt proaktiv den Wandlungsprozess steuern, der uns durch die Streichung von Pfarrstellen in den nächsten Jahren treffen wird. Agieren, statt reagieren, lautet das Motto. Es geht nicht darum, die Kirchengemeinden zu verschmelzen, sondern, sich als eigenständige Partner gegenseitig zu unterstützen und zu ergänzen. Wir haben die Chance, mit dieser Veränderung Zukunft zu gestalten!

Eines haben alle Veränderungen gemeinsam. Sie fordern uns! Unsere Bereitschaft auf- und abzugeben. Wenn wir Veränderung wollen, (und ich behaupte, es ist gar nicht die Frage, ob wir wollen, sondern wie wir sie wollen. Denn die Dinge nehmen ihren Lauf. Ob wir sie annehmen oder uns dagegen wehren, liegt in unserer Hand.) also besser gesagt, wenn wir Veränderung gestalten wollen, müssen wir zu allererst, jeder für sich selbst, bereit sein, den eigenen Standpunkt zu überdenken. Weil mein Gegenüber einen anderen Horizont hat als ich. Bereit sein, Altes hinter sich zu lassen und sich für Neues zu öffnen. Um Entwicklung zu ermöglichen. Bereit sein, dem Anderen Raum zu geben, sich zu entfalten. Auch dann, wenn es nicht zu meinen Vorstellungen und Erwartungen passt. Es geht nicht länger nur darum, was ich möchte, was meine Wünsche sind, sondern darum, in Gemeinschaft zu denken. Was tut der Gemeinde gut?  Wie können wir die Gemeinde voranbringen, das Miteinander stärken, neue Menschen integrieren, und zu guter Letzt Reich Gottes bauen?

Paulus schreibt im Philipperbrief: „Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst, und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient.“ Ich bin mir sicher, dass wir mit diesem Rat das wichtigste Handwerkszeug bekommen haben, um Veränderung zu gestalten.

Wenn das unser Antrieb ist, können wir getrost singen: „Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt.“

Herzliche Grüße aus dem KGR,
Binia Scheuermann