Liebe Leserin. lieber Leser,

Ein wunderschönes Strandbild! Es erinnert mich an unseren Familienurlaub in den Pfingstferien in Südfrankreich. Lange Sandstrände, noch wenig Urlauber, erfrischendes Meerwasser, Muscheln in Hülle und Fülle, ein sehr seichter und auch für Kinder geeigneter Einstieg ins Meer. Sie merken schon: ich fange an, in Erinnerungen zu schwelgen. Es ist schön, wenn wir Urlaub machen können! Allerdings muss uns auch klar sein, dass Urlaub im modernen Sinn – zumindest für die breite Bevölkerung – erst eine Erfindung des letzten Jahrhunderts ist. In früheren Zeiten war es nur den Wohlhabenden möglich zu reisen. Für die Allgemeinheit war der Sonntag als Ruhetag reserviert. Und Zeit für sich bedeutete auch immer Zeit für Gott.

Mir fällt allerdings eine seltsame Entwicklung in den letzten Jahren auf: Je mehr die Menschen freiwillig auf den Sonntag als Ruhetag verzichten, desto mehr Wert legen sie auf den Urlaub. Immer wieder auch mit großen Erwartungen, auch im zwischenmenschlichen Bereich. Mitunter werden sie enttäuscht. Denn es ist doch ganz logisch: wenn es auf einmal keine Arbeit, keine Schule, kein Sportverein, keine Haus- und Gartenarbeit mehr gibt, dann muss man plötzlich ständig miteinander auskommen. Und da fallen einem auf einmal Sachen auf, die im Alltag eher untergehen. Da kommen Themen hoch, die sonst eher unter den Teppich gekehrt werden. Das kann Konfliktpotential in sich bergen. Es kann aber auch sehr wertvoll sein.

Viele Pfarrer an Urlaubsorten erzählen, dass die Gottesdienste zu Ferienzeiten besonders gut besucht sind. Offenbar können im Urlaub auch Grundfragen des Lebens wieder aufbrechen: Was ist mit meinem Glauben an Gott? Kann ich wieder zu ihm kommen, mal wieder ein Gebet sprechen? Wer bin ich und wo stehe ich gerade im Leben? Wie ist es mit unserer Beziehung, unserer Ehe? Wie sehe ich meine Kinder und was will ich Ihnen mitgeben?

Bestimmt braucht jeder Mensch seine ganz eigenen Rahmenbedingungen, um sich mal solchen Fragen zu stellen. Ich genieße im Urlaub die Zeit mit meiner Familie. Aber ich brauche im Urlaub immer auch Zeit für mich. Zeit, wo ich allein mit dem Fahrrad durchs Land fahre oder allein am Strand entlangwandere. Vieles was mir durch den Kopf, das Herz und die Seele geht, sei es aus der Gemeinde oder privat, bekomme ich während körperlicher Aktivität und Sport geklärt. Sie haben vielleicht andere  Mechanismen. Der Urlaub ist auszuprobieren. Ich glaube, wenn wir im Urlaub uns solchen Fragen stellen und auch schwierigen Fragen nicht ausweichen, dann können wir ganz neue Erkenntnisse gewinnen über unser Leben, unsere Beziehungen und sogar über Gott. Unser Gott ist schon immer ein Reisegott gewesen. Schon im Alten Israel ist er vierzig Jahre mit dem Volk Gottes unterwegs gewesen.

Unsere Glaubensväter haben immer wieder die Erfahrung gemacht, dass sich Gott nicht fest an einen bestimmten Ort binden lässt. Er geht mit, auch mit uns. Er fährt mit in unseren Urlaub. Er ist bei unserem Suchen und Fragen, auch bei eventuellen Auseinandersetzungen dabei. Und er ist es, dem wir es letztlich verdanken, wenn wir überhaupt verreisen können Und so möge uns folgender Reisesegen in den Sommerwochen begleiten, ganz unabhängig, ob wir zu Hause bleiben oder verreisen:

"Geh mit Gottes Segen.
Er halte schützend seine Hand über dir,
bewahre deine Gesundheit und dein Leben
und öffne dir Augen und Ohren
für die Wunder der Welt.
Er schenke dir Zeit,
zu verweilen, wo es deiner Seele bekommt.
Er schenke dir Muße,
zu schauen, was deinen Augen wohltut.
Er schenke dir Brücken,
wo der Weg zu enden scheint
und Menschen,
die dir in Frieden Herberge gewähren.
Der Herr segne,
die dich begleiten und dir begegnen.
Er halte Streit und Übles fern von dir.
Er mache dein Herz froh, deinen Blick weit
und deine Füße stark.
Der Herr bewahre dich und uns
und schenke uns
ein glückliches Wiedersehen."
(Gerhard Engelsberger)

Eine behütete und gesegnete Urlaubszeit wünscht Ihnen von Herzen
Ihr Gemeindepfarrer
Friedemann Wenzke