Geistlichen Impuls

Sie luden ihm aber das Kreuz auf, damit er es hinter Jesus hertrug….   (aus Lukas 23)

Warum gerade ich?

Das hat wohl auch Simon gedacht, als er von seiner Arbeit auf dem Feld heim ging. Er war müde, sein Job war hart, die Feldarbeit, die er gewohnt war,  schaffte ihn an diesem Tag besonders. In Gedanken war er vielleicht auch schon bei seiner Familie Zuhause und bei seinen Söhnen Alexander und Rufus. Von weitem hatte er schon die Menschen gesehen, die aus der Stadt zogen. Aber eine Menge Menschen war in der Zeit vor Ostern selbstverständlich, sie waren alle nach Jerusalem gekommen, um das Passah Fest zu feiern. Die Stadt war voll von ihnen.

Er wollte eigentlich nur schnell nach Hause, als plötzlich einer schrie: „ He, du da! Du kommst gerade recht, hilf dem da sein Kreuz zu tragen!“ Bevor er noch überlegen kann, hat er schon das Kreuz auf dem Rücken und sein Weg führt in eine Richtung, in die er gar nicht gehen wollte. Er hat ein Kreuz zu tragen – und er trägt es – für einen, der sterben wird. Er hat ein großes Gefolge, dieser Kreuzträger Simon von Cyrene, aber sonst wird nicht viel von ihm berichtet. Von ihm, dessen Weg an jenem Tag buchstäblich „durchkreuzt“ wurde…. Er hat sich bestimmt einige Male die Frage gestellt: „Warum gerade ich?“  „Wie komme ich dazu?“ Doch trotz all dem ist dies eine Begegnung mit Jesus, eine Begegnung, nach der nichts mehr wie vorher war.

Unverhofft legt das Schicksal dem einen oder anderen auch von uns ein Kreuz auf. Wie schwer haben manche an diesem Kreuz zu tragen, das erfahren wir täglich in den Nachrichten. Es sind Millionen von Menschen mit Namen und Gesichtern. Zu einem großen Teil sind es auch Kinder, die Opfer von Gewalt, Diskriminierung, Bürgerkriegen oder ganz alltäglicher Armut sind. Menschen verhungern, haben keine Heimat mehr, Katastrophen reißen Menschen und Existenzen weg. Ganz zu schweigen von den weitreichenden Folgen der Covid 19 Epidemie, die in vielen Bereichen ihre negativen Auswirkungen hat. Auch in unserer ganz unmittelbaren Umgebung und Familie begegnen wir Menschen, die schwere Krankheiten, körperliche und seelische Not und harte Schicksalsschläge zu verkraften haben. Wortlos, erschüttert und selbst sehr betroffen, wenn es um nahestehende Menschen geht, stehen wir da und fragen nach dem  „warum“.

Doch wie es damals Simon von Cyrene zugerufen wurde, hören auch wir in uns eine Stimme, die uns sagt: „He, du da! Du kommst gerade recht, hilf dem da sein Kreuz zu tragen!“ Wer sich dann vom Leid der Welt und unserem Nächsten berühren lässt, sich seinen Weg „ durchkreuzen“ lässt und eine andere Richtung einschlägt, der begegnet ihm, wie damals Simon von Cyrene.

Das Kreuz tragen helfen bedeutet auch – für jeden von uns – mitzuhelfen, sich zu öffnen, sich verwundbar zu machen für die Not und das Leid der Anderen und unseren Nächsten.
Es gehört auch zu unserer Verantwortung, mit offenen Augen und offenem Herzen, in die Zeit, in die Gesellschaft und um uns herum hineinzublicken, um zu erkennen, wo wir wie Simon von Cyrene heute handeln sollen.

Die Auslegung zum Bibeltext von Christa Staudigl haben mich inspiriert, mir auch weitere Gedanken darüber zu machen und mich in die Situation von Simon von Cyrene neu hineinzuversetzen. Jede und Jeder von uns ist eingeladen, sich zu fragen: Bin ich bereit, die Zeichen der Zeit und die Nöte der Mitmenschen zu erkennen und bin ich aber auch bereit, selbst Hilfe anzunehmen. Aber dadurch, dass wir das Kreuz tragen und unsere Wege durchkreuzen lassen, sind wir auch eng verbunden mit Jesus. Der für uns das Kreuz getragen hat, für uns ans Kreuz genagelt wurde und so sein Leben für uns gegeben hat.  Er fordert keine Gegenleistung von uns, weil er es aus Liebe zu uns ertragen hat.

Er wünscht sich nur, dass wir ihm unser Herz öffnen und es ihm schenken, damit wir frei werden von unseren Sorgen und unserer Schuld. Dass wir manchmal unseren Weg ändern und in eine andere Richtung gehen, wo wir nicht genau wissen, was uns erwartet außer, dass Jesus bereits voran gegangen ist. Doch mit dem Tod am Kreuz ist nicht alles zu Ende, es folgt Ostern und da erleben wir, dass Jesus auferstanden ist. Er lebt, auch, wenn wir ihm nicht persönlich begegnen, so dürfen wir einander zusprechen: Jesus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!

Wir dürfen an die Osterfreude glauben, die uns froh macht, egal in welcher Situation wir uns gerade befinden und wie unsere Zukunft aussieht.  Gott meint es gut mit uns, er zeigt uns, was im Leben wirklich trägt und, dass er uns trägt. Wir dürfen neue Hoffnung haben, auch in stürmischen und einsamen Zeiten. Glauben heißt nicht: Ich halte Gott fest. Glauben heißt wissen: Gott hält mich fest.  (Jürgen Werth)

Deshalb bleiben wir nicht stehen und werden vom Kreuzträger zum Freudenträger und Hoffnungsträger, damit es um uns heller werden darf und Menschen wieder neuen Mut bekommen.
So wünsche ich Ihnen eine hoffnungsvolle und gesegnete Osterzeit

Doris Beutelschieß-Nitschke