Pfingsten als Fest des Heiligen Geistes - was ist denn das eigentlich?

Fünfzig – so heißt kurz und knapp eines der wichtigsten Feste der Christen. Pfingsten kommt vom griechischen „Pentekoste“ und das heißt ganz einfach: fünfzig! Gemeint sind 50 Tage nach Ostern. Aber was feiern wir zu Pfingsten eigentlich? Das Fest fristet ja etwas ein Mauerblümchendasein unter den großen kirchlichen Festen. Dabei gäbe es bis heute kein kirchliches Fest ohne Pfingsten. Die Jünger wären ohne das Geschenk des Heiligen Geistes rückwärtsgewandte Menschen geblieben. Sie hätten Gedenkfeiern für Jesus gehalten, aber keine Gemeinde gegründet.

So bezeichnet man Pfingsten auch als den Geburtstag der Kirche. Aber dieser Geburtstag wird nicht triumphal gefeiert. Weil der Heilige Geist immer Geschenk ist. Um ihn gilt es immer wieder zu bitten.

Aber was ist denn der Heilige Geist eigentlich? Spannend ist ja, dass selbst Lukas in seiner Pfingstgeschichte in der Apostelgeschichte diese Frage nicht einfach beantwortet, sondern in Vergleichen redet. Er sagt: Der Heilige Geist ist wie Feuer. Oder wie Sturm. Und er redet damit von den Wirkungen des Heiligen Geistes. Und wie wirkt er? Er verändert Menschen. Aus stummen Jüngern, die sich von Jesus verlassen fühlen, werden Begeisterte, die öffentlich das Wort  ergreifen. Plötzlich weht ein neuer Wind. Es entstehen Gemeinden, die Botschaft von Jesus Christus breitet sich immer mehr aus. Schließlich dank dem Apostel Paulus sogar bis nach Europa. Aber die Reaktionen sind durchaus unterschiedlich. Sie reichen von Ergriffenheit und Gottvertrauen bis hin zu Ratlosigkeit und Spott. Der Heilige Geist zwingt zur Stellungnahme im Blick auf Gott. Neutralität gibt es da nicht. So wirkt der Heilige Geist bis heute. Obwohl die Kirche selbst in ihrer schon zwei Jahrtausend alten Geschichte oft genug versucht hat, die wilde Taube des Geistes in einen flügellahmen Vogel zu verwandeln. Aber der Heilige Geist ist nicht totzukriegen. Er weht, wo er will.

Im Moment gehen die Kirchenmitgliederzahlen in Württemberg, in Deutschland, ja in ganz Europa zurück. Aber in anderen Erdteilen – und zunehmend auch in islamisch geprägten Ländern – fragen Menschen stärker nach Jesus Christus und es kommt zu echten Lebenswenden. Der Heilige Geist weht wo er will. Wir können nur immer wieder um ihn bitten im Blick auf unsere Kirche, unsere Gemeinde und auch unser persönliches Leben. Vielleicht mit diesen Worten von Ottmar Arnd:

  • Heiliger Geist- ohne dich ist Gott fern, mit dir ist er nah.
  • Ohne dich bleibt Jesus Christus Vergangenheit, mit dir ist Jesus Christus jetzt unter uns.
  • Ohne dich ist das Evangelium eine Sammlung toter Buchstaben, mit dir sprüht es vor Leben.
  • Ohne dich ist die Kirche nichts anderes als ein Verein, mit dir wird Kirche zur Heimat von Menschen.
  • Ohne dich wird der christliche Glaube zur Sklavenmoral, mit dir schenkt er Kraft und Freiheit.
  • Heiliger Geist, komm jetzt in unsere Mitte, erfülle unsere Herzen. Amen.


Ich wünsche Ihnen ein frohes und „begeistertes“ Pfingstfest

Ihr Pfarrer Friedemann Wenzke