Endlich Urlaub

Das ganze Jahr hat man auf den Urlaub hingelebt, ihn herbeigesehnt. Hat für ihn gespart und die Wochen bis zum Urlaubsbeginn gezählt. Nun ist er da, der ersehnte und auch verdiente Urlaub. Endlich Urlaub! Das Paradies scheint anzubrechen. So jedenfalls erscheint es mir manchmal, wenn ich mal einen Reiseprospekt in die Finger kriege. Wie oft? ist da vom Urlaubsparadies die Rede. Paradiesisch blaues Meer und weißer Sand. Oder glühende Berge im Abendlicht. Wenn die Welt und der Alltag an sich schon so grau und manchmal auch hoffnungslos ist, dann soll wenigstens im Urlaub das Paradies auf Erden wahr werden.

Ich muss zugeben: Diese hohen Versprechen erfüllen mich mit Sorge. Da will man drei Wochen wie im Paradies leben. Steigert alle guten Erwartungen in dieses kleine Zeitfenster Urlaub. Alles Versäumte muss jetzt nachgeholt werden. Jetzt oder nie! Endlich mal den Ehepartner ganz für sich zu haben. Endlich einmal richtig harmonisches Familienleben. Endlich mal einfach so in den Tag leben können. Endlich mal niemand da, der etwas von mir erwartet. Eben Paradies!

Die Bibel ist ganz nüchtern. Das Paradies ist verloren, sagt sie. Wir leben jenseits von Eden. Wir werden das Paradies nicht zurückerobern, auch nicht für drei Wochen im Urlaub. Das kann nicht sein. Und das muss auch nicht sein! Das muss nicht sein! Diese Einsicht entlastet mich. Es muss wirklich nicht sein. Als Christen erwarten wir die paradiesische Erfüllung nicht von diesem Leben. Und so muss ich auch nicht unter dem Druck stehen, in diesem Leben und besonders in unserem Urlaub alles zu bekommen, alles zu erleben, alles mitgemacht zu haben. Das Beste kommt erst noch.

Und mein Urlaub? Der ist nun nichts anderes als ein Vorgeschmack aufs Paradies. Ein Vorgeschmack! Und in diesem Sinn kann ich ihn auch voll auskosten und genießen. Endlich Urlaub – Vorgeschmack aufs Paradies! Für mich ist das ein wesentliches Ziel des Urlaubs: Zeit haben und genießen. Zeit haben für meine Familie, die Menschen, die Gott mir anvertraut hat.  Genießen heißt für mich, einfach da sein, sich über das Schöne freuen. Den Augenblick wahrnehmen und auch mal nichts tun. So heißt es in der Bibel, an einem Tag in der Woche darfst du ruhen. Egal wie weit deine Erledigungen sind. Du darfst einfach da sein, genießen. Weil Gott das selbst am siebten Tag gemacht hat!

Wenn wir also am Sonntag und auch im Urlaub uns bewusst Zeit nehmen für Gott und unsere Lieben, dann benden wir uns in bester Gesellscha . Gott selbst hat das so gemacht. Gott ist der erste Urlauber. Gott hat sich diesen Ruhetag nach sechs Tagen Arbeit gegönnt. Er hat eine schöpferische Pause eingelegt. Und er hatte ganz bestimmt kein schlechtes Gewissen dabei. Gott ist der erste Urlauber. Urlaub hat etwas mit dem Sabbat, dem Ruhetag zu tun. Neben Gott als erstem Urlauber sitzen wir im Liegestuhl und betrachten die Schöpfung. Wir joggen neben ihm her und freuen uns an unserem Atem und unserer Muskelkra . Wir steigen auf Berge und bewundern die Weite und das Blau. Wir danken unserem Schöpfer, schmecken das Leben. Wir genießen den Vorgeschmack des Paradieses, das wir Gott sei Dank nicht selbst scha?en müssen. Dazu sind wir Menschen da: Gott zu loben und ihm, unserem Schöpfer zu danken. Auch im Urlaub und durch den Urlaub.

Endlich Urlaub! Gott sei Dank! Ich wünsche Ihnen erholsame Sommerwochen unter Gottes Schutz und Segen!

Ihr Pfarrer Friedemann Wenzke