Den Nagel auf den Kopf getroffen

Was kann man mit einem Nagel nicht alles machen? Ein Bild aufhängen, ein Dachstuhl aufstellen, einen Sarg verschließen und vieles mehr. Ein Nagel ist vielseitig zu verwenden, ein nützlicher Gegenstand in unterschiedlichen Größen.

Eines Tages werden von einem Mann drei große Nägel gekauft. Er trägt Helm, Brustpanzer, Beinschienen und ein Kurzschwert. Der Mann könnte fragen, warum er diese Nägel kaufen soll. Er tut es nicht. Er hat seinen Befehl. Er kauft die drei langen Nägel, um einen Menschen ans Kreuz zu schlagen.

Dazu dienten die Nägel. Um Jesus festzunageln, aufs Kreuz zu legen. Festgenagelt zu sein. Das ist das Schlimmste. Sich nicht mehr wehren können. Ausgeliefert sein, der Sonne, den Gaffern, den Soldaten, den Vögeln. So geht man nicht mit einem Menschen um. Und doch sind es Menschen, die hier die fleischgewordene Liebe Gottes aufs Kreuz gelegt haben. Es sind Menschen, die Jesus festnageln, sodass er sich nicht mehr rühren kann. In der Karwoche machen wir uns das besonders bewusst.

Sind wir besser als die Soldaten damals? Oder sind wir nur besser dran, weil wir viele Jahre später leben? Hätten wir den Befehl verweigert? Ich glaube nicht. Ich glaube es deswegen nicht, weil wir oft genug jemanden aufs Kreuz legen, wenn es sich endlich ergibt.  Weil wir oft genug jemanden festnageln auf seine Herkunft: "Was, ein Ausländer sind Sie?“ „Was aus dieser Familie kommen Sie?" Festnageln auf seine Vergangenheit: "Wissen Sie, er hat ja mal getrunken, im Gefängnis gesessen, einen Betrug begangen, den Hausflur nicht geputzt ..." Festnageln auf das, was andere über einen sagen: „Haben Sie schon gehört? Die oder der hat schon wieder einen anderen!“ Oder ganz andere Beispiele. Mit unseren Worten können wir andere töten, nicht nur mit blanker Gewalt. Ach, wir haben viel mehr Nägel als nur drei, mit denen wir andere festnageln, demütigen und den Nagel bewusst auf den Kopf treffen.

Aber das andere gilt auch: Nicht nur wir treffen andere, andere treffen uns auch. Im Zustand der Sünde sind wir immer Täter und Opfer zugleich. Wir werden an anderen schuldig, aber andere werden auch an uns schuldig. Darum ist die Vaterunserbitte so wichtig: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“

Weil wir immer wieder andere die Nägel spüren lassen oder sie selbst zu spüren bekommen, darum hängt der angenagelte Gottessohn auch für uns am Kreuz. Jesus hängt an unserer Stelle, nimmt das Urteil Gottes über die Sünde auf sich und ruft: "Es ist vollbracht! Keiner wird von Gott bestraft werden, wie er es verdient hätte."

Gott ist es, der den Menschen begnadigt. Der ihn nicht festnagelt auf die sündige Vergangenheit, sondern zu ihm sagt: „Es ist vollbracht: Du und ich, wir können wieder zusammenkommen. Du darfst wieder ganz neu anfangen! “

Das ist der Zuspruch der Vergebung. Das ist jedes Mal wie eine Auferstehung. Das Alte ist vergangen, es entsteht Neues. Auch in unserem Leben. Nicht auf einen Schlag, aber nach und nach. So wie jetzt im Frühling die Natur wieder erwacht und zum Leben durchbricht, so ist es auch in unserem Leben. Neues wächst heran. Geben wir ihm Raum!

Eine gesegnete Passions- und Osterzeit wünscht Ihnen

Pfarrer Friedemann Wenzke, Kleinsachsenheim