Das letzte Wort über unser Leben hat nicht die Friedhofsordnung, sondern die Auferstehungsordnung!

Wieder wird es Ostern und wir denken an die Auferstehung Jesu. Aber es wäre viel zu wenig, dies nur als historische Begebenheit zu bedenken. Die Auferstehung Jesu stellt unser Leben unter ein neues Vorzeichen. Das letzte Wort über unser Leben hat nicht die Friedhofsordnung, sondern die Auferstehungsordnung!

Wie meine ich das? Schauen wir mal in den Osterbericht. Drei Frauen gehen zum Grab und finden es leer. Stattdessen sitzt da eine Gestalt mit weißem Gewand in der Grabeshöhle und sagt Ihnen: „Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten. Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hergehen wird nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat (Mk.16,6-7).

Die Reaktion der drei Frauen: Sie fliehen völlig irritiert - und machen damit doch eigentlich genau das Richtige. Denn sie wenden sich radikal ab von ihrem bisherigen Weg. Nun geht ihr Weg nicht mehr ins Grab, sondern aus dem Grab hinaus. Weg vom Ort des Todes hinein in das Leben. Sie laufen schnell weg und lassen auch zurück, was ihnen vorher so wertvoll war: Die Töpfe mit den kostbaren Salben für den Verstorbenen. Vergessen bleiben sie stehen im Garten des Joseph von Arimathia. Für die Frauen haben sich plötzlich die Maßstäbe völlig verrückt. Die alte Sichtweise ist überholt. Sie suchen nicht  mehr einen Toten, sie suchen den Lebenden. Sie verlassen das Grab. Allerdings nicht, ohne vorher noch einen Auftrag mit auf den Weg zu bekommen: „Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass der Auferstandene vor euch hingehen wird nach Galliläa. Dort werdet ihr ihn sehen.“

Im ersten Moment können die Frauen gar nicht erfassen, was sie gerade gehört haben. Sie haben immer noch Angst. Aber wir wissen aus den anderen Evangelien, dass diese Angst bald großem Mut gewichen ist. Sie haben ihren Glauben eben nicht zur Privatsache erklärt. Sonst wäre das Christentum längst ausgestorben. Nein, sie haben offen und ehrlich Position bezogen und haben ihre Erlebnisse mit Gott weitererzählt. Sie haben Mut bekommen, den Mund aufzutun. Und eine Quelle dieses Mutes ist die Zusage: „Der Auferstandene wird vor euch hergehen nach Galiläa.“ Galliläa – das war ihr Zuhause! Hier lebten sie ihr Leben. Und genau hier wollte der Auferstandene einkehren. Er, der jetzt das Leben selbst ist. Merken wir: Gott ist nicht ein ferner Gott. Er kehrt bei uns ein. In unsere Lebenszusammenhänge. Er, der selbst das Leben ist, kommt in unser Leben. Er kehrt bei uns ein und zwar nicht als eine Antiquität, als jemand der längst das Zeitliche gesegnet hat, sondern als jemand, der das Zeitliche überwunden hat.  Als jemand, der den Überblick hat über unser Leben. Über unser Leben hier auf Erden. Er geht voran, er sorgt vor. Er mutet uns neue Schritte zu. Aber keine Schritte, die er selbst nicht kennt. Die er selbst nicht schon gegangen ist. Unser Weg ist schon gebahnt. Und er geht uns nicht nur in diesem irdischen Leben voran, das wäre zu bescheiden. Nein, deswegen feiern wir ja gerade Ostern, weil seit Ostern uns Zukunft geschenkt ist über dieses Leben hinaus. Die Endgültigkeit des Todes ist ein für alle mal gebrochen. Der Tod ist nicht mehr das Letzte, sondern nur noch das Ende der irdischen Existenz. Dieses allerdings ist oft schon schmerzlich genug für uns. Aber seit Ostern dürfen wir sicher sein: es gibt für uns ein neues Leben bei Gott. Ein Leben ohne Leid und Schmerzen, ein Leben ohne Angst und Trauer, ein Leben in Gerechtigkeit und Frieden. Jesus hat diesen Weg als Erster beschritten. Aber er ist bei weitem nicht der Einzige geblieben. Viele hat er inzwischen zu sich gezogen. Menschen, die ihm vertraut haben, Menschen vielleicht auch aus Ihrem Lebensumkreis, mit denen Sie sich innerlich verbunden fühlen. Das letzte Wort über unser Leben hat nicht die Friedhofsordnung, sondern die Auferstehungsordnung Jesu Christi. Jesus lebt und wir sollen auch leben. In Ewigkeit. Das für sich glauben und dann davon anderen weitersagen – das bedeutet Ostern wirklich zu feiern. Und wenn dabei noch ein paar Ostereier oder Osterhasen zu finden sind, habe ich persönlich da überhaupt nichts dagegen. Ich esse schließlich leidenschaftlich gerne Schokolade!

Frohe Ostern und herzliche Grüße Ihr Gemeindepfarrer
Friedemann Wenzke